Fluggastentschädigung bei Dienstreisen

Vorarlberg / 01.11.2019 • 18:05 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Nicht nur Vorarlberger sind in letzter Zeit vermehrt von Flugverspätungen und Flugannullierungen betroffen. In solchen Fällen hat das Flugunternehmen nach der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 bei Verspätungen von über drei Stunden den betroffenen Fluggästen eine Entschädigung, je nach Streckenlänge bis zu 600 Euro, auszuzahlen, es sei denn, dass das Flugunternehmen eine „höhere Gewalt“ (zB Wetter) nachweisen kann. Bei technischen Problemen ist grundsätzlich eine Entschädigung zu leisten.

Anspruch bei Dienstreisen. Vielfach wird trotz eines Anspruches von Geschäftsreisenden kein Anspruch geltend gemacht, zumal die Reise nicht von ihnen selbst, sondern vielmehr vom Arbeitgeber bezahlt worden ist. Tatsächlich handelt es sich hier aber um einen persönlichen Ersatzanspruch des jeweiligen Fluggastes, gleichgültig, auf wen die Rechnung lautet und wer die Reise bezahlt hat. Geschäftsreisende können deshalb die Auszahlung an sich selbst verlangen.

Nur dann, wenn vereinbart worden ist, dass solche Entschädigungszahlungen dem Arbeitgeber zustehen, darf der Geschäftsreisende die Entschädigung nicht selbst behalten, sondern hat sie an den Arbeitgeber weiterzuleiten. Solche vertraglichen Vereinbarungen kommen in der Praxis aber nur selten vor.

Zusätzlicher Anspruch des Arbeitgebers. Nach einem EuGH-Urteil (C-429/14) kann der Arbeitgeber zusätzlich Schäden, die er durch die Verspätung erlitten hat (zB Überstundenentgelte), geltend machen, unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer die Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung eingefordert hatte.

Verjährung. Ansprüche des Fluggastes verjähren erst binnen drei Jahren, Ansprüche des Arbeitgebers gegen das Flugunternehmen nach zwei Jahren.

Dr. Helgar Schneider, LL.M. (Virginia), ist Rechtsanwalt in Bregenz