Der Traum vom Fisch

Vorarlberg / 07.11.2019 • 19:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dreimal in der Woche holt Nino Mayer in seinem Teich Fischnachschub. Nach dem Schlachten geht‘s direkt zu den Kunden. VN/Paulitsch
Dreimal in der Woche holt Nino Mayer in seinem Teich Fischnachschub. Nach dem Schlachten geht‘s direkt zu den Kunden. VN/Paulitsch

Nino Mayer (28) aus Dornbirn ist seit diesem Sommer selbstständiger Fischzüchter.

Dornbirn, Frastanz Früh übt sich, was ein Meister werden will: Das Wasser und die darin lebenden Fische faszinierten Nino Mayer (28) bereits als Kind. „Ich bin stundenlang an der Dornbirner Ach gesessen und habe den Fischen zugeschaut oder habe einfach nur ins Wasser geschaut. Auch heute noch schaue ich von jeder Brücke hinunter, ob ich einen Fisch sehe“, erzählt er und lacht. Mit zehn Jahren fing er selbst mit dem Fischen an. Heute, knapp 20 Jahre später, hat es der 28-jährige Dornbirner geschafft. Er steht mit einer Stiefelhose in seinem Fischteich und sagt: „Das ist mein Traumberuf schlechthin.“

Nach der Schule entschied sich Nino Mayer zunächst für eine Tischlerlehre. „Das war nicht das Wahre, weil ich eigentlich immer für das Fischen gebrannt habe.“ Als ein Jahr nach der Gesellenprüfung beim Landesfischereizentrum in Hard erstmals eine Lehre zum Fischereifacharbeiter angeboten wurde, fackelte er nicht lange. „Die bilden aber nur Lehrlinge aus. Nach der Ausbildung kann man in Vorarlberg eigentlich nicht viel machen“, ergänzt Nino Mayer. Mangels Alternativen heuerte der junge Dornbirner in der Frischfisch- und Tiefkühlabteilung eines Großhändlers an, bis er irgendwann keine Lust mehr darauf hatte. Er wollte nicht mehr nur hobbymäßig, sondern endlich auch hauptberuflich Fische züchten. In diesem Sommer wurde aus diesem Traum eine Firma. „Nino‘s Ländlefisch“.

500 Gramm

Die Anlage, die er gepachtet hat, befindet sich in Frastanz. In den vier Teichen schwimmen Lachsforellen und Seesaiblinge. Da das Quellwasser das ganze Jahr über zwischen acht und 14 Grad hat, ist auch im Winter für Fischnachschub gesorgt. Die 100 bis 200 Gramm schweren Setzlinge kommen von Patrick Güfel aus Satteins. Nino Mayer zieht sie groß, bis sie an die 500 Gramm wiegen. Im Angebot hat er sowohl frische als auch kalt und heiß geräucherte Fische. Geschlachtet wird (noch) in der ehemaligen Metzgerei Fink in Dornbirn. Der Räucherapparat steht bei seinen Eltern. Dreimal in der Woche, am Montag, Mittwoch und Freitag, geht es ans Fangen und Schlachten. Anschließend setzt sich der 28-Jährige in sein Auto und liefert aus, vor allem an Privatkunden, aber auch an immer mehr Restaurants. „Ich fahre bis nach Feldkirch, Mellau, seit Neuestem auch nach Riezlern und einmal im Monat nach Bludenz oder nach Schruns“, erläutert der selbstständige Fischzüchter. 

Etwas Größeres

Das Geschäft läuft. Da die Nachfrage immer größer wird, ist Nino Mayer bereits auf der Suche nach etwas Größerem, wo er Zucht, Schlachtung und alles, was dazugehört an einem Ort zusammenlegen kann. „Es ist aber ziemlich schwierig, im Land etwas zu finden. Die meisten Fischzuchten sind in der Hand von Hobbyfischern. Hast du einen Grund, hast du kein Wasser. Hast du Wasser, hast du keinen Grund“, bringt Nino Mayer die Problematik auf dem Punkt.  

Ein Beleg dafür, dass seine Firma Zukunft haben, sind für den 28-Jährigen nicht zuletzt die aktuellen Zahlen der UN-Ernährungs- und Agrarorganisation (FAO). Demnach kam im Jahr 2016 bereits jeder zweite verzehrte Fisch weltweit aus Aquakultur. Nicht nur die Berufsfischer am Bodensee leiden seit Jahren unter zu geringen Erträgen. Viele Fischbestände in den Meeren sind am Limit. Die Verschmutzung und der Klimawandel bereiten zusätzliche Probleme.

Außerdem gelten Fische als gesund. „Der Seesaibling hat einen so hohen Anteil an Omega 3 Fettsäuren, dass er in anderen Bundesländern teilweise sogar in Apotheken verkauft wird“, merkt Nino Mayer an. vn-ger