Gemeindeinformatik klagt nach Betrugsfall Wirtschaftsprüfer

Vorarlberg / 08.11.2019 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Causa Gemeindeinformatik ist noch nicht zu Ende.VN/Sohm
Die Causa Gemeindeinformatik ist noch nicht zu Ende.VN/Sohm

Feldkirch Ende August wurde die 64-jährige ehemalige Angestellte der Gemeindeinformatik GmbH in erster Instanz wegen ihrer Malversationen im Ausmaß von knapp drei Millionen Euro zu sechs Jahren Haft verurteilt (die VN berichteten). Das Urteil ist nicht rechtkräftig. Die Frau gab allerdings zu, innerhalb von 20 Jahren mit verschiedenen Methoden Geld beiseite geschafft zu haben. Kurz bevor dem geplanten Verlassen des Unternehmens trieb sie ihrer Betrügereien auf die Spitze, was der Bank schlussendlich auffiel. Es erging eine Verdachtsmeldung, die Transaktionen waren für eine normale Buchhalterin auffällig. Die Gemeindeinformatik GmbH ging der Sache nach. „Zunächst waren es 200.000, dann 500.000 Euro, dann war es noch mehr“, so Klagsverterter Claus Brändle zu den damaligen Enthüllungen. Doch dann verdutzte ein anderer Umstand, nämlich: „Wie kann es sein, dass dem externen Prüfer bei seinen jährlichen Prüfungen nichts aufgefallen war?“ Eine Frage, die einem professionellen Wirtschaftsprüfungsunternehmen nun eine Klage auf Schadenersatz in Höhe von 3.106.712,78 Euro beschert.

In der ersten Tagsatzung des Zivilverfahrens bespricht die Vorsitzende Marlene Ender mit Klagsvertreter und Beklagtenvertreter Martin Mennel das weitere Vorgehen. Klar ist, dass die Ergebnisse des Strafverfahrens im Zivilprozess nicht ausreichen, weil dort andere Aspekte beleuchtet werden.

Ebenso klar ist, dass es eines Sachverständigen aus dem Bereich der Wirtschaftsprüfer bedarf. Wer es sein wird, ist noch unklar, denn es soll ein Profi mit Praxisbezug sein. Nur er kann herausfinden, wie viel Geld tatsächlich „verschwunden“ ist und ob das einem Prüfer aus den ihm vorliegenden Unterlagen erkennbar war. Ob ein Sorgfaltsverstoß vorlag und eine Haftung gegeben ist. Die Kosten für den Experten kann man aufgrund des Umfangs mit 10.000 Euro ansetzen. Der Prozess wird eine Weile dauern und auch die Verurteilte wird noch einmal zu Wort gebeten. EC