21 zerkratzte Autos und ein Freispruch

Vorarlberg / 07.11.2019 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch wenn einige Indizien gegen ihn sprachen, so konnte dem Angeklagten schlussendlich keine konkrete Schuld nachgewiesen werden. eckert
Auch wenn einige Indizien gegen ihn sprachen, so konnte dem Angeklagten schlussendlich keine konkrete Schuld nachgewiesen werden. eckert

Jemand beschädigte reihenweise Pkw am Bregenzer Casinoparkplatz, doch der Täter bleibt unbekannt.

Feldkirch „Ich würde nie jemandem sein Auto zerkratzen“, so das Schlusswort des 35-jährigen Angeklagten vor der Urteilsverkündung beim Prozess am Landesgericht Feldkirch.

Dem Mann wird schwere Sachbeschädigung vorgeworfen. Dass er in jener Novembernacht vergangenen Jahres sturzbetrunken war, gibt er zu. Dass er mit 1,94 Promille mit seinem Gesang für Ärger sorgte, räumt er auch ein. Als ihn ein älterer Herr zur Ruhe mahnte, sang er sogar noch lauter. „Das war nicht nett von mir“, sagt er. Doch fremde Sachen kaputt machen, das sei nicht seines, beteuert der Arbeiter. Verteidiger Markus Walla ist überzeugt: „Er war es nicht.“ Dementsprechend setzt sich der Anwalt für seinen Mandanten ein – und gewinnt den Prozess.

Vandale beobachtet

Ein Tiroler Ehepaar holte in jener Nacht seine Töchter von einem Konzert ab. Sie parkten auf dem Casinoparkplatz und warteten im Dunkeln. Da hörten sie ein Geräusch an ihrem Wagen und sahen wenig später einen Betrunkenen dahintorkeln. Sie trauten ihren Augen kaum, der Mann zerkratzte einen Pkw nach dem anderen. Als der Vandale in einem Abstand von rund sieben Metern die Straße querte, sah er unter seinem Kapuzenpulli kurz zu dem Ehepaar herüber, nahm die beiden aber offenbar nicht bewusst war.

Dann zog er weiter. Der Tiroler alarmierte die Polizei, die rund fünf Minuten später vor Ort war. Man zeigte den Beobachtern erst ein Bild von einem Mann, den man in der Nähe aufgriff. „Ja, das ist er“, waren sich beide einig. Bei einer Gegenüberstellung waren sich die Zeugen ebenfalls „hundertprozentig“ sicher. Der Angeklagte hat kein auffälliges Gesicht. Nichts daran ist markant. Das Ehepaar räumt allerdings ein, das Gesicht des Täters nur kurz gesehen zu haben. Der Tiroler sagt sogar, dass er durchaus unsicher werden hätte können, wären damals mehrere Vergleichspersonen zur Verfügung gestanden.

Beide Belastungszeugen nehmen immer wieder auf die Kleidung und den schwankenden Gang des Verdächtigen Bezug. Das Gericht ist überzeugt, dass die Befragten ihre Sache gut machen wollen und nicht bewusst lügen.

„Erinnerungsoptimismus“

„Mein Mandant hat ein einziges Problem. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Verteidiger Markus Walla, der von „Erinnerungsoptimismus“ der Zeugen ausgeht.

Am vermeintlichen „Tatwerkzeug“, einem damals beim Angeklagten sichergestellten Multifunktionswerkzeug, wurden keinerlei Lackspuren gefunden. So spricht Richter Michael Fruhmann den Unbescholtenen frei, der sichtlich erleichtert ist. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig. EC