Nach dem Messerstich ein Nickerchen

Vorarlberg / 01.11.2019 • 19:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zechgelage in der Bregenzer Schöllersiedlung folgte blutiges Ende mit Überraschungen.

Bregenz „Der spätere Täter hat seinen Saufkumpan beschuldigt, für den Tod seines Freundes verantwortlich zu sein. Weil der von ihm ‚schlechtes‘ Gift bekommen hätte“, so der damalige Chefermittler Norbert Schwendinger zum Motiv einer zunächst rätselhaften Tat, die sich am 28. September 2010 in der Bregenzer Schöllersiedlung ereignet hatte.

„Ich bringe alle um!“

Der 32-jährige Arbeitslose wurde in seiner Wohnung von seinem anschließenden 38-jährigen Opfer besucht. Auch ein dritter Mann stieß hinzu.

Das gemeinsame abendliche Programm des Trios beschränkte sich zunächst im Wesentlichen auf den Konsum von Alkohol. Und zwar reichlich Alkohol. Gegen Mitternacht forderten die Promille ihren Tribut. Sätze wie „Mir ist alles wurscht, ich bringe alle um!“ sollen gefallen sein. Dann schließlich die Erinnerung an seinen verstorbenen Freund, die in den Gedanken des 32-Jährigen erwachte. Und seinen aufgestauten Zorn auf einen der ­Besucher erweckte. Denn da war noch eine Sache offen.

Lebensgefährlich verletzt

Jedenfalls griff der Gastgeber plötzlich zu einem Messer und stieß es dem 38-Jährigen in den Leib. Schwendinger: „Durch den Stich in den rechten Brustbereich wurden gleich mehrere Organe in Mitleidenschaft gezogen. Die Verletzung wurde später vom Gerichtsmediziner als lebensgefährlich eingestuft.“

Umso kurioser, was dann geschah. „Trotz seiner schweren Verletzung legte sich der 38-Jährige zunächst seelenruhig schlafen.

Und auch der Täter hat sich niedergelegt. Jedenfalls hatte das Opfer einen Riesenmassel, dass es nicht verstorben ist“, fragt sich der damalige Morddezernatsleiter noch heute, ob das nicht dem gewaltigen Alkoholkonsum zu verdanken war . . .

Raubüberfall vorgetäuscht

Dann, es war am nächsten Morgen um etwa 7.30 Uhr, das nächste Mysterium: „Der wach gewordene Verletzte rief die Polizei an und behauptete, Opfer eines Raubüberfalls geworden zu sein“, sagt Schwendinger. „Doch wir erkannten bald, dass es so nicht gewesen sein konnte. Ganz offenbar versuchte der 38-Jährige, den Täter zu schützen.“ Letzterer wollte sich an überhaupt nichts erinnern. Nur der Dritte im Bunde gab an, dass es vor Mitternacht zu Differenzen zwischen den beiden gekommen war. Doch auch er vermochte sich an keinen Messerstich zu erinnern. Schlussendlich wurde der Tatverdächtige überführt und später am Landesgericht Feldkirch zunächst wegen versuchten Mordes angeklagt, dann aber wegen absichtlich schwerer Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt.

Zur Person

Norbert Schwendinger

Pensionierter Chef­ermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg, seit August 2019 in Pension

Geboren 5. Dezember 1958

Lesen Sie im nächsten Teil: Mordversuch an der Ehefrau vor Haus in Wolfurt.