„Männerzirkel verlieren Bedeutung“

Vorarlberg / 27.10.2019 • 19:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kaufmann spricht im VN-Podcast über Frauen in der Politik. VN/Lerch
Kaufmann spricht im VN-Podcast über Frauen in der Politik. VN/Lerch

Dornbirns Bürgermeisterin Kaufmann spricht über Frauen, Politik und die Füchtlingskrise.

Dornbirn Als Andrea Kaufmann 1995 mit 25 Jahren Dornbirner Bildungsstadträtin wurde, begründete das der damalige Bürgermeister Rudolph Sohm mit den Worten: „Wir können einer Frau nicht gleich das Referat für Straßen und Kanäle geben!“ Er beharrte darauf, Kaufmann als Stadtrat zu bezeichnen. 21 Jahre später, im Jahr 2016, wollte in Egg Carmen Willi Bürgermeisterin werden. Nach anonymen Diffamierungen zog sie zurück. Hat sich also nichts geändert? Haben es Frauen in der Politik allgemein schwerer? Wie war das damals für Andrea Kaufmann? Fragen wie diese hat die Dornbirner Bürgermeisterin im ausführlichen Podcast-Interview mit der VN-Woche beantwortet.

Konservative Meinungen

Als sie gefragt wurde, ein öffentliches Amt zu übernehmen, habe sie es sich schon genau überlegt. „Meistens haben Frauen die Familie und den Haushalt dazu zu managen, das ist immer noch so. Der Großteil der Organisation bleibt bei den Frauen“, erzählt sie. In Vorarlberg, aber auch in anderen Regionen gebe es nach wie vor einen gewissen Grundstock an konservativen Meinungen, was die Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau betrifft, fährt sie fort. „Es gibt bei manchen schon noch die Grundhaltung, dass Frauen zuhause bleiben sollten und sich um die Kinder kümmern. Aber man muss auch sagen: Wir in Vorarlberg sind viel offener, liberaler und toleranter, als es von außen den Anschein hat.“

Haben es Frauen grundsätzlich schwerer? „Nein“, ist Kaufmann überzeugt. Aber Frauen würden genauer beobachtet, auf Äußerlichkeiten reduziert und müssten mehr Leistung bringen. Ihren Töchtern sei die Diskussion aber schon fremd, es habe sich viel getan. Machtkämpfe in der Politik und die bestehenden Netzwerke, die ebenfalls zum größten Teil aus Männern bestünden, habe sie zwar oft zu spüren bekommen, jedoch hätte sie sich herausgehalten. „Männerzirkel verlieren in Vorarlberg immer mehr an Bedeutung“, ist sie überzeugt.

Schwere Zeit

Dornbirn ist mit bald 50.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes und als solche von der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 besonders betroffen gewesen. Viele Asylwerber kamen in Dornbirn unter, in der Messehalle gab es ein temporäres Großquartier, in der Bildgasse eines, das länger bestand. Kaufmann spricht im Interview auch über diese Zeit und die Schwierigkeit, als zeitgleich Romafamilien zuwanderten. „Das wurde immer verwechselt. Es war eine harte Zeit“, blickt sie zurück. „Wir waren kurz davor, dass die Stimmung kippt.“ Aber es sei gut gelungen, die Balance zwischen Menschlichkeit und Ordnung zu schaffen.

Das ausführliche Gespräch in der VN-Woche gibt es auf VN.at und allen gängigen Podcast-Plattformen zum Nachhören. VN-JUL, MIP