Ein Grund für einen Schnauzbart

Vorarlberg / 10.11.2019 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit einem Moustache (Schnauzbart) erinnern Männer im November an das wichtige Thema Männergesundheit. VN/Paulitsch
Mit einem Moustache (Schnauzbart) erinnern Männer im November an das wichtige Thema Männergesundheit. VN/Paulitsch

Internationaler Tag des Mannes: Der November steht im Zeichen der Männergesundheit.

Bettina Maier-Ortner

Schwarzach Lang ist es her, dass der Mann, Vater und Versorger der Familie, abends nach der Arbeit nach Hause kam, sich in den Sessel warf und die ZiB sehend auf das Essen wartete, das ihm die Ehefrau zubereitet hat. Im Jahr 2019 muss Mann alles können: Karriere, liebender Familienvater, sportlich, im Haushalt anpackend und und und. Viele Interpreten von Eric Clapton bis Rainhard Fendrich und Herbert Grönemeyer sangen über die Vorzüge (allzeit bereit), Probleme (die Tränen zu verstecken) und Macken („Ist doch kein Grund, dass man sich ändern muss.“) oder fragten, „Wann ein Mann ein Mann ist?“.

Wolfgang Burtscher arbeitet im Ehe- und Familienzentrum. Privat
Wolfgang Burtscher arbeitet im Ehe- und Familienzentrum. Privat

Neuer Mann, was nun?

Dass sich das Rollenbild ändert, bemerkt Sozialarbeiter Wolfgang Burtscher (55), auch dass „Gesundheit und Vorsorge“ mit dem Selbstverständnis des Mannes, was seine körperliche und psychische Gesundheit oder seine Beziehung anbelangt, einhergehen. Der Koblacher betreut die Männer-Homepage www.vordermann.at. Er organisiert für die Männerbildungsplattform zusammen mit sieben weiteren Männern den am 19. November stattfindenden Poetry-Salm „Männer im Spannungsfeld zwischen alter Männlichkeit und neuen Rollenbildern“ im Alten Hallenbad Feldkirch. Unter anderem wird sich ein Info-Stand von „Movember“ finden. Jene Bewegung, die mit dem „Moustache“ (Schnauzbart) auf das Thema Männergesundheit und Prävention aufmerksam machen will. „Sieht man Männerwerbe-Spots wie den von Gillette, dessen Video auf Youtube vor einem halben Jahr einen ‚Shitstorm‘ bekommen hat, fällt auf: Es wurde das alte Rollenbild, nicht auf die eigene Gesundheit zu achten und selbstzerstörerisch zu sein, propagiert. Ein Männerbild, das Gewalt anwendet und mit Süchten konfrontiert ist“, prangert er an. „Ich habe aber das Gefühl, dass Männer am Beginn einer Veränderung stehen. Junge Männer haben einen neuen Umgang und machen bei althergebrachten Klischees nicht mehr unreflektiert mit“, sagt er. „3,8 Prozent der Karenzgeldbezieher in Österreich sind Männer, sie übernehmen eine Care-Aufgabe, d.h. sie kümmern sich um ihre Kinder oder pflegen Angehörige“, so Burtscher, der selbst ein Vorreiter war: „Ich habe eineinhalb Tage in der Woche, als meine Frau nach zehn Jahren wieder in den Beruf startete, meine vier Kinder betreut.“ Das war Anfang der 2000er. „Da war ich ein Exot unter vielen Frauen! Ich bin froh über die Zeit mit meinen Kindern.“

Der Schnauzbart, den sich die Männer in dieser Zeit stehen lassen, soll das Bewusstsein über einige der schwerwiegendsten Gesundheitsprobleme von Männern erhöhen: „Der Monat November ist ein Anlass von vielen, um auf Männergesundheit aufmerksam zu machen. In Österreich sterben Männer fünf Jahre früher als Frauen. Der ‚Movember‘ soll ein Startschuss sein, sich das ganze Jahr um seine Gesundheit zu kümmern. Es ist ein weltweites Problem, dass sich Männer nicht gut um ihre Gesundheit kümmern. Wenn, dann gehen sie zu spät zum Arzt, seltener zur Vorsorge“, weiß Michael Fischer (36), der für die „Movember“-Bewegung durch Europa reist, um für Männergesundheit zu sensibilisieren.

Movember – nur mit Bart!

Michael Fischer klärt zum Thema Männergesundheit auf. Movember Foundation/Lisa Wassmann
Michael Fischer klärt zum Thema Männergesundheit auf. Movember Foundation/Lisa Wassmann

Die „Movember“-Spenden sind zugunsten der Erforschung und Vorbeugung von Prostata- und Hodenkrebs. Unterstützer der Kampagne lassen sich einen Moustache (Schnauzbart) wachsen. „Wir haben ein positives Feedback, besonders bei jungen Männern. Denn Hodenkrebs gibt es schon ab 15 Jahren“, so Fischer. Wichtig sei, dass sich Männer abtasten und bei Veränderungen zum Arzt gehen. „Bei Männern über 50 Jahre sei es wichtig, einmal im Jahr einen Vorsorgetermin zu machen. Mit dem sicheren Bluttest (PSA-Test) wird nach Markern für Prostatakrebs gesucht“, zeigt er auf. „Einer von acht Männern erkrankt an Prostatakrebs. Da ist Früherkennung wichtig.“ Ein weiterer Aspekt ist die Suizid-Prävention. „Drei von vier Suiziden werden von Männern begangen. Gespräche können Leben retten“, sagt er und verweist für mehr Infos, Spendenmöglichkeit und Unterstützung auf die Homepage www.movember.com.

Prostatakrebs

Einer von zehn Todesfällen durch Krebs ist auf Prostatakrebs zurückzuführen. Dieser Krebs verursacht meist in den frühen Stadien keine Symptome und kann in diesem frühen Stadium nur von einem Arzt bei einer Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert werden kann. Prostatakrebs betrifft nur Männer.

Symptome:
·         Häufiger Harndrang insbesondere in der Nacht
·         Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Urinieren
·         Erektionsprobleme oder Schmerzen dabei
·         Blut im Urin oder Ejakulat
·         Schmerzen im unteren Rücken, in den Hüften oder Oberschenkeln

Hoedenkrebs

Der Anteil der Männer, bei denen Hodenkrebs diagnostiziert wurde, hat sich in den letzte 50 Jahren verdoppelt. Hodenkrebs tritt in der Regel bei jungen Männern zwischen 15 und 40 Jahren auf. In Hodenkrebs beginnt als abnormales Wachstum oder Tumor in einem oder beiden Hoden.

Symptome:
·         Schwellung, Knoten (meist schmerzlos) im Hodensack
·         Gefühl der Schwere, Veränderung der Größe oder Form, Flüssigkeitsansammlung, Schmerzen im Hodensack
·         Schmerzen im Unterleib und der Leiste
·         Vergrößerung und Schmerzempfindlichkeit des Brustgewebes