18 Monate Haft wegen Wiederbetätigung

Vorarlberg / 29.10.2019 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte leugnete historische Tatsachen und bewies auch mit privaten Utensilien seine rechtsextremistische Überzeugung. eckert
Der Angeklagte leugnete historische Tatsachen und bewies auch mit privaten Utensilien seine rechtsextremistische Überzeugung. eckert

Deutscher wegen strafbarer Geschmacklosigkeiten verurteilt.

feldkirch  „Dieses Geschwür dehnt sich aus. Rudolf Heß würde sich im Grab umdrehen, schmeißt diese Kanaken endlich raus!“, zitiert Staatsanwalt Philipp Höfle in seinem Eröffnungsplädoyer am Landesgericht Feldkirch Äußerungen des Angeklagten. „Es waren nicht sechs Millionen Juden, wie uns immer angelastet wird, es waren höchstens eine Million. Sechs Millionen in die Gaskammern zu führen, wäre gar nicht möglich gewesen“, leugnete der gelernte Facharbeiter historische Tatsachen.

Geschichte, die, wie er sagt, von den Besatzungsmächten geschrieben worden sei. Dass er hinter dieser Einstellung steht, beweisen auch andere Utensilien, darunter ein Feuerzeug, auf dem steht „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“. Auch Bilder, versandt an Verwandte und Arbeitskollegen, Musik und andere Zeichen weisen auf eine rechte Einstellung hin. „Ich bin nicht rechtsextrem, eher national denkend“, meint der Beschuldigte.

Halsband und Ohrschmuck

Das Halsband seines Huskys, mit dem der Mann in Bludenz öfters spazieren ging, trug ebenfalls nationalsozialistische Symbole. Auch der Ohrschmuck des mehrfach vorbestraften Metallarbeiters trug dieses Ornament. Vor der Polizei rechtfertigte sich der Mann damit, dass er nur einen „schwarzen Humor“ habe und es sich lediglich um dumme Provokationen gehandelt habe. Die Verteidigerin Andrea Concin betont, dass es ihrem Mandanten nie darum ging, den Nationalsozialismus wiederzubeleben, dass also kein Vorsatz für Wiederbetätigung vorliege.

Die Verteidigung führt auch aus, dass der Bub in seiner Kindheit entsprechend geprägt wurde. Im Heim aufgewachsen, mit viel Alkohol und falschen Kollegen habe sich entsprechendes Gedankengut festgesetzt. „Mein Mandant hat einen Buddha, Yin und Yang und ein Peace-Zeichen als Tätowierung auf seinem Körper“, informiert die Verteidigerin.

Als Flüchtlingshelfer engagiert

Die Lebensgefährtin des Mannes sei als Flüchtlingshelferin tätig und auch der Angeklagte habe sich dort engagiert. „Der Angeklagte gehört nicht in das braune Eck, wo ihn die Anklage hinstellt“, so Concin. Der Schwurgerichtshof befindet den 32-Jährigen dennoch in allen zwölf Punkten für schuldig und bemisst die Strafe mit 18 Monaten unbedingter Haft. EC