Auf den Spuren des Nachtwächters

Vorarlberg / 07.11.2019 • 17:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In der Sakristei wurden die sakralen Gegenstände erklärt.
In der Sakristei wurden die sakralen Gegenstände erklärt.

Rankler Erstkommunikanten erkundeten die Basilika.

Rankweil Als Teil der Vorbereitungen auf ihre Erstkommunion im kommenden Frühjahr machten sich Rankweiler Kinder in Begleitung von Eltern und Großeltern auf eine spannende Entdeckungstour auf den Liebfrauenberg. Dort angekommen wurden sie von Mesner Martin Salzmann empfangen und erfuhren nicht nur so manches Detail aus der Geschichte der Basilika, sondern durften auch einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen. So erläuterte Salzmann, dass der heute für das Ortsbild so prägende Berg – der im Übrigen erst in der letzten Eiszeit vor circa 10.000 Jahren entstanden ist – erstmals vor rund 4000 Jahren von den Rhätern besiedelt wurde. Der heutige Altarbereich war schon zu damaliger Zeit ein Kultort, an dem verschiedenste Rituale durchgeführt wurden. Die römische Besiedlung um die Zeit knapp vor Christi Geburt war dann eher strategischer Natur, sie brachten aber um 500 n. Chr. die ersten Christen nach Rankweil. Diese erbauten im siebten Jahrhundert eine erste Kirche, welche dann aber im Zuge der Zürcher Kriege um 1445 abbrannte. Der Wiedererrichtung ging ein langjähriger Standortstreit voraus. Um bei künftigen weiteren Kriegen wehrhafter zu sein, wurde die Basilika schließlich ähnlich einer Burg inklusive Wehranlagen konzipiert.

Salzmann unterhielt neben der Geschichte die Kinder aber auch mit allerlei Wissenswertem. Etwa ertönen heute am Kirchvorplatz zu jeder vollen Stunde die Radionachrichten. Dies erinnert an den „Usschellar“, der früher den meist des Lesens unkundigen Kirchgängern nach der Sonntagsmesse die Neuigkeiten aus der Gemeinde unterbreitete: „Ein lebendiges Gemeindeblatt“, wie Salzmann erklärte.

Einen Platz in Führung und Geschichte nahm auch die Rolle der Nachtwächter ein. Bis ins Jahr 1972 versah in seinem Zimmer in der Basilika ein Nachtwächter seinen Dienst. Seine ursprünglichste Funktion war dabei jene des Feuerschutzes – die Aussicht vom Liebfrauenberg erstreckt sich ja damals wie heute über weite Teile des Rheintals. Gerüchten zufolge soll die Nachtwächterstube nach erfolgter Sperrstunde in den Rankweiler Gasthäusern auch gerne zum Weiterfeiern genutzt worden sein – quasi ein erster Jugendtreff der Gemeinde.

Bei der weiteren Kirchenführung erkundeten die Teilnehmer die Ölberggrotte, die Kirche selbst mit dem Silberkreuz und dem darin eingefügten Splitter aus dem Kreuz Jesu Christi. Krönender Abschluss war dann ein Abstecher in die Sakristei, inklusive einer ersten Hostienkostprobe – natürlich einer ungeweihten. CEG

Die Erstkommunikanten und ihre Begleiter erhielten eine spannendende Führung am Liebfrauenberg.  egle (2)
Die Erstkommunikanten und ihre Begleiter erhielten eine spannendende Führung am Liebfrauenberg.  egle (2)