In der Schnitzelhochburg

Vorarlberg / 07.11.2019 • 19:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Ragout vom Junghirsch mit Spätzle, Rotkraut und Preiselbeeren.
Das Ragout vom Junghirsch mit Spätzle, Rotkraut und Preiselbeeren.

Feldkirch Wer kennt sie nicht, die Schattenburg, den touristische Supermagneten in Feldkirch. Die größere Anziehungskraft hat dort aber wohl die Schlosswirtschaft und nicht das überaus interessante Museum. Wobei man sich auch in den wunderschönen alten Gasträumen wie der Hubertusstube oder dem Rittersaal ins Mittelalter zurückversetzt fühlt. Ich besuche die Schlosswirtschaft stets, wenn Gäste von uns explizit dorthin wollen.

Schnitzelklassiker

Weit über die Grenzen bekannt ist das Schattenburgschnitzel, die Hausspezialität oder heute „Signature Dish“ des früheren Schattenburgwirts Werner Tschann, der die Burg mit seinem eingespielten Team über Jahrzehnte überaus erfolgreich führte. Auch bei den aktuellen Pächtern, der Familie Gmeiner, hat das Schattenburgschnitzel seinen prominenten Platz auf der Speisekarte, umringt von anderen Schnitzelklassikern wie Pariser-, Zigeuner- und Jägerschnitzel und ergänzt durch einige saisonale Gerichte. Alles ist auf höchstmögliche Effizienz optimiert, um sicherzustellen dass auch wirklich jeder Tisch mehrmals pro Abend verkauft werden kann. Sehr effizient ist auch der freundliche und humorvolle Kellner, was das Aufnehmen der Bestellung angeht. Auch die Speisen werden (zu) schnell serviert. Weniger gut ist dann die Qualität des Services im Allgemeinen. So stehen die leeren Biergläser unseres Aperitifs am Schluss noch neben den leeren Weingläsern und den Espressotassen.

Recht ordentlich

Luft nach oben gibt es auch beim Essen. Meine Begleitung und ich haben uns gegen das Schattenburgschnitzel entschieden, weil wir das schon öfters hatten und ich die Chance sah, ein Probestück von einem anderen Mitglied unserer Gruppe zu stibitzen. Da die wilden Zeiten angebrochen sind, bestellten wir uns eine Wildcremesuppe mit Wildsemmelknödel (6 Euro) und eine Griesnockerlsuppe (5,50 Euro) zur Vorspeise. Gefolgt von einem Ragout vom Junghirsch mit Spätzle, Rotkraut und Preiselbeeren (19,80 Euro) sowie Rehgeschnetzeltes mit Spätzle (22 Euro). Die Griesnockerlsuppe war gut, die Wildcremesuppe hatte immens viel Entwicklungspotenzial. Ein ziemlicher Mehlpapp, der nach nicht viel und schon gar nicht nach Wild schmeckte. Etwas versöhnlicher stimmte uns dann der Hauptgang. Das Rehgeschnetzelte und das Junghirschragout waren jetzt keine kulinarische Offenbarung, aber recht ordentlich zubereitet. Die Nachspeise, eine gute Nuss-Palatschinke mit Schokosauce und Sahne (4,60 Euro), teilten wir uns.

Falls ich wieder einmal Tour Guide spiele, nehme ich einen „Bröselteppich“. Das Schattenburgschnitzel war dieses Mal nämlich gar nicht schlecht, da es etwas weniger dünn ausgeklopft war als auch schon.

 

Der gebürtige Feldkircher Michael Kerschbaumer (Jg. 1968) arbeitete 15 Jahre als Koch in der internationalen Hotellerie und im Airline Catering bevor er sich zum Wirtschaftsinformatiker Fachrichtung Qualitätssicherung ausbildete.

Schlosswirtschaft Schattenburg, Burggasse 1, Feldkirch, Tel. 05522 72444.