Dafür stehen wir zusammen

Vorarlberg / 01.11.2019 • 17:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Auf unseren Friedhöfen ist viel los in diesen Tagen, wenn wir Allerheiligen, Allerseelen und auch den Seelensonntag feiern. Die Besuche an den Gräbern unserer Verstorbenen, die sich sonst über Tage und Wochen verteilen, verdichten sich. Wenn wir als Christinnen und Christen an diesen Tagen die gemeinsam unserer Verstorbenen gedenken, für sie beten, für sie Kerzen anzünden und Blumen niederlegen, sind das wertvolle Zeichen der Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus. Manche höre ich schon sagen, dass an diesen Tagen „größte kirchliche Modenschau“ über die Bühne geht. Schade freilich, wenn jemand das so empfindet. Ich sehe es anders. Wir stehen gemeinsam an den Gräbern unserer lieben Verstorbenen und machen uns bewusst: Der Tod gehört zum Leben und er hat in unsere Familien Lücken gerissen. Wir zeigen aber auch: Als Christen haben wir Hoffnung, Hoffnung über Tod und Grab hinaus. Der heilige Augustinus hat das einmal in ganz einfache drei Sätze gepackt: „Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoffnung, Gedenken unsere Liebe.“

Auferstehung ist unser Glaube

Dieser Glaube entspricht unserer Sehnsucht nach Leben, nach einem Leben, das mit dem Tod nicht einfach aufhört. Wir alle sehnen uns ja nach dem Leben in Frieden und Freude, Glück, Gesundheit und Zufriedenheit. Und so sehr diese Wünsche alle berechtigt sind, unsere Erfahrung kennt auch die andere Seite: Unser Leben wir immer wieder durchkreuzt von großen Herausforderungen, von Not, Leid Unglück und Krankheit und vom Tod. Darum ist es eine hoffnungsvolle Botschaft, die unser Glaube schenkt: Dass Gott sich um uns kümmert, mütterlich, väterlich. Dass er uns nicht im Stich lässt, auch nicht in Leid und Krankheit und im Angesicht des Todes. „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“, sagt Paulus (Röm 8,18).

Wiedersehen ist unsere Hoffnung

Beim Sterben eines geliebten Menschen trauern wir. Und das ist nur zu verständlich. Wir wollen, dass er bleibt, dass er uns nahe bleibt. In dieser Trauer über den Abschied lebt aber auch die Hoffnung auf das Wiedersehen. Jesus selbst hat den Jüngern diese Zusage gegeben: „Ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.“ (Joh 16,22).

Der Tod ist nicht nur Abbruch, er reißt Beziehungen nicht nur auseinander, sondern derselbe Tod führt auch zusammen. Wir werden Gott schauen, ihn sehen wie er ist, von Angesicht zu Angesicht. In diese Begegnung mit dem lebendigen Gott ist auch die Hoffnung auf ein ganz neues Wiedersehen mit unseren Verstorbenen mit eingeschlossen.

Gedenken ist unsere Liebe

Zum Gedenken an geliebte Menschen stellen wir Bilder auf, zünden wir Kerzen an, bringen wir Blumen und sprechen Gebete. Wer liebt, vergisst den anderen nicht. Er sucht ihn in seinen Gedanken, bewahrt ihn in guter Erinnerung. Beim letzten Abendmahl hat Jesus seinen Jüngern aufgetragen: Tut dies zu meinem Gedächtnis! Und wir Christen feiern seither dieses Gedächtnis an den Auferstandenen Herrn jeden Sonntag und auch an diesen Tagen und auch verbunden mit unseren Verstorbenen.

Wenn wir also für unsere Verstorbenen beten, uns an sie erinnern, wenn wir Blumen bringen und Kerzen für sie anzünden, wenn wir an ihren Gräbern stehen – dann tun wir es im Glauben an die Auferstehung, in der Hoffnung auf das Wiedersehen und in dankbarer Liebe. Dafür stehen wir zusammen.

Pfarre Altenstadt

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