Sagenumwobener Schwarzer See

Vorarlberg / 08.11.2019 • 19:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch Tragisches ereignete sich am Schwarzen See: Vier Jugendliche ertranken 1973 im Auto. VN-Bericht vom 18. Mai 1973. VN/Lerch
Auch Tragisches ereignete sich am Schwarzen See: Vier Jugendliche ertranken 1973 im Auto. VN-Bericht vom 18. Mai 1973. VN/Lerch

Viele Legenden ranken sich um das dunkle Gewässer in Satteins.

Satteins „Im Satteinser Wald liegt einsam der Schwarze See. Hohe Tannen umstehen den Uferrand, und unheimlich glänzt der dunkle Spiegel.“ Mit diesen Sätzen beginnt eine der Sagen vom Schwarzen See im Gemeindegebiet von Satteins. Die bekannte Sagensammlerin Hedwig Hensler hat sie überliefert und führt damit zu einem sagenumwobenen Thema: die geheimnisvollen Gewässer Vorarlbergs.

Die Erzählung besagt weiter, dass am Grund des Sees ein Wasserweib wohnt. Wer in den See steigt, so heißt es, wird von dem Wasserweib mit starken Armen umschlossen. „Noch keiner ist dem See wieder entronnen, nicht einmal den Leichnam gibt er wieder her“, heißt es weiter.

Er trägt seinen Namen jedenfalls nicht zu Unrecht: Dunkelgrün, je nach Lichteinfall fast schwarz, liegt das sichelförmige Gewässer mit einer oft spiegelglatten Fläche im Wald. Die Umgebung spiegelt sich im Wasser wider, der Grund des knapp fünf Meter tiefen Sees ist vom Ufer aus nicht zu sehen. Das Gewässer ist etwa 180 Meter lang und durchschnittlich 20 Meter breit.

Seine Entstehung geht übrigens ebenfalls auf eine alte Legende zurück, weiß Sagenkenner Franz Elsensohn. Der Autor aus Götzis hat mehrere Bücher über Sagen in Vorarlberg verfasst, darunter die Buchreihe „Seltsames und Sagenhaftes aus Vorarlberg“: „Einst sei, wo sich heute der See befindet, eine Herberge gestanden, in der es wie in einer Räuberhöhle zugegangen sei. Fluchen und Freveln werden erwähnt“, weiß Elsensohn. Eines Tages, so heißt es in der Sage, zog eine Prozession mit dem Allerheiligsten an der Wirtsstube vorbei. Doch den Zechkumpanen im Gasthaus fehlte es an der nötigen Ehrerbietung, sie lärmten und grölten aufs Gröbste. Daraufhin löste sich der über dem Gebäude befindliche Felsvorsprung und begrub die Trunkenbolde unter sich. Die herabstürzenden Gesteinsbrocken rissen einen Krater in den Erdboden, der sich schließlich mit Wasser füllte.

Von der Herberge und der Prozession abgesehen, stimmt einiges an der Sage: Über dem Seeboden verlief, so vermuten Archäologen, eine alte Römerstraße. Der See dürfte durch einen Felssturz vom nahen Spiegelstein im Spätmittelalter entstanden sein. Das Gestein verschüttete die Abflusswege der Gewässer. Seither wird er vom Wasser aus den umliegenden Bergen gespeist.

Tragische Unglücke

Dass der See seinem Ruf einer gewissen Unheimlichkeit auch in neuerer Zeit gerecht werden kann, belegt ein Vorfall vor nunmehr gut fünfzig Jahren, weiß Elsensohn: „Am 16. Mai 1973, kurz nach 21 Uhr, kam ein Autofahrer aus Sat­teins zum See herauf. Gerade hatte er die letzte Biegung über den Kamm genommen, da bot sich ihm ein schreckliches Bild.“ Im sonst so dunklen See habe es eigenartig geleuchtet, es seien deutlich zwei helle Punkte in der Tiefe zu erkennen gewesen. Vier Jugendliche aus Sulz im Alter zwischen 15 und 19 Jahren sind in einem Austin-Mini von der berüchtigten Strecke abgekommen und nach einem Bremsmanöver in den See geschlittert. Gemeinsam sind sie im See ertrunken (die VN berichteten). Wie sich herausstellte, waren die zwei leuchtenden Punkte unter der Seeoberfläche die Scheinwerfer des Unfallautos. Heute gibt es Legenden, die besagen, dass sich Pkw- und Motorradfahrer vor den beiden leuchtenden Punkten im See hüten müssen, denn dann würde ihnen ein ähnliches Schicksal bevorstehen. Für Elsensohn ein Beispiel, wie eine moderne Sage entstehen kann.

Das war allerdings nicht der einzige tragische Vorfall. In den 1920ern wurde an jenem Platz, an dem heute das Gasthaus steht, eine Tanzhütte errichtet. Die Eröffnung wurde allerdings von einem Unglück überschattet: Eine junge Frau war gemeinsam mit ein paar Freunden auf einem Floß auf den See hinaus gefahren. Das Floß kippte und die Jugendlichen stürzten in das Wasser. Für die 19-Jährige kam allerdings jede Hilfe zu spät.

Heute  erinnern am Rande des Ufers Kerzen mit Todesanzeigen und Gedichte an die Unglücke, die sich hier ereigneten. Trotz allem sind der See und das Gasthaus ein beliebtes Ausflugsziel. Erzählungen ranken sich um das dunkle Gewässer, was für manchen wohl einen zusätzlichen Reiz ausmacht.

Am Samstag geht es in Vorarlbergs Unterwelt, zur Schneckenlochhöhle im Bregenzerwald.