Sabine Grohs veröffentlicht mit „Außer Haus“ einen Regionalroman

Vorarlberg / 08.11.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Für Sabine Grohs bedeutet Schreiben auch Verantwortung gegenüber sich selbst.BI
Für Sabine Grohs bedeutet Schreiben auch Verantwortung gegenüber sich selbst.BI

Heimkehrerin überarbeitete das 2012 entstandene Werk und präsentiert es am 7. November um 19 Uhr im Alpin Sport Zentrum in Schruns und am 21. November um 18 Uhr in der Buchhandlung Tyrolia in Bludenz.

BLUDENZ Schon die Entstehung des Buchs „Außer Haus“ ist eine Geschichte für sich. Sabine Grohs hat lange in Wien gelebt. Dort entdeckte sie bei einem Ausflug in den Wiener Wald ein Gebäude, das sie an die typischen Montafoner Großbürgervillen, die sie aus ihrer Kindheit kannte, erinnerte. Sie selber wuchs in Bludenz auf, besuchte jedoch oft die Ahna und den Ehni im Montafon. Ein alter Mann habe sie damals vom Fenster aus beobachtet und sie eingeladen, die Villa zu besichtigen. Sie bekam eine faszinierende Geschichte über die Entstehung dieses Gebäudes zu hören: Ein Bahn-Beamter aus Wien habe sich im Montafon für dieses Haus begeistert, es abtragen lassen und am Anfang des 20. Jahrhunderts in Rekawinkel an der Westbahn wieder aufbauen lassen. Jahre später wurde diese Geschichte jedoch widerlegt. „Das Haus im Wienerwald wurde von einem Münchner Architekten geplant und mithilfe von Montafoner Baumeistern direkt in Rekawinkel errichtet“, erinnert sie sich.

Dennoch ließ sie die Geschichte nie los. „Wenn die Geschichte nicht wahr ist, dann schreibe ich sie mir eben selbst“, setzte sie den Plan, die Historie des Hauses nach ihren eigenen Plänen umzuschreiben, bereits im Jahr 2012 in die Tat um. Der Untertitel des Buchs „Die Wirklichkeit ist eine Möglichkeit von vielen“ verweist auf die Vielschichtigkeit der Herangehensweise an Realitäten, die sehr komplex sein können. Die Kommunikationsexpertin sah den Roman als Herausforderung: „Es waren schwierige Umstände, ich war berufstätig und lebte mit meinem Mann und drei Kindern in einem Haus in der Nähe von Wien. Dennoch war die erste Fassung bereits nach drei Monaten fertig. Es bedeutete viel Recherchearbeit, denn ich wollte die regionalen Hintergründe möglichst wahrheitsgetreu wiedergeben. Bei der Entstehung habe ich viel geplant, skizziert, getüftelt und konstruiert. Das Schreiben selber war das wenigste, denn Schreiben ist mein Beruf!“

Das Schreiben des Buches half ihr auch, ihr Heimweh nach dem Montafon zu kompensieren. Es folgte 2014 die Entscheidung, nach dreißig Jahren doch wieder in die alte Heimat zurückzukehren. „Ich war auf der ganzen Welt unterwegs, was zwar spannend war, aber auch ein Entwurzelt-sein bedeutete. Die Rückkehr bedeutete für mich auch, eine Heimat in mir selber wiedergefunden zu haben. Und es gibt einfach keinen schöneren Platz auf dieser Welt“, betont die Autorin. Aber auch ihr Roman, der sechs Jahre in der Schublade gelegen war, gewann wieder an Bedeutung. Für die Veröffentlichung überarbeitete sie ihn nochmals. Es sind viele persönliche Eindrücke, Erinnerungen und Familiengeschichten in das Buch eingeflossen: „Meine Ahna und mein Ehni waren ganz zentral in meinem Leben. Ich konnte mit ihnen über alles reden. Wir hatten einen sehr offenen Umgang, der mich sehr geprägt hat.“ Aber auch die frühe Auseinandersetzung mit Baustilen und Kunst – mit ihrem Vater als Baumeister und ihrem Stiefvater als Restaurator – erwiesen sich als fruchtbringend. Im Zentrum des Buches stehen die Lebensgeschichten der fiktiven Großfamilie Burger über sechs Generationen. Es sind Reminiszenzen an ein früheres Leben, das mitunter sehr beschwerlich war, wie beispielsweise jenes der Schwabenkinder. Sabine Grohs erzählt von Armut, Naturkatastrophen und Kriegsnöten, aber auch vom Zusammenhalt innerhalb der Familie. Es sind liebevoll und behutsam gestaltete Geschichten um einzelne Protagonisten, die frühere Lebenswirklichkeiten lebendig werden lassen. Da es sich um einen regionalen Roman handelt, war es schwierig, einen Verleger zu finden. Als Werbefachfrau fand Sabine Grohs allerdings einen anderen Vertriebsweg: Mittels Sponsoring entstand ein „book on demand“ – der Regionalroman dient nun als Werbemittel für die geliebte Heimat. BI