Diplomaten begrüßen Tod al-Baghdadis

Vorarlberg / 27.10.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Trump: „Vergangene Nacht haben die Vereinigten Staaten den weltweit führenden Terroristen seiner gerechten Strafe zugeführt.“ AP

Türkische Medien sehen Erdogan als Sieger.

Heinz Gstrein

Washington Der Anführer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, ist laut US-Präsident Donald Trump „wie ein Hund“ und „wie ein Feigling“ gestorben. Das sagte Trump am Sonntag in einer Ansprache im Weißen Haus. Der IS-Chef sei „wimmernd und weinend und schreiend“ in den Tunnel geflüchtet. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fand der Angriff nahe dem Ort Barisha in der Provinz Idlib statt. Barisha liegt nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Die erfolgreiche US-Militäraktion wurde in Nahost erleichtert begrüßt. Beobachter in Beirut sehen darin ein Auftrumpfen. Es soll nach dem Rückzug beweisen, dass die Amerikaner in Syrien nach wie vor das Sagen haben. Scharf kritisiert wird hingegen in Trumps Siegesmeldung, dass das einzige Interesse Washingtons weder den gegen den IS-Terror benutzten Kurden noch einer demokratischen Zukunft Syriens, sondern einzig dessen Ölvorkommen gilt.

War es eine Falle?

Indessen fragen sich Diplomaten in Damaskus, wie Baghdadi und ein ganzer Haufen letzter Getreuer, die weit im Osten des Landes in einer IS-beherrschten Wüstenecke vermutet wurden, in die von Assad-Truppen durchkämmte „Beruhigungszone“ von Iblid in Nordwestsyrien gelangen konnten. Mit großer Wahrscheinlichkeit habe da der Geheimdienst des syrischen Regimes mitgeholfen. Es könnte aber auch sein, dass Baghdadi in eine Falle gelockt wurde. Das antike Ruinenfeld von Barisha mit den Überresten einer frühchristlichen Kirche, in denen sich der Zerstörer unzähliger Kirchen verkrochen hatte, wäre ein ideales Versteck gewesen.

Unmittelbar nach dem Auftreten von Trump hat in Ankara das Verteidigungsministerium bestätigt, dass es sich bei dem Start- und Endpunkt der „Operation Baghdadi“ um den US-Stützpunkt Incirlik in der Südtürkei gehandelt hat. Die Abendblätter in Istanbul begrüßten allgemein den Anti-Terror-Schlag. Sie werten ihn aber in erster Linie als innenpolitisches Manöver, das der Kritik von Demokraten wie auch Republikanern an der Syrienpolitik des Präsidenten Wind aus den Segeln nehmen soll. Mit der Liquidierung Baghdadis hätten die USA ihre mit Rückzug aus Nordsyrien aufgegebene Rolle als Ordnungsmacht nicht wieder gewonnen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und nicht Donald Trump ginge als Sieger aus dem Syrienkonflikt hervor, schreiben sie.

Sieger Erdogan

Tatsächlich ist Erdogan gelungen, binnen weniger Oktobertage Amerikaner und Kurden, Russen und Syrer gegeneinander auszuspielen oder um den Finger zu wickeln, sodass der syrische Knoten durch den Schwerthieb der Operation „Friedensbrunn“ zerschnitten wurde. Zwar muss die Türkei ihre Sicherheitszone nun mit russischen und Assad-Verbänden teilen. Die Gefahr eines Kurdenstaates Rojava an der Südgrenze scheint aber nun endgültig gebannt.