Keine Schnäppchenjagd mehr in Lustenau

Vorarlberg / 01.11.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die letzten Waren gingen am Donnerstag über den Ladentisch, dann waren die Lichter aus. VN/STEURER

carla Einkaufspark der Caritas wegen der Kürzung von Fördermitteln geschlossen.

lustenau Monika knetet die Hände und bemüht sich um ein Lächeln. Es fällt schmallippig aus. Die 55-Jährige kämpft sichtlich um Beherrschung. Der Schock über die Schließung des carla Einkaufsparks in Lustenau sitzt noch immer tief. Das auf Secondhand-Ware spezialisierte Geschäft muss schließen, weil neuerlich ein Teil der Fördermittel zur Qualifizierung von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen dem Rotstift zum Opfer fiel. Monika wurde bereits zum dritten Mal in diesem Beschäftigungsprojekt der Caritas aufgefangen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau findet auf dem regulären Arbeitsmarkt einfach keinen Job. „Zu teuer“, merkt sie verbittert an. Dabei haben sie und ihre in Lustenau beschäftigten Kolleginnen noch Glück. Sie finden im Einkaufspark in Altach eine neue Beschäftigung. Trotzdem gibt es bei der Caritas unter dem Strich künftig 15 Qualifizierungsplätze weniger. „Die finanziellen Kürzungen lassen sich durch höhere Verkaufserlöse nicht auffangen“, bedauert auch Fachbereichsleiterin Karoline Mätzler die Schließung des carla Einkaufsparks in Lustenau. „Um die gewohnte Qualität halten zu können, müssen wir unsere Kräfte bündeln“, ergänzt sie.

Ökologischer Mehrwert

Warum gerade Lustenau? Diese Frage haben die Mitarbeiterinnen in den letzten Öffnungstagen immer wieder gehört. Schließlich warf das Geschäft gute Erlöse ab, trug sich wirtschaftlich. Die Antwort: Es handelt sich um den kleinsten Standort. Die carla Einkaufsparks in Dornbirn und Altach sind deutlich größer. Dabei ging es in Lustenau recht umtriebig zu. Es gab ein Reparaturcafé, und der Einkaufspark war Abgabestelle für Elektroschrott und Altmöbel. „Es wurde also auch sehr viel für das Gemeinwohl getan“, sagt Karoline Mätzler. Die Käufer kamen aus der Schweiz und aus allen sozialen Schichten. „Auch solche von ganz oben“, merkt Monika an. „Immer mehr erkennen den ökologischen Mehrwert von Secondhand-Waren“, ist Mätzler überzeugt. „Nie ging jemand ohne etwas hinaus“, flicht Monika mit Wehmut in der Stimme ein. So ganz hat sie sich noch nicht an den Gedanken gewöhnt, dass der vor sechs Jahren eröffnete Einkaufspark nun Geschichte ist. Gleichzeitig ist die sympathische Frau froh, ab Montag in Altach weiterarbeiten zu können. Was sie trotzdem noch anbringen möchte: „Außenstehende meinen oft, bei der Caritas arbeiten nur Sozialfälle, aber das stimmt nicht“, ärgert sich Monika über derlei kleinkariertes Denken.

Hängematten-Gerede

Damit ist sie nicht allein. Karoline Mätzler hat das Hängematten-Gerede ebenfalls über. „Die Frauen wollen arbeiten. Sie brauchen nur Unternehmen, die ihnen eine Chance geben und dabei Rücksicht auf ihre Bedürfnisse nehmen.“ Die Caritas betreut jährlich rund 300 Personen auf Transitarbeitsplätzen. Etwa 80 Prozent der Klienten sind Frauen über 50, eine Gruppe, die laut Mätzler am meisten benachteiligt ist. Ein halbes Jahr können sie bleiben, doch die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt gestaltet sich schwierig. Das belegt auch die mit 30 Prozent relativ hohe Rate an Wiederkehrerinnen. Auch Monika kehrte wieder in den Schoß der Caritas zurück.