Rauch darf nicht in Grünzone

Politik / 10.11.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/Lerch
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Ludescher sagen Ja zur Grünzone und Nein zur Rauch-Betriebserweiterung.

Ludesch Die Flächen im Ludescher Neugut bleiben so, wie sie sind – dafür haben sich bei einer Volksabstimmung knapp 56 Prozent der Teilnehmenden entschieden und damit der Gemeinde sowie den Firmen Rauch Fruchtsäfte und Ball kommuniziert, dass eine Erweiterung in der Grünzone nicht gewünscht ist. „Wir hatten eine breite Beteiligung, somit erfahren die Flächen keine Änderung der Widmung“, verkündet Bürgermeister Dieter Lauermann bei der Bekanntgabe der Ergenisse und weiter: „Die Gemeinde wird das zur Kenntnis nehmen und dem Land so kommunizieren.“

Lösungssuche

Für die Firmen Rauch und Ball bedeutet dies, dass sie nicht in dem von ihnen präferierten 6,5 Hektar großen Gebiet in der Landesgrünzone erweitern können. „Wir nehmen das demokratische Ergebnis der Volksabstimmung zur Kenntnis“, informiert Daniel Wüstner, Geschäftsführer von Rauch, bei der Pressekonferenz: „Wir hatten tolle Gespräche, bedauern aber das Ergebnis.“

Nun gelte es für die Unternehmen, die Lage neu zu eruieren, da es derzeit noch keine konkrete Planung für ein Ersatzprojekt gebe. „Es tut uns sehr leid, dass dieses Projekt, welches sich für Ludesch und die Bevölkerung sicher positiv ausgewirkt hätte, nicht realisiert werden kann“, so Wüstner abschließend. Auf die Frage, ob auch Abwanderung im Raum stehe, wollten die Firmenvertreter nicht antworten. Etwaige Ausgleichszahlungen, wie jene kürzlich im 7-Punkte-Plan präsentierten fünf Millionen Euro für Gemeindeprojekte, seien somit auch aus dem Raum, wie Bürgermeister Lauermann auf Nachfrage bestätigte.

„Das ist ein deutliches Signal an die Landesregierung“, sagt Christoph Aigner von der Initiative Ludesch, die die Volksabstimmung initiiert hatte: „Das Betriebsgebiet im Neugut ist jetzt Geschichte. Wir nehmen das Ergebnis auch als Zeichen, dass auch von der Bevölkerung ein anderer Umgangston bei solch wichtigen Thematiken gewünscht ist.“ Für die Initiative sei an diesem Punkt aber noch nicht Schluss. „Die Initiative bleibt mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement weiterhin bestehen. Wir sind schon in der Erarbeitung eines Strategiepapiers für den Umgang mit der Landesgrünzone“, so Aigner. „In diesem stellen wir auch mögliche Kompensationsmaßnahmen für Betriebserweiterung, wie beispielsweise Entsiegelungsmaßnahmen, vor.“ Das funktioniere aber nur mit der Wirtschaft.

Gespaltene Gemeinde

Weniger groß war die Freude für Lauermann, steht er doch vor einer gespaltenen Gemeinde: „Es brodelt an allen Ecken, in den Vereinen, in der Nachbarschaft und in den Familien“, so Lauermann. Das sei darauf zurückzuführen, dass vieles falsch dargestellt wurde und Fakten einfach negiert worden seien. „Ich weiß nicht, ob das Ergenis diesen hohen Preis rechtfertigt. Ich appelliere jetzt aber an alle, sich dem Aufräumen des Scherbenhaufens zu widmen“, führt er aus.

In den Wochen vor der Wahl wurde im Dorf für die jeweiligen Standpunkte Stimmung gemacht. Neben Informationsveranstaltungen wurde auch direkt auf der Straße geworben. Zuletzt positionierten sich zahlreiche Ludescher mit Plakaten an ihren Hausfassaden und Balkonen.

Das Interesse am Thema Umwidmung und Betriebserweiterung war hoch: 1750 Ludescher schritten zur Urne. vn
Das Interesse am Thema Umwidmung und Betriebserweiterung war hoch: 1750 Ludescher schritten zur Urne. vn