Wirbel um Rankweiler Raumkonzept

Vorarlberg / 06.11.2019 • 19:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Pläne für einen Neubau des Josefisaals liegen derzeit auf Eis, denn  zunächst soll die Ausrichtung der Seelsorge in Rankweil geklärt werden. Pfarre Rankweil/Mathis
Die Pläne für einen Neubau des Josefisaals liegen derzeit auf Eis, denn  zunächst soll die Ausrichtung der Seelsorge in Rankweil geklärt werden. Pfarre Rankweil/Mathis

Pfarrkirchenrat nach Differenzen mit Pfarrer Walter Juen geschlossen zurückgetreten.

Rankweil Nach jahrelangem Hin und Her schien das neue Raumkonzept für die Kirche St. Josef in Rankweil so weit auf Schiene. Doch nun hat Pfarrer Walter Juen – er ist seit 1. September im Amt – die Pläne vorerst hintangestellt. Daraufhin ist der Pfarrkirchenrat der Gemeinde vor Kurzem geschlossen zurückgetreten. „Ein schwerer Schritt für uns alle, der aber unumgänglich war“, wie Karlheinz Marte, sieben Jahre lang Mitglied des Pfarrkirchenrats, erklärt. Auch Pfarrer Juen bedauert diesen Schritt sehr, er habe den bisherigen Pfarrkirchenrat immer als sehr fachkompetent erlebt.

Zeitaufwendig und kostenintensiv

Doch was war passiert? Nach über elf Jahren Planung und einem Architekturwettbewerb im Jahr 2016 wurde auf Wunsch der Diözese das Projekt durch einen extern begleiteten Prozess, in den auch Seelsorger Juen eingebunden war, noch einmal von hinten aufgerollt und zwei weitere Bauszenarien erarbeitet. „Es war nicht nur ein zeitaufwendiger Prozess, in den viele ehrenamtliche Stunden investiert wurden, sondern auch ein kostenintensiver“, so Marte weiter. In die Durchführung des Architekturwettbewerbs sowie die externe Begleitung des Projekts sollen laut Kirchenrat rund 60.000 Euro geflossen sein.

Im Mai dieses Jahres wurde dann sogar eine Volksbefragung durchgeführt. Übrigens die erste einer Pfarrgemeinde in Vorarlberg. Dabei sprach sich das Kirchenvolk für die ursprünglich angedachte Variante (Sieger des Architekturwettbewerbes) aus, die den einer Grobkostenschätzung zufolge rund 2,6 Millionen Euro teuren Neubau zwischen Kirche und Pfarrhaus vorsieht. „Es bestand in allen beteiligten Gremien, mit Ausnahme von Pfarrer Juen, immer Einigkeit“, so Marte. Daher seien auch genau jene Pläne der Diözese noch einmal vorgelegt worden. „Ich sehe die derzeit vorliegenden Pläne mit Wertschätzung und Anerkennung für das Geleistete“, entgegnet Pfarrer Walter Juen. Jedoch spüre er deutliche Meinungsdifferenzen in der Bevölkerung. „Ich muss diese Stimmungen in ihrer Breite ernst nehmen und zwischen ihnen Brücken bauen.“

„Strategie vor baulicher Struktur“

In Absprache mit der Diözese soll nun zunächst ein Pastoralprozess angegangen werden, in dem die Frage nach der Ausrichtung der Seelsorge in Rankweil geklärt werden soll. Aus Sicht des zurückgetretenen Pfarrkirchenrats gebe es auch keine Einwände, eine grundlegende Diskussion zur pastoralen Ausrichtung der Pfarre zu beginnen. Dabei würden jedoch eher pastorale Fragen im Zentrum stehen und nicht räumliche. Eine weitere Verzögerung in Bezug auf das Raumkonzept sei daher nicht nachvollziehbar.

Für Juen hingegen soll der Pastoralprozess die bisherigen Planungen komplementär ergänzen. Für ihn gelte: „Strategie vor baulicher Struktur.“ Alle bisherigen Prozesse, Überlegungen und Ergebnisse hätten weiterhin ihre Berechtigung und Qualität behalten. „Nichts davon war und ist vergebens“, wie der Geistliche erklärt.