Weiter warten auf neue Züge

Vorarlberg / 08.11.2019 • 21:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Großer Bahnhof für den Cityjet Talent 3. Der ganze Stolz im heimischen Nahverkehr kommt allerdings nicht in die Gänge. VN/Stiplovsek
Großer Bahnhof für den Cityjet Talent 3. Der ganze Stolz im heimischen Nahverkehr kommt allerdings nicht in die Gänge. VN/Stiplovsek

Ampel steht noch immer auf Rot: Talent 3 kommt frühestens in der ersten Jahreshälfte 2020.

Schwarzach Es war alles vorbereitet. Mit einem ambitionierten Zeitplan wollten Land Vorarlberg, ÖBB und Bombardier moderne Talent-3-Zuggarnituren pünktlich zum Auftakt der Weltgymnaestrada auf der Schiene haben. Die neuen Züge sollten im Schaufenster eines internationalen Großereignisses den ganzen Stolz des öffentlichen Nahverkehrs repräsentieren. Es kam anders. Der Hersteller, der sich in einem Bieterverfahren gegen Wettbewerber wie Siemens und Stadler durchgesetzt hatte, konnte nicht liefern. Nötige Gutachten für eine Zulassung fehlten, erklärte das Unternehmen im Mai. Man arbeite mit Hochdruck, so das Versprechen damals.

Mittlerweile ist ein weiteres halbes Jahr verstrichen. Die Ampeln für eine Lieferung der 21 Garnituren mit einem Volumen von rund 140 Millionen Euro stehen weiter auf Rot. Einen genauen Termin gibt es bis heute nicht. Das bestätigten die ÖBB gestern auf VN-Anfrage. „Aber wir sind zuversichtlich, dass wir in der ersten Jahreshälfte 2020 die Züge in Vorarlberg im Einsatz haben werden“, so die Bahn. Es heißt also: weiter warten.

„Ärgerlich und unangenehm“

Die Verspätung sei unangenehm und ärgerlich, räumt der zuständige Landesrat Johannes Rauch (60, Grüne) ein. Der Termin zur Gymnaestrada sei fix vereinbart und zwischen ÖBB und Bombardier auch vertraglich abgesichert gewesen. „Vonseiten des Landes haben wir alles getan, damit dieser Termin wirklich eingehalten wird“, so Rauch. Das Land drückt indes weiter aufs Tempo. „Unser Ziel ist ein Termin möglichst früh im ersten Halbjahr.“ Gleichzeitig lege man aber auch großen Wert darauf, dass die neuen Zuggarnituren bei der Inbetriebnahme ohne Kinderkrankheiten laufen.

Die Geduld der Pendler wird also weiter auf die Probe gestellt. Die Betriebssoftware der neuen Züge macht offensichtlich Probleme. „Bombardier hat in den letzten Monaten sehr gute Fortschritte im Bereich der Zulassungsfahrten und der Betriebssoftware gemacht“, beschreiben die ÖBB den aktuellen Stand. Die Betriebssoftware habe mittlerweile ein Qualitätsniveau erreicht, das es erlaube, mit dem Probebetrieb ohne Fahrgäste zu starten. In den nächsten Tagen soll es so weit sein. Ganz neu ist der Anblick von Talent-3-Zügen ohne Fahrgäste allerdings nicht. Bereits im März rollte einer der neuen Züge in Langen am Arlberg ein. Damals gab es großen Bahnhof: Land, Bahn und Hersteller zogen medienwirksam den Hut.

Die Verzögerungen haben längst auch den Wettbewerber auf den Plan gerufen. Die Westbahn kritisierte bereits vor Wochen, dass Lieferfristen nicht eingehalten würden. „Sie kamen nicht im Dezember 2018, nicht im Frühjahr 2019, nicht zur Gymnaestrada im Juli 2019 – und sie sind bis heute nicht im Einsatz“, so das Unternehmen in einer Aussendung. Bei Vergabe an die Westbahn wäre das Bahnpaket günstiger gewesen und längst mit neuen Garnituren auf Schiene, schreibt der private Anbieter weiter. Die freihändige Direktvergabe ohne Ausschreibung und ohne Wettbewerb sei jedenfalls alles, nur kein Vorarlberger Erfolgsmodell, so die harsche Kritik.

Angebotserweiterung gesichert

Die Fortschritte bei der Betriebssoftware stimmen die ÖBB optimistisch. Man habe ein Qualitätsniveau erreicht, das jetzt eine Beantragung der technischen Zulassung ermögliche. Ein Probebetrieb ohne Passagiere startet. „Um eine Zulassung für den Regelbetrieb mit Fahrgästen zu erhalten, muss diese intensive Testphase positiv abgeschlossen werden“, so die ÖBB. Auf die geplante Angebotsausweitung im Nah- und Regionalverkehr soll die Verzögerung der neuen Züge keine Auswirkungen haben. Diese seien durch moderne Cityjet-Garnituren des Typ Talents 1 gesichert.

„Unser Ziel ist jetzt ein Termin möglichst früh im ersten Halbjahr 2020.“