Ein GANS großer Auftritt beim Dornbirner Martinimarkt

Vorarlberg / 08.11.2019 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von „Lüt im alto Häß“ bis Eduard dem Ganter: Beim Martinimarkt herrscht in Dornbirn Ausnahmezustand. VN/STEURER

Der Freitag war nicht nur für Eduard ein besonderer Tag.

Geraldine Reiner

Dornbirn Die Dichte an Pelzmänteln, Hüten und Fuchsschwänzen ist an diesem Morgen besonders hoch. Auch Eduard muss sich offenbar erst einmal daran gewöhnen. Laut schnatternd sitzt er in einem umgebauten Leiterwagen und reckt seinen Hals durch die Holzstäbe in die Höhe. „Das ist nur, weil ich ihn gerade aus dem Gehege rausgenommen habe. Nachher beruhigt er sich schon“, ist Josef Meusburger guter Dinge.

Alter Hase

Eduard ist ein Ganter, also eine männliche Gans und eigentlich schon ein alter Hase in diesem Geschäft. Um kurz nach zehn Uhr wird er zum bereits siebten Mal auf der Stiege des Roten Hauses an Bürgermeisterin Andrea Kaufmann übergeben. Erst dann gilt der Dornbirner Martinimarkt offiziell als eröffnet. „Ich habe mir gedacht, der Bürgermeisterin steht ein Mann zu“, merkt sein „Herrchen“ mit einem Schmunzeln an.

Die Pelzmäntel, Hüte und Fuchsschwänze gehören den „Lüt im alto Häß“. Seit Punkt 8.48 Uhr werden sie im Stadtmuseumspark mit gratis Riebl, Kaffee und Sekt verköstigt. Rosi und ihre Freundinnen sind bis aus Tettnang angereist. Das Wetter ist mies, die Laune blendend: „Wir kommen seit drei Jahren hierher. Birke wohnt in Dornbirn. Es ist einfach nett, eine super Atmosphäre. Außerdem können wir unsere Füchse, Pelze und Hüte aus dem Fundus unserer Großmüttern und Mamas ausführen.“

Kanarienvögel

Rund um Martini wird in Dornbirn traditionell gerne gefeiert. Bis in die 1920er-Jahre gab es den Herbstmarkt. 1976 wurde diese Tradition von der Werbegemeinschaft Einkaufszentrum (EKZ), dem heutigen Inside Dornbirn, wiederbelebt. Eine tragende Rolle spielte dabei Rudolf Fuchs, der Großvater von Eva Molnar-Thielmann vom Juweliergeschäft O. Rein: „Er hatte die Idee, zu Martini einen alten Jahrmarkt entstehen zu lassen. Ich kann mich gut erinnern, dass ich als kleines Kind an der Hand meines Opas durch den Matinimarkt spaziert bin und für die Oma einen Kanarienvogel gekauft habe“, blickt sie zurück. Kanarienvögel gibt es heute nicht mehr, dafür Eduard. Außerdem verkaufen viele Vereine und Schulen ihre Produkte, passend zu Martini, für einen guten Zweck.

Bissig

Der Ganter führt normalerweise ein beschauliches Leben bei der Familie Meusburger im Gebiet „Möckle“ in Dornbirn. Heute ist alles anders. Um 9.49 Uhr machen sich die „Lüt im alto Häß“ gemeinsam mit ihm auf zum Roten Haus. „Da ist ja eine echte Gans“, kommentiert ein Passant erstaunt das Geschehen. Kurz darauf betritt die Bürgermeisterin die Stiege. „Der Eduard ist heute etwas schlecht gelaunt. Ich hoffe er beißt mir nicht in die Backe“, gibt sie in ihrer Begrüßungsworten zu Bedenken. Am Ende geht alles gut. Der tierische Protagonist darf zurück zu den drei Weibchen in das Gehege vor dem Stadtmuseum. Für alle anderen wetterfesten Besucher heißt es: „Eduard, butz do Bart, z`Dorobioro ischt Martinimart!“