Integra verabschiedet die Doppelspitze

Vorarlberg / 07.11.2019 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei Integra tut sich momentan einiges. VN/PAULITSCH

Stefan Koch verlässt Ende Februar die Integra. Hartwig Maier wird alleiniger Geschäftsführer.

Wolfurt Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Auch was für die Integra Anfang des Jahres begonnen hat, findet nun langsam sein Ende. Wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gegeben hat, wird sich Geschäftsführer Stefan Koch Ende Februar zurückziehen. Sein Nachfolger hat bereits am 1. November seine Arbeit aufgenommen: Hartwig Maier, ehemals Leiter der internen Dienste im AKS. Im Februar wird die ehemalige Chefin des Vereins Amazone, Amanda Ruf, dazustoßen. Sie erhält die Prokura, womit die Integra das Modell der Doppelspitze aufgibt. Mit Maier wird zukünftig nur noch eine Person die Geschäfte führen. Derzeit läuft die Budgetplanung. Nach den Kürzungen beim AMS stehen weitere Schließungen im Raum.

Harter Prüfbericht

Der Grund für die Veränderung liegt elf Monate zurück. Eine Anfrage der Neos im Nationalrat brachte die Maschinerie ins Rollen. Sie betraf einen ehemaligen, verurteilten Mitarbeiter, der in höherer Position bei Integra tätig war und noch eine Haftstrafe offen hatte. Es folgten die Kündigung und eine Rechnungshofprüfung sowie ein Kontrollausschuss im Landtag, die Integra trennte sich von ihrem zweiten Geschäftsführer. Landesrechnungshofsdirektorin Brigitte Eggler-Bargehr war damals wenig schmeichelhaft: „Die Integra zeigt, was strukturelle Schwächen und mangelnde Kontrollen alles ermöglichen.“

 Stefan Koch (links) verlässt die Integra. Zuvor lernt er vier Monate lang Nachfolger Hartwig Maier an. IKP
Stefan Koch (links) verlässt die Integra. Zuvor lernt er vier Monate lang Nachfolger Hartwig Maier an. IKP

Kürzlich gab die Integra bekannt, ein Drittel der 31 Empfehlungen des Rechnungshofs bereits umgesetzt zu haben. Eine weitere folgt bald: Die Bereiche Finanzen und Beratung werden getrennt. Am Mittwochabend präsentierte das Unternehmen seinen Mitarbeitern den Fahrplan. Demnach ist Hartwig Maier seit 1. November im Amt, Anfang Februar startet Amanda Ruf, Ende Februar verlässt Stefan Koch die Integra. Ruf wird für Bildung, Beratung und Betreuung zuständig sein, Maier leitet die kaufmännischen Belange. Koch erläutert den VN: „Amanda Ruf erhält die Prokura als Zeichen für den Stellenwert des Sozialbereichs. Aber es wird zukünftig nur noch einen Geschäftsführer geben.“ Die Doppelspitze habe zu Problemen geführt. Stefan Koch: „Ich war nicht über alles informiert, aber voll dafür verantwortlich. Das ist ein grundsätzliches Dilemma bei Doppelspitzen.“

Gerne verlasse er das Unternehmen nicht. „Ich muss auf meine Gesundheit und meine Familie achten.“ Zunächst sorge er für eine geordnete Übergabe. Der neue Chef betont im VN-Gespräch, dass die Integra eine schwierige Zeit hinter sich habe, die vor allem durch den ehemaligen zweiten Geschäftsführer ausgelöst worden sei. „Das Wichtigste ist nun, dass Ruhe einkehrt“, bekräftigt Maier.

Straffes Budget

Im Unternehmen tut sich momentan einiges: Ein Unternehmensberater wurde engagiert, eine Mitarbeiterbefragung wird vorbereitet, Workshops sind geplant. Dazu wird das Budget für 2020 erstellt. Wie andere Sozialeinrichtungen kämpft auch die Integra mit den Kürzungen beim AMS. Der Laden „Tante Irma“ musste bereits geschlossen werden. Koch hat keine guten Nachrichten: „Wir werden straffen und rationalisieren müssen. Kleinere Standorte werden sicher hinterfragt.“

Der Antrag der FPÖ-Arbeitnehmer in der AK, in dem Kochs Ablöse gefordert wird, ist nun hinfällig. Koch betont, dass sein Rückzug nichts damit zu tun habe. Die Entscheidung sei vor Wochen gefallen und geschehe aus gesundheitlichen Gründen. Kochs letzter Arbeitstag ist am 29. Februar 2020. Pläne für die Zeit danach gibt es noch nicht.