Christoph Metzler verdient sein Brot mit dem Tod

Vorarlberg / 01.11.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christoph Metzler freut die Wertschätzung, die ihm als Bestatter entgegengebracht wird. KUM

Als Bestatter hat Christoph Metzler ständig den Tod vor Augen. Gerade deshalb denkt er viel übers Leben nach.

Dornbirn Christoph Metzler (33) verdient mit dem Tod seinen Lebensunterhalt. Gemeinsam mit seiner Frau Carolin führt er das Bestattungsunternehmen Oberhauser in Dornbirn. Dass der Tod zum Leben dazugehört, war ihm schon als Kind bewusst. „Ich habe jedes unserer Haustiere beerdigt und aus Ästen Kreuze gebastelt.“ Dass Verluste schmerzen, erfuhr er nach dem Tod von Minki, seiner Katze. Er hatte sie als Jungtier aus einem Bach gerettet. „Als sie totgefahren wurde, trauerte ich eine Weile um sie.“ Später waren es die Großeltern, von denen er Abschied nehmen musste. Bei ihnen kam der Tod als Erlösung. „Sie waren alt und krank.“

Metzler glaubt, dass die Toten nicht wirklich tot sind. „Sie leben weiter. Dies ist mein Empfinden. Ich glaube einfach nicht, dass mit dem Tod alles aus ist.“ Die toten Körper, mit denen er als Bestatter fast täglich zu tun hat, sind für ihn nur leere Hüllen. „Das, was den Menschen ausgemacht hat, ist nicht mehr da. Das Wesentliche vom Menschen ist gegangen. Man kann es Seele nennen, Lebenskraft, wie auch immer.“ Aber wenn die Angehörigen aus dem Leben des Verstorbenen erzählen, wird für ihn der Tote lebendig. „Dann ist er für mich kein Unbekannter mehr. Dann lebt er weiter, sogar in meinem Kopf, obwohl ich ihn zu Lebzeiten nicht kannte.“ Deshalb berührt ihn jeder Sterbefall.

„Alles ist Schicksal. Eine höhere Macht steuert unser Leben.“

Christoph Metzler, Bestatter

Wer wie Metzler dauernd mit dem Tod konfrontiert ist, der weiß, wie zerbrechlich das Leben ist. „Man weiß nie, was passiert. Deshalb genieße ich jeden Tag und verbringe so viel Zeit wie möglich mit den Menschen, die ich gern habe.“ Wer den Tod ständig vor Augen hat, denkt auch mehr übers Leben nach. Der zweifache Vater ist der Meinung, dass die großen Ereignisse im Leben eines Menschen vorbestimmt sind. „Alles ist Schicksal. Eine höhere Macht steuert unser Leben.“ Dem Menschen bleibe nichts anderes übrig, als sich seinem Schicksal zu ergeben.

„Wir fertigen nicht ab“

Der gelernte Werkzeugbautechniker ist dem Schicksal dankbar, dass es ihn vor vier Jahren in die Bestatterbranche geführt hat. Denn: „Diese Arbeit erfüllt mich extrem. Mich hat das ,Schaffa‘ noch nie so gefreut wie jetzt.“ Das Schöne sei, dass man sowohl den Angehörigen als auch den Verstorbenen helfen könne, letzteren indem man ihnen einen letzten Dienst erweise und sie hübsch zurechtmache. „Einer Frau, die täglich Lippenstift verwendete, habe ich auf Wunsch der Angehörigen die Lippen geschminkt.“ Metzler ist es wichtig, „dass sich die Kunden bei uns aufgehoben fühlen. Wir fertigen nicht ab“. Wahrscheinlich kommen deshalb so viele mit einem ehrlichen Dankeschön zu ihm.

Christoph Metzler

Geboren 16. Jänner 1986

Ausbildung KFZ-Techniker, Werkzeugbautechniker

Familie verheiratet, zwei Kinder

Hobbies Fischereiverein, Tontaubenschießen