Bergfreund und Anästhesist

Vorarlberg / 01.11.2019 • 16:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dr. Joachim Oeding: respektvoll, leise und geradlinig.
Dr. Joachim Oeding: respektvoll, leise und geradlinig.

Oberarzt am LKH Feldkirch Dr. Joachim Oeding (48) plötzlich verstorben.

Ernest Enzelsberger

FELDKIRCH Am 14. Oktober 2019 verstarb Dr. Joachim Oeding – für alle unerwartet und viel zu früh – an einer Herzrhythmussstörung durch eine ihm nicht bekannte, vermutlich angeborene Herzerkrankung.

Er war eine Führungspersönlichkeit mit hohen fachlichen und menschlichen Qualitäten, der von allen Anerkennung und Wertschätzung zuteil wurde.

Dr. Joachim Oeding wurde am 8. Oktober 1971 in Freiburg im Breisgau geboren und kam im Jänner 2013 zusammen mit seiner Frau Annemarie Wahl, Internistin, nach Vorarlberg. An der Abteilung für Anästhesie und Intensivbehandlung am Landeskrankenhaus Feldkirch trat er mit großem Engagement eine Stelle als Oberarzt an. Wohl mitentscheidend für seinen Wechsel nach Vorarlberg war seine Liebe zu den Bergen. In den wenigen Jahren, die er hier lebte, hat er das Leben vieler Menschen durch seine immer freundliche, leise und geradlinige Art, seine Hilfsbereitschaft, sein Zuhören sowie seine immer wieder wohltuend anderen Ansichten bereichert. Joachim ist in Westfalen als erstes von drei Kinder aufgewachsen, er war schon als Jugendlicher begeisterter Rennradfahrer. Nach seinem Schulabschluss machte Joachim zuerst eine Ausbildung als Krankenpfleger und arbeitete bis 2003 als Krankenpfleger im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke in der Nähe von Dortmund. 1996 kam seine Tochter Marlene zur Welt.

Er studierte von 1997 bis 2003 berufsbegleitend Medizin an der Universität Witten-Herdecke. 2004 promovierte er ebendort zum Dr. med. Witten-Herdecke war die erste Privatuniversität Deutschlands. Sie wurde mit der Zielsetzung gegründet, junge Menschen nicht nur fachlich, sondern gesamthaft zu bilden und auch Denkweisen zu hinterfragen, die man für selbstverständlich hält. Das Leitbild der Universität ist heute aktueller denn je: Förderung der sozialen Verantwortung, Ermutigung zur Freiheit und Streben nach Wahrheit. Joachim Oeding hat diese Werte als Ausbildungsoberarzt an der Abteilung gelebt und hat jungen Ärzten nicht nur medizinisches Wissen und Fertigkeiten vermittelt, sondern auch den Stellenwert von Selbstkritik und Respekt für andere sowie ein umfassenderes Verständnis der Bedürfnisse kranker Menschen.

Er war von 2014 bis 2019 bereichsleitender Oberarzt der Kinderanästhesie am LKH Feldkirch, fachlich war das Arbeiten mit Kindern seine große Liebe. Seine Ruhe und Ausgeglichenheit brachten ihm das Vertrauen der Kinder, seine Kompetenz die Anerkennung im Team. Joachim Oedings Bergleidenschaft verknüpfte er mit Engagement in Berg- und Flugrettung. Bereits im Frühjahr 2013 trat er der Bergrettung Nenzing bei, und im Folgejahr nahm er seine Tätigkeit als Notarzt bei der Flugrettung Vorarlberg auf. Ob als Referent und Prüfer bei Rezertifizierungen der Flugretter, Alpinsanitäterkursen oder Pistendiensteinschulungen, er tat es mit Verlässlichkeit und selbstverständlicher Hilfsbereitschaft.

Oedings Leidenschaft war neben dem Klettern das Skifahren, er war mit Leib und Seele Skitourengeher. Er war am Berg immer umsichtig für sich und andere.

Sein Weggefährte, Primar Univ.-Dozent Dr. Reinhard Germann, der Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivbehandlung am Landeskrankenhaus Feldkirch, führt zum Ableben von Dr. Joachim Oeding aus: „Es ist uns zu wünschen, dass so manches von Joachim in uns nachwirkt, und wir sind dankbar, ihn kennengelernt zu haben.“