„Wie ein Vegetarier im Steakhouse“

Vorarlberg / 30.10.2019 • 18:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im Dornbirner Nachtleben ändert sich bald einiges.

Dornbirn In der Klappe ist es warm. Bob Deauville, wie er sich nennt, ist dennoch dick eingepackt: Schwarze Lederjacke, schwarze Wollmütze, dunkler langer Bart. Er lehnt sich lässig an einen Tisch und zieht genüsslich an seiner Zigarette. Aus dem Lautsprecher raunt Sven Regener seine Verse, fast jeder in der Bar raucht. Bald darf Bob Deauville nicht mehr rauchen. „Das ist Bevormundung!“, poltert er. „Ich wünsche mir mehr Toleranz.“ Und: „Ich bin dagegen!“ Ab 1. November darf in der Klappe, wie in allen Gastronomiebetrieben Österreichs, nicht mehr geraucht werden. Manche toben, andere sehen es gelassen, wie ein Rundgang durch Dornbirns Nachtleben zeigt. Die größte Sorge gilt den Nachbarn.

Ilkkan steht hinter dem Tresen, sein Blick schweift durch den Gastraum. 20 Gäste sind hier. „Am Wochenende ist es voll“, erzählt Ilkkan. Die Hälfte des Umsatzes macht die Orient Lounge mit Wasserpfeifen. „Ich werde wohl Mitarbeiter abbauen müssen“, befürchtet er. Ilkkan kann das Problem nicht verstehen, schließlich müssen Nichtraucher seine Shisha-Bar nicht besuchen: „Das ist, als würde ein Vegetarier in ein Steakrestaurant gehen und sich beschweren, dass es dort Fleisch gibt.“ Auch vor Amra, Hilal und Ceyda steht eine Wasserpfeife, die Aschenbecher sind hingegen leer. Sie rauchen keine Zigaretten. „Shisha-Bars sind eine der wenigen Attraktionen für junge Menschen in Vorarlberg“, ist Ceyda überzeugt.

Warten auf das Höchstgericht

Ilkkan hofft auf den Verfassungsgerichtshof. Die rund 500 Shisha-Betreiber Österreichs wollen eine Ausnahme erreichen. Ilkkan hat noch eine weitere Befürchtung: die Nachbarn. Im Vakanz teilt man die Sorgen. Zum Rauchen müssen die Gäste bald vor die Türe. Ab zwei Uhr gibt es keine Rauchmöglichkeit mehr. Wer dann den Klub verlässt, kommt nicht mehr rein. Das benachbarte Bierlokal ist einen Schritt weiter. Dort darf seit einem Jahr nicht mehr geraucht werden. Einbußen habe es keine gegeben, erzählt der Barkeeper.

Im Mr. Jones rätseln die Barbetreiber noch, wie sie mit Gästen, die vor die Türe gehen, umgehen sollen. Am Tisch sitzt Nichtraucher Niki mit Sabrina und Steffi, zwei Raucherinnen. Niki stört der Rauch nicht. Während Shakira fröhliche Töne verbreitet, fällt er ein vernichtendes Urteil: „Die Bananenrepublik Österreich hat versagt.“

In der 7er-Bar sieht man es gelassener. „Es ist halt so“, sagt die Barkeeperin und lächelt. Eine Gruppe Stammgäste wird bedient. Alle rauchen, doch beim Rauchverbot sind sie sich uneins. „Wenn man in ein Raucherlokal geht, muss man sich damit abfinden“, sagt eine junge Frau. Ihr Gegenüber widerspricht: „Das Rauchverbot ist progressiv.“ Sein Kollege nickt und betont: „Halb Europa hat es auch geschafft.“ Ein Nebenmann entgegnet: „Das ist Schikane!“

Auf dem Bahnsteig am Bahnhof darf seit Jahren nicht geraucht werden. Ein Pärchen wartet 20 Meter vom Raucherbereich entfernt auf den Zug. Beide qualmen. Es ist wohl eher eine Richtlinie, als eine Regel.

Oben: Bob Deauville genießt seinen Tschick. Unten links: Die 7er-Stammgäste werden weiterhin kommen. Rechts: „Bananenrepublik Österreich hat versagt.“
Oben: Bob Deauville genießt seinen Tschick. Unten links: Die 7er-Stammgäste werden weiterhin kommen. Rechts: „Bananenrepublik Österreich hat versagt.“