„Einfach sein können“

Vorarlberg / 29.10.2019 • 17:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lillith, Michael und Simone vor dem Hauseingang des Vereins in der Bregenzer Oberstadt.VN/Jul
Lillith, Michael und Simone vor dem Hauseingang des Vereins in der Bregenzer Oberstadt.VN/Jul

Verein für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans, Inter und Queer.

Bregenz Trotz der Gesetze, die der Verfassungsgerichtshof verabschiedet hat, die Meilensteine in der Enddiskriminierung darstellen, leben homosexuelle, transgender und intersexuelle Menschen noch oft mit der Angst, für ihre sexuelle Neigung oder ihr Anderssein stigmatisiert und verurteilt zu werden. Zu spüren, dass man anders ist und fühlt als die Mehrheit des gleichen Geschlechts, ist vor allem in jungen Jahren, wenn Persönlichkeit und Identität feste Formen annehmen, nicht nur verwirrend und belastend, sondern führt in vielen Fällen zu ernsthaften psychischen Erkrankungen. „Die Suizidrate unter homosexuellen Menschen ist sieben Mal so hoch wie jene heterosexuellen, Menschen“, betont Michael Andreas Egger und verweist dabei auf eine Studie der Universität Salzburg.

Der Raum unter dem Regenbogen

Er selbst ist homosexuell, engagiert sich seit elf Jahren ehrenamtlich im Verein Go West in der Bregenzer Kirchstraße. Früher, sagt er, und damit meint er vor zirka 15 Jahren, gab es Internetforen und spezielle Plattformen, die unter Insidern bekannt waren und wo sich Homosexuelle austauschten, aber keinen realen Ort der Begegnung. „Der Raum unterm Regenbogen“, wie ihn Michael beschreiben würde, existiert nun seit knapp 13 Jahren im Ländle. „Ein Ort „ohne Diskriminierung, ohne Hass, ohne Rollenzuschreibungen“, führt er weiter aus, „wo man sich selbst sein kann.“

Großes Angebot

Go West steht nicht nur für einen Raum des Austausches für Homosexuelle, Transgender, intersexuelle und Queer-Menschen, womit man das Anderssein beschreiben möchte, sondern auch für Beratung in allen erdenklichen Lebensbereichen- und abschnitten.

Anonym, persönlich vor Ort, über das Telefon oder per E-Mail. S’Freiräumle, exklusiv für Trans- und intersexuelle Menschen ins Leben gerufen, steht unter dem Motto „Gemeinsam ist es leichter zu ertragen“. „Die Selbsthilfegruppe Transident hatte mir viel zu strenge Strukturen“, erklärt Lilith Gwendolyn, die die Idee fürs sFreiräumle gemeinsam mit einer Freundin hatte. „Du musst gar nix tun, du kannst einfach nur sein“, führt sie fort. Des Weiteren veranstalten sie Workshops an Schulen, die vom Kernteam, das aus zehn bis zwölf Mitgliedern besteht, sowie auch von den anderen 120 Vereinsmitgliedern, abgehalten werden.

Zweck dieser Seminare ist die „Sensibilisierung und ein Sichtbarmachen der Vielfalt, die in Schulbüchern nicht vorkommt“ im Gegensatz zu sexueller Aufklärung, erklärt Egger weiter, der im Juni dieses Jahres mit der Urkunde für ehrenamtliches Engagement der Stadt Bregenz ausgezeichnet wurde. Neben dem Hebammenkongress, der im Mai in Feldkirch veranstaltet wurde, wo Ärzte- und Pflegepersonal über Intersexualität informiert und aufgeklärt wurden, fand Anfang Oktober eine Podiumsdiskussion mit Politikern der im Landtag vertretenen Parteien statt.

All diese Schritte für mehr Sichtbarkeit sollen dazu führen, „dass es Go West eines Tages nicht mehr geben wird, dass es die nächste Generation leichter hat“, finalisiert Egger seinen Wunsch. VN-JUL

Statements

Ich spürte den Bedarf nach etwas anderem wie der Selbsthilfegruppe Transident, wo ich nicht glücklich war aufgrund der strengen Strukturen.Lilith Gwendolyn, 46

 

Meine Schwangerschaft und das Muttersein war für mich der ausschlaggebende Punkt. Ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht offiziell geoutet und wollte meiner Tochter nichts Falsches vorleben. Ich habe nur vereinzelt Familien mit Kindern in derselben Lage kennengelernt. Simone, 34

 

Der Computer stand früher noch im Wohnzimmer und man hatte keine Privatsphäre. Ich wollte Gleichgesinnte kennenlernen, die meine Probleme in der Schule und im Job verstehen konnten. Michael Andreas, 30