Kummenberggemeinden gedenken NS-Opfer

Vorarlberg / 31.10.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Enthüllung der Gedenktafel durch die politischen Vertreter der Gemeinden Altach, Götzis, Koblach und Mäder. EGLE
Enthüllung der Gedenktafel durch die politischen Vertreter der Gemeinden Altach, Götzis, Koblach und Mäder. EGLE

Gedenktafel am Götzner Garnmarkt als neues Mahnmal.

Götzis, Kummenberg „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ Dieses Zitat des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker stand stellvertretend für das Anliegen der zahlreichen Besucher einer Gedenkveranstaltung am Götzner Garnmarkt. In der Zeit der NS-Herrschaft von 1938 bis 1945 wurden insgesamt 19 Menschen aus den Kummenberggemeinden Götzis, Altach, Koblach und Mäder vom damals herrschenden Regime umgebracht, größtenteils in Vernichtungslagern. Um ihnen ein würdiges Andenken zu erhalten, wurde nun eine Gedenktafel gegenüber der Kathi-Lampert-Schule – auch sie war unter den Opfern – von den Bürgermeistern der Region enthüllt. An diesem Ort der Geschäftigkeit und der guten Laune entsteht damit ein kleiner Ort der Ruhe und Besinnung, der unter dem Motto „Niemals vergessen“ zum Nachdenken anregen soll.

Die 19 Namen der NS-Opfer sind auf der Tafel verewigt worden.
Die 19 Namen der NS-Opfer sind auf der Tafel verewigt worden.

Student mahnte Gedenkort ein

Parallel dazu wurde auch das neue Buch „Die NS-Opfer der Kummenberg Gemeinden“ präsentiert. Hauptinitiatoren dieser Arbeit waren Harald Walser, Wolfgang Berchtold und Werner Gächter. Das Buch erzählt vom Schicksal der Opfer, aber auch von den Tätern. Es handelt vom durchaus unterschiedlichen Zugang der Gemeindeoberhäupter der damaligen Zeit, wie Herausgeber Walser beschreibt. So sticht etwa der damalige Altacher Bürgermeister Oskar Kopf positiv hervor, wodurch es in Altach kein einziges direktes Euthanasie-Opfer zu beklagen gibt. „Man sieht, es gab auch damals innerhalb des Systems durchaus auch Möglichkeiten, sich gegen die größten Grausamkeiten zu wehren“, stellte Walser fest. Angestoßen wurde die Thematik von dem jungen Studenten Alp Sanialp, der bei den Gemeinden einen fehlenden Gedenkort einmahnte. Umrahmt wurde die Veranstaltung nicht nur vom einem Bläserquartett der Musikschule Tonart, sondern auch durch eine Performance der Schüler der Kathi-Lampert- Schule, die weiterer Opfer der damaligen Zeit gedachten und den Wahnsinn zu versinnbildlichen versuchten.

Die Hauptinitiatoren Wolfgang Berchtold, Werner Gächter, Harald Walser und Alp Sanialp.
Die Hauptinitiatoren Wolfgang Berchtold, Werner Gächter, Harald Walser und Alp Sanialp.

Neben den Initiatoren und den Bürgermeistern Christian Loacker, Gottfried Brändle und Gerd Hölzl sowie dem Mäderer Vize Rainer Gögele (Bürgermeister Rainer Siegele war verhindert) hatten sich auch die Historiker Meinrad Pichler, Werner Bundschuh und Ulrich Nachbaur als interessierte Besucher eingefunden. Die beiden Vizebürgermeister Clemens Ender (Götzis) und Kuno Sandholzer (Altach) sowie der Götzner Altbürgermeister Werner Huber waren genauso vor Ort wie der Direktor der Kathi-Lampert-Schule, Gerhart Hofer, und der im gleichen Gebäude beheimatete Volkshochschul-Direktor Stefan Fischnaller. CEG

Direktor Gerhard Hofer und Judith-Aichbauer-Strauß von der Kathi-Lampert-Schule. Die Namensgeberin war eines der Opfer des NS-Regimes.
Direktor Gerhard Hofer und Judith-Aichbauer-Strauß von der Kathi-Lampert-Schule. Die Namensgeberin war eines der Opfer des NS-Regimes.
Mit einer Performance erinnerten Schüler an weitere Opfer.
Mit einer Performance erinnerten Schüler an weitere Opfer.
Buchhändler Walter Schuler und VHS Direktor Stefan Fischnaller.
Buchhändler Walter Schuler und VHS Direktor Stefan Fischnaller.