Als die S 16 von „Kraftfeldern“ befreit wurde

Vorarlberg / 02.11.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/STEURER

Erster Teil der VN-Serie Geheimnisvolles Vorarlberg: Vor 15 Jahren wurden Teile der unfallträchtigen Arlbergschnellstraße im Auftrag der Asfinag durch den Bludenzer Pendler Gerhard Pirchl von geheimnisvollen Kraftfeldern entstört.

Bludenz Es ist der 28. Dezember 2002. Auf der S 16 in Innerbraz wird ein Kleinbus von einem Lkw gegen die Lärmschutzwand gedrückt, schlitzt dabei das Fahrzeug einer deutschen Urlaubergruppe regelrecht auf. Zwei Erwachsene und drei Kinder sterben bei dem Frontalcrash, der Vorarlberg erschüttert. Es sind tragische Unfälle wie dieser, die der Arlbergschnellstraße den Ruf einer Todesstrecke einbrachten.

Viele Unfälle auf der S 16 waren unerklärlich. Pkw-Lenker fuhren in Leitplanken oder in den Gegenverkehr, es gab keine Bremsspuren. Nach Ansicht Gerhard Pirchls führten sogenannte Kraftfelder zu Blackouts bei den Fahrern. Polizei Bludenz
Viele Unfälle auf der S 16 waren unerklärlich. Pkw-Lenker fuhren in Leitplanken oder in den Gegenverkehr, es gab keine Bremsspuren. Nach Ansicht Gerhard Pirchls führten sogenannte Kraftfelder zu Blackouts bei den Fahrern. Polizei Bludenz

Allein in den Jahren 1995 bis 2005 kamen 33 Menschen auf der S 16 ums Leben, 120 verletzten sich bei Unfällen schwer. Als besonders unfallträchtig erwies sich das Teilstück zwischen dem Dalaaser Tunnel und der Anschlussstelle Bludenz-Montafon, was zeitweilig sogar die Asfinag an Übersinnliches glauben ließ. 2004 engagierte das Unternehmen den Pendel-Experten Gerhard Pirchl. Dieser glaubte in negativ strahlenden Kraftfeldern die Ursache für die zahlreichen tragischen Unglücke gefunden zu haben. „Mit Hilfe eines Bergkristalls konnte Gerhard die Störfelder ausfindig machen und umleiten“, erzählt Elisabeth Dornbierer-Pirchl, die Witwe des 2013 verstorbenen Bludenzers. Im Zeitraum von sieben Monaten vergrub Gerhard Pirchl über 10.000 „Kraftsteine“ links und rechts der Fahrbahn – in Gegenrichtung der Kraftfelder, was diese seiner Ansicht nach entschärfte.

Pirchl hatte 2004 entlang der unfallträchtigen Arlbergschnellstraße S 16 sogenannte Kraftsteine eingegraben. VN/Steurer
Pirchl hatte 2004 entlang der unfallträchtigen Arlbergschnellstraße S 16 sogenannte Kraftsteine eingegraben. VN/Steurer

„Vor der Entstörung passierten auf der S 16 Unfälle, bei denen sich die Beteiligten nicht erklären konnten, warum sie plötzlich auf die Gegenfahrbahn geraten sind“, sagt die 62-Jährige. „Schuld daran waren die Kraftfelder, durch die sich der Blutdruck des Lenkers in Sekundenschnelle erhöhte und es zu Blackouts kam.“ Nach der sogenannten Entstörung der S 16 durch Gerhard Pirchl 2004 ging die Zahl der Unfallopfer tatsächlich zurück. Elisabeth Dornbierer-Pirchl ist fest davon überzeugt, dass ihr Mann den entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat. Die Witwe erinnert sich gerne an eine Begegnung in der Bludenzer Innenstadt: „Ein Feuerwehrmann bedankte sich bei Gerhard dafür, dass er nun nicht mehr so viele tote Unfallopfer aus den Autos bergen musste. Meinem Mann war das Wohl seiner Mitmenschen immer sehr wichtig.“

“ Ein Feuerwehrmann bedankte sich bei Gerhard dafür, dass er nun nicht mehr so viele Unfallopfer aus den Autos bergen musste. „

Elisabeth Dornbierer-Pirchl,  die Frau des 2013 verstorbenen Gerhard Pirchl, beschäftigt sich ebenfalls mit den mystischen Steinkreisen auf der Tschengla in Bürserberg, die von Pirchl entdeckt wurden.
Elisabeth Dornbierer-Pirchl, die Frau des 2013 verstorbenen Gerhard Pirchl, beschäftigt sich ebenfalls mit den mystischen Steinkreisen auf der Tschengla in Bürserberg, die von Pirchl entdeckt wurden.

Stonehenge auf der Tschengla

Durch seine hohe Sensibilität habe er Plätze mit hoher Kraftfeldkonzentration auffinden können. So auch bei den mysteriösen, nicht unumstrittenen Steinkreisen auf der Tschengla in Bürserberg, die Pirchl 2002 entdeckte. Pirchl ging davon aus, dass dies Kultplätze unserer Vorfahren gewesen seien, die auch zur Orientierung im unwegsamen Gelände dienten. Wissenschaftlich bewiesen werden konnten die historischen Hintergründe der Steinkreise nicht. Für viele bleibt es dennoch ein geheimnisvoller, mystischer Ort.

Was die Arlbergschnellstraße betrifft, würde die Asfinag jedenfalls nicht erneut auf esoterische Maßnahmen zurückgreifen, heißt es auf VN-Anfrage. Es seien zahlreiche konventionelle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden, etwa eine verstärkte Beschilderung und eine Temporeduktion. Ob oder wie viel Anteil die alternativen Maßnahmen Pirchls tatsächlich an der Entschärfung der Strecke haben, bleibt ungewiss.

 Gerhard Pirchl wurde 2004 von der Asfinag beauftragt, Teile der S 16 auszupendeln. Archiv/Hofmeister
Gerhard Pirchl wurde 2004 von der Asfinag beauftragt, Teile der S 16 auszupendeln. Archiv/Hofmeister