Mit Arbeitshandschuhen zum geplanten Mord

Vorarlberg / 08.11.2019 • 19:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die VN berichteten am 26. August 2017 von dem Ereignis.
Die VN berichteten am 26. August 2017 von dem Ereignis.

Sie wollte die Scheidung, er den Tod seiner Ehefrau: Mordversuch an Gattin in Wolfurt.

Wolfurt In der Nacht auf den 25. August 2017 fuhr ein 37-jähriger Österreicher türkischer Herkunft von Lochau nach Wolfurt. Mit einem Messer und Arbeitshandschuhen in der Tasche und einem klaren Ziel vor Augen: dem eiskalten Mord an seiner Ehefrau, die jeden Moment von der Arbeit zu ihrer Wohnung in der Brühlstraße kommen musste.

Es war 1.30 Uhr, als die 37-jährige Frau eintraf und ihr Auto am Vorplatz abstellte. In der stockfinsteren Nacht fiel ihr zunächst nicht auf, dass sie bereits erwartet wurde. Der damalige Morddezernatsleiter Norbert Schwendinger schildert die dramatischen Szenen, zu denen es nun kommen sollte: „Als die Frau auf die Eingangstüre zuging, nahm sie ein Geräusch hinter sich wahr. Sie versuchte daraufhin, schnell ins Haus zu kommen. Doch ihr Ehemann holte sie ein und umklammerte sie.“

Dann stieß er zu. Viermal rammte der Besessene seiner Frau ein Messer in den Oberkörper. Die 37-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Während sie an der Schwelle des Todes stand, konnte eine Mitbewohnerin des Hauses keinen Schlaf finden und ging ans Fenster, um sich eine Zigarette anzuzünden – und sogleich vor Schreck zu erstarren.

Zeugin schlug Alarm

Sie wurde Zeugin des furchtbaren Geschehens unten am Vorplatz und rief lautstark um Hilfe. „Damit rettete die Nachbarin dem Opfer vermutlich noch rechtzeitig das Leben“, bemerkt Schwendinger.

Denn der wütende Ehemann hielt durch die Schreie sogleich inne. Aufgeschreckt ergriff er die Flucht. „Die Nachbarin alarmierte sofort die Polizei. Die Identität des Täters konnte schnell festgestellt, eine Festnahmeverordnung besorgt und eine Großfahndung im Raum Bregenz eingeleitet werden. Der Tatverdächtige hatte sein Fahrzeug in der Garage eines Wohnblocks in Lochau abgestellt, wo es von uns gesichtet wurde. Er selbst befand sich in der Unterkunft, öffnete jedoch die Türe nicht. Das erledigte dann unser Einsatzkommando Cobra, dessen Beamte die Türe aufbrachen und den Täter festnahmen“, erinnert sich der Chefermittler. Der Gesuchte wurde im Wohnzimmer angetroffen. Vor ihm eine Flasche Wein. „Er versuchte damit wohl, die Fahnder irrezuführen. Er wollte auf diese Weise suggerieren, dass er die Nacht zu Hause verbracht habe“, sagt Schwendinger. Es blieb beim Versuch, der sich als so erbärmlich wie erfolglos erwies. Das Messer konnte zwar nicht gefunden werden, sehr wohl aber die Arbeitshandschuhe, die der Mann bei seinem Mordversuch verwendet hatte. Sie wurden bei einer Suchaktion durch zahlreiche Beamte und einen Polizeidiensthund gefunden, man stellte auf ihnen später Spuren des Täters und auch des Opfers fest.

Schwendinger: „Damit war eindeutig erwiesen, dass der Tod seiner Frau sein erklärtes Ziel war. Er hatte die Handschuhe bewusst mitgenommen und verwendet, um keine Spuren an den Händen und am Tatort zu hinterlassen.“

Doch weshalb wollte dieser Mann den Tod seiner Ehegattin? „Der Grund waren schon länger andauernde Probleme in der Ehe. Es kam sogar schon zu Anzeigen wegen früherer Auseinandersetzungen zwischen ihnen“, begründet Schwendinger, und: „Schließlich wollte sie sich scheiden lassen. Das verkraftete ihr Mann offenbar nicht. Er betrachtete seine Frau als seinen Besitz und entschloss sich schließlich, sie zu töten.“

16 Jahre Haft

Der überführte Täter wurde später am Landesgericht Feldkirch wegen versuchten Mordes zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Zur Person

Norbert Schwendinger

Pensionierter Chef­ermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg, seit dem 1. August in Pension

Geboren 5. Dezember 1958

Familie in Lebensgemeinschaft,
zwei Kinder

Lesen Sie im nächsten Teil: Nachbar mit Wahnvorstellungen terrorisierte Familie.