Marlies Müller-Bischof engagiert sich bei Hospiz Vorarlberg

Vorarlberg / 06.11.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Margit Müller-Bischof begleitet behutsam Menschen in schwierigen Situationen. BI

Die Bludenzerin ist seit 25 Jahren mit viel Engagement und Hingabe als Kranken-, Sterbe- und Trauerbegleiterin tätig.

BLUDENZ Es war ein harter Schicksalsschlag, den Marlies Müller-Bischof 1983 durchzustehen hatte: Ihr Mann hatte einen sehr schweren Verkehrsunfall mit lebensbedrohlichen Verletzungen. Nach vier Monaten Intensivstation und einem Monat Reha in Bad Häring verstarb er mit 43 Jahren. Der damalige Primar für Unfall- und Intensivmedizin klärte Müller-Bischof mit viel Einfühlungsvermögen über das Ausmaß der Verletzungen und die dadurch gegebenen Behinderungen auf und empfahl ihr, so oft wie möglich bei ihrem Mann zu sein. Es war sowohl psychisch wie auch physisch eine große Herausforderung für die junge Frau, verbunden mit Hoffnung, Zuversicht, Niedergeschlagenheit und letztendlich der inneren Akzeptanz, „gehen zu dürfen“ zuzulassen.

Unterstützung anbieten

Diese Erfahrung war sehr prägend für sie. Im medizinischen Bereich als Arzthelferin und Laborantin tätig, setzte sie sich nach dem einschneidenden Erlebnis intensiv mit Krankheit und Tod auseinander. Eine Begegnung mit der renommierten Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross in Batschuns verstärkte den Wunsch, Schwerkranken, Trauernden und Sterbenden Unterstützung anzubieten. Zu jener Zeit gab es von außen für Betroffene und Angehörige in dieser Form keine Möglichkeiten. „Familie, Freunde und das Gebet vieler Menschen gaben Kraft und Halt, diese Zeit durchzustehen“, erinnert sich Müller-Bischof.

Ein Geben und Nehmen

1993 lernte sie bei einem Informationstag zur Ausbildung für ehrenamtliche Hospizbegleitung die inzwischen verstorbene Hildegard Teuschl von Hospiz Österreich in Batschuns kennen und schätzen: „Angeregt durch die Begegnung und das sehr aufklärende Gespräch absolvierte ich dann die Ausbildung in Form von Blockseminaren und Praktikum im Kardinal König-Haus in Wien, was für meine künftige Tätigkeit sehr wertvoll war.“ Mittlerweile ist Müller-Bischof seit 25 Jahren im Landeskrankenhaus Bludenz, in Pflegeheimen, im privaten Bereich sowie im Trauer-Café im Einsatz. Sie schildert diese Aufgabe als einen sehr bereichernden Dienst am Nächsten, ein Geben und Nehmen, das sie zutiefst dankbar mache. In dieser Form der ehrenamtlichen Tätigkeit sei es wichtig, dass Partner und Familie den Rücken freihalten und dahinterstehen.

„Schweigepflicht, in sich selbst gefestigt sein, viel Einfühlungsvermögen, Ruhe ausstrahlen und sich zurücknehmen können sind Voraussetzungen für diesen doch sehr sensiblen Dienst. Das jederzeit mögliche Gespräch mit dem Koordinator, der monatliche Teamabend und Supervision geben mir die Möglichkeit, Begleitungen gut zu reflektieren und zu verarbeiten. Außerdem kann ich an hervorragenden Weiterbildungen teilnehmen“, betont sie. Den für sie erforderlichen Ausgleich findet sie durch tägliches Laufen, wöchentliches Tanzen, Familie und Freunde sowie Zeit für Gebet und Stille.

„Da steht die Zeit still“

Müller-Bischof ist gerne in der Nacht im Einsatz, um die oft starke Unruhe mit dem Patienten auszuhalten und einfach da zu sein. In diesen Stunden bete sie oft in Stille um einen guten Weg, ein gutes Ankommen des zu begleitenden Patienten. Es sei für sie ein besonderes Geschenk, beim Übergang eines Menschen von dieser Welt in eine andere Welt dabei sein zu dürfen: „Da steht die Zeit still! In diesem Augenblick wird die eigene Endlichkeit besonders präsent und bewusst. Es macht demütig und dankbar, wenn das Gesicht des Verstorbenen Frieden ausstrahlt und sich alle Anspannung gelöst hat.“ Zudem weiß sie auch um die Bedeutung des ersten Jahrestages, der für Angehörige schwer sein kann. Ein kurzer Besuch oder zumindest ein Anruf zeigen Wertschätzung udn geben das Gefühl, auch nach einem Jahr nicht vergessen zu sein. BI