St. Karl in Hohenems: Eine Kirche mit vielen Schätzen

Vorarlberg / 07.11.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einladend ist der helle Innenraum der Hallenkirche aus der beginnenden Rokokozeit. bet
Einladend ist der helle Innenraum der Hallenkirche aus der beginnenden Rokokozeit. bet

Beeindruckende Architektur und kostbare Werke in der Pfarrkirche St. Karl.

hohenems Jedes Dorf hat seine eigene Kirche. Alte Fresken, prunkvolle Gemälde und Momente der Besinnlichkeit – die Kirchen und Kapellen sind beeindruckende Sehenswürdigkeiten. Namhafte Künstler schufen Kunstdenkmäler mit wertvollen Fresken, imposanten Skulpturen und sakralem Baustil.

Die Pfarrkirche St. Karl in Hohenems.
Die Pfarrkirche St. Karl in Hohenems.

Schon von Weitem erblickt man den mächtigen spätbarock-klassizistischen Saalbau der Pfarrkirche St. Karl Borromäus, erbaut Ende des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Jakob Scheiterle. Benannt nach Kardinal Karl Borromäus, dem einflussreichen Schwager des Hohenemser Reichsgrafen Jakob Hannibal, der als unerbittlicher Vorkämpfer der Gegenreformation in die Kirchengeschichte eingegangen ist. „Bei einem Besuch in Hohenems vergaß der später heilig gesprochene Kardinal sein Birett, das nun als Reliquie in der Kirche zu sehen ist“, wie Kirchenführerin Gabriele Klammer berichtet.

Von Andreas Brugger stammt das Deckenfresko mit einer fiktiven Szene des Heiligen Karl Borromäus.
Von Andreas Brugger stammt das Deckenfresko mit einer fiktiven Szene des Heiligen Karl Borromäus.

Aus dem Vorgängerbau konnten einige wertvolle Kunstwerke übernommen werden, wie zum Beispiel der Renaissancealtar von Heinrich Dieffolt und das Marmor-Grabdenkmal Graf Kaspars. Ab 1857 fanden 130 Jahre lang immer wieder Renovierungen und Ergänzungen statt, darunter ein Ziborien-Altar im Nazarenerstil. 1987 erhielt die Kirche eine Orgel des Wiener Orgelbaumeisters Herbert Collini.

Der Renaissancealtar

Heute noch gibt sich die helle, einladende Hallenkirche aus der beginnenden Rokokozeit den Anschein einer „Hofkirche“, denn immer noch können gräfliche Herrschaften direkt vom Palast ins abgetrennte Auditorium auf der Empore gelangen. Jakob Hannibal I (1530-1587) hatte als Generalgubernator der Truppen des Kirchenstaats und für Philipp II. von Spanien erfolgreich gekämpft. Standesgemäß setzte er mit seiner Kirche nach Plänen von Esaias Gruber ein prunkvolles Zeichen. Das Prunkstück ist der geschnitzte Hochaltar, eine kunstvolle Architektur, die um das zentrale spätgotische Relief der Krönung Mariens und in weiteren vier Stufen Szenen aus dem Leben Marias (Anbetung der Könige, Geburt, Verkündigung und Kreuzigung) sowie an beiden Seiten eine große Zahl von Heiligenfiguren vereint. Vieles stammt aus der Werkstatt von Heinrich Dieffolt, der um 1580 auch die kräftigen Apostelfiguren des Chorgestühls schuf. Die Stifterreliefs zeigen links Jakob Hannibal, rechts Gattin Hortensia mit ihrem Wappen.

Imposante Deckenfresken

Graf Kaspar setzte die Intention seines Vaters fort und schuf ihm ein Denkmal: Er gab eine Stein­skulptur, die über dem Hauptportal angebracht ist, bei Esaias Gruber in Auftrag, von dem auch sechs kleinere Reliefs im Altarraum stammen. Den letzten Auftrag, Kaspars eigenes Grabmal, erfüllte 1635 der Bildhauer Hans Konrad Asper. Recht einfach gekleidet, beinahe lächelnd, wirkt der Wohltäter der Kirche sehr gelassen.

Ab 1798 malte Andreas Brugger aus Langenargen an den vier Deckenfresken: Über dem Altar „Das letzte Abendmahl“. Als Reverenz an den neuen Kirchenpatron Karl Borromäus eine fiktive Szene „Konzil von Trient vor Maria mit dem Kind“ und dem Heiligen selbst, mit Schwager Jakob Hannibal und den beiden „Markus Sittikussen“. Als Hauptfresko „Himmelfahrt Marias“ und über der Empore „Bathseba und David“. Kirchen offenbaren ihre wahre Pracht erst durch eine geistige Erschließung, durch ein Hineinfühlen und Hineindenken in die jeweilige Kultur. bet