Gemeindeinformatik klagt Wirtschaftsprüfer

Vorarlberg / 09.11.2019 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Klagsvertreter Claus Brändle (r.) und Beklagtenvertreter Martin Mennel machen sich auf ein kompliziertes Verfahren gefasst. ECKERT

Betrügerin brockte Steuerberater Zivilverfahren wegen mangelhafter Prüfung ein.

Christiane Eckert

Feldkirch Ende August wurde eine 64-jährige ehemalige Angestellte der Gemeindeinformatik GmbH in erster Instanz wegen ihrer Malversationen im Ausmaß von knapp drei Millionen Euro zu sechs Jahren Haft verurteilt (die VN berichteten). Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Frau gab allerdings zu, innerhalb von 20 Jahren mit verschiedenen Methoden Geld beiseite geschafft zu haben. Kurz bevor dem geplanten Verlassen des Unternehmens trieb sie ihre Betrügereien auf die Spitze, was der Bank schlussendlich auffiel. Es erging eine Verdachtsmeldung, die Transaktionen waren für eine normale Buchhalterin auffällig. Die Gemeindeinformatik GmbH ging der Sache nach. „Zunächst waren es 200.000, dann 500.000 Euro, dann war es noch mehr“, so Klagsverterter Claus Brändle zu den damaligen Enthüllungen. Doch dann verdutzte ein anderer Umstand, nämlich: „Wie kann es sein, dass dem externen Prüfer bei seinen jährlichen Prüfungen nichts aufgefallen ist?“ Eine Frage, die einem professionellen Wirtschaftsprüfungsunternehmen nun eine Klage auf Schadenersatz in Höhe von 3.106.712,78 Euro beschert.

Prozessprogramm festgelegt

In der ersten Tagsatzung des Zivilverfahrens bespricht die Vorsitzende Marlene Ender mit Klagsvertreter und Beklagtenvertreter Martin Mennel das weitere Vorgehen. Klar ist, dass die Ergebnisse des Strafverfahrens im Zivilprozess nicht ausreichen, weil dort andere Aspekte beleuchtet werden. Ebenso klar ist, dass es eines Sachverständigen aus dem Bereich der Wirtschaftsprüfer bedarf. Wer es sein wird, ist noch unklar, denn es soll ein Profi mit Praxisbezug sein. Nur er kann herausfinden, wie viel Geld tatsächlich „verschwunden“ ist und ob das einem Prüfer aus den ihm vorliegenden Unterlagen erkennbar war, ob also ein klagbarer Sorgfaltsverstoß vorlag und ob eine Haftung gegeben ist. Die Kosten für den Experten kann man aufgrund des Umfangs locker mit 10.000 Euro ansetzen. Der Prozess wird noch eine Weile dauern und auch die Verurteilte wird noch einmal zu Wort kommen.