Bischof Benno und die Kardinalsfrage

Vorarlberg / 04.11.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
An der Weihe von Benno Elbs zum Bischof nahm auch Kardinal Christoph Schönborn teil. VN/Steurer
An der Weihe von Benno Elbs zum Bischof nahm auch Kardinal Christoph Schönborn teil. VN/Steurer

Für den Oberhirten der Diözese Feldkirch stellt sie sich allerdings nicht.

Wien, Feldkirch Das klerikale Postenkarussell in der österreichischen Kirche dreht sich wieder. Die Kardinalsfrage dabei ist, ob der Vorarlberger Diözesanbischof Benno Elbs (59) das Erbe von Kardinal Christoph Schönborn (74) als Erzbischof von Wien antreten wird. Befeuert werden die Spekulationen durch einen Bericht der „Tiroler Tageszeitung“, laut dem sich Schönborn im kommenden Jahr aus seinem Amt zurückziehen möchte, weil er amtsmüde und gesundheitlich angeschlagen sei. Auf VN-Nachfrage sagte Benno Elbs, er höre gerade zum ersten Mal von diesem Gerücht. Aus seiner Sicht stellt sich die Frage derzeit aber nicht. „Der Papst wird die Amtszeit von Kardinal Schönborn verlängern“, zeigte sich Elbs im VN-Gespräch überzeugt. Das wäre, meint er, auch gut für die österreichische Kirche, weil Schönborn eine anerkannte Persönlichkeit im Dialog mit Politik und Gesellschaft sei.

Nicht auf der Tagesordnung

Benno Elbs erhielt im Juni 2013 die Bischofsweihe. In der Österreichischen Bischofskonferenz ist er seit 2016 für die Belange der Caritas zuständig. Heute, Montag, beginnt im niederösterreichischen Kloster Laab am Walde die traditionelle Herbstversammlung der Bischöfe. Neben der Aufarbeitung der Amazonas-Synode sollen dort personelle Weichenstellungen besprochen werden. Die Bischofskonferenz macht regelmäßig Vorschläge, wer in Österreich wo ein Bischofsamt übernehmen könnte. Dabei handelt es sich laut Bischof Benno Elbs um ein routinemäßiges Vorgehen.  „Bei der Herbstversammlung steht dieser Punkt jedoch nicht auf der Tagesordnung“, widerspricht er anderslautenden Meldungen. Abgesehen davon hätten in Personalfragen dieser Art der päpstliche Nuntius in Wien und letztlich Rom das entscheidende Wort.

Wertschätzung und Anerkennung

Andererseits ist es ein offenes Geheimnis, dass Bischof Benno nicht nur beim Volk, sondern auch in ranghohen kirchlichen Kreisen große Wertschätzung und Anerkennung genießt. Mehr als einmal wurde er mit Bischofsbesetzungen in anderen Diözesen ins Spiel gebracht. Immer wieder hat Elbs dabei betont, in Vorarlberg bleiben zu wollen. Zuletzt hieß es, Benno Elbs wäre ein Kandidat für den immer noch vakanten Bischofsstuhl in Kärnten. Der dortige Bischof Alois Schwarz ist nach unrühmlichen Vorkommnissen bekanntermaßen nach St. Pölten berufen worden. Der Vatikan ordnete eine Visitation durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner an. Der wiederum bat seinen Vorarlberger Amtsbruder Benno Elbs um Unterstützung. Laut Elbs liegt der Bericht seit März in Rom. Auf einen möglichen Wechsel nach Kärnten angesprochen, bekräftige Elbs unlängst in einem VN-Interview neuerlich, es sei sein Wunsch, in Vorarlberg zu bleiben. Gute Karten für Kärnten scheint dafür der aus Feldkirch gebürtige Jesuitenpater Christian Marte (55) zu haben.

Mit Freude zur Herbstsynode

Als in der Diözese Innsbruck ein neuer Oberhirte gesucht wurde, war Benno Elbs ebenfalls ein heißes Thema. Sogar in einem Dreiervorschlag an den Vatikan soll sein Name gestanden haben. Elbs parierte die Gerüchte diplomatisch. Er halte es für sinnvoller, jemanden aus der Diözese Innsbruck in dieses hohe Amt zu bestellen. Es gebe dort genug geeignete Personen. Im September 2017 übernahm Hermann Glettler aus der Diözese Graz-Seckau den Hirtenstab in Tirol. Bischof Benno Elbs freut sich jetzt einmal auf die Herbstsynode, auf das Treffen mit Vertretern der Orthodoxen Kirche, den Besuch beim Bundespräsidenten und die Begegnung mit den Caritas-Direktoren, bei der über die Zukunft der Hilfsorganisation gesprochen werden soll.