Ein Grund für einen Schnauz

Vorarlberg / 11.11.2019 • 18:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit einem Schnauzbart erinnern Männer im November an das wichtige Thema Männergesundheit. Im Bild: Helmut aus Höchst, Stefan aus Altach und Thomas aus Dornbirn.Paulitsch
Mit einem Schnauzbart erinnern Männer im November an das wichtige Thema Männergesundheit. Im Bild: Helmut aus Höchst, Stefan aus Altach und Thomas aus Dornbirn.Paulitsch

Der November steht im Zeichen der Männer und Männergesundheit.

Schwarzach Lang ist es her, dass der Mann, Vater und Versorger der Familie abends nach der Arbeit nach Hause kam, sich in den Sessel warf und einfach auf das Essen wartete. Im Jahr 2019 muss Mann alles können: Karriere, liebender Familienvater, sportlich, im Haushalt anpackend. Dass das Rollenbild sich ändert, bemerkt Sozialarbeiter Wolfgang Burtscher (55), auch dass „Gesundheit und Vorsorge“ mit dem Selbstverständnis des Mannes, was seine körperliche und psychische Gesundheit oder seine Beziehung anbelangt, einhergehen.

Der Koblacher betreut die „Männer-Homepage“ www.vordermann.at. Er organisiert für die Männerbildungsplattform zusammen mit sieben weiteren Männern den am 19. November stattfindenden Poetry-Slam „Männer im Spannungsfeld zwischen alter Männlichkeit und neuen Rollenbildern“ im Alten Hallenbad Feldkirch. Unter anderem wird sich ein Info-Stand „Movember“ finden. Jene Bewegung, die mit dem „Moustache“ (Schnauzbart) auf das Thema Männergesundheit und Prävention aufmerksam machen will. „Sieht man Männerwerbe-Spots wie den von Gillette, dessen Video auf YouTube vor einem halben Jahr einen ‚Shitstorm‘ bekommen hat, fällt auf: Es wurde das alte Rollenbild, nicht auf die eigene Gesundheit zu achten und selbstzerstörerisch zu sein, propagiert. Ein Männerbild, das Gewalt anwendet und mit Süchten konfrontiert ist“, prangert er an.

Neues Bewusstsein

„Ich habe aber das Gefühl, dass Männer am Beginn einer Veränderung stehen. Junge Männer machen bei althergebrachten Klischees nicht mehr unreflektiert mit“, sagt er. „3,8 Prozent der Karenzgeldbezieher sind Männer, sie kümmern sich um ihre Kinder oder sie pflegen Angehörige“, so Burtscher, der selbst ein Vorreiter war. „Ich habe eineinhalb Tage in der Woche, als meine Frau nach zehn Jahren wieder in den Beruf startete, unsre vier Kinder betreut.“ Das war Anfang der 2000er. „Da war ich ein Exot unter vielen Frauen!“ Der Schnauzbart, den sich die Männer in dieser Zeit stehen lassen, soll das Bewusstsein über schwerwiegende Gesundheitsprobleme von Männern erhöhen: „Der Monat November ist ein Anlass, um auf Männergesundheit aufmerksam zu machen. In Österreich sterben Männer fünf Jahre früher als Frauen. Der ‚Movember‘ soll ein Startschuss sein, sich das ganze Jahr um seine Gesundheit zu kümmern. Es ist ein weltweites Problem, dass sich Männer nicht gut um ihre Gesundheit kümmern. Wenn, dann gehen sie zu spät zum Arzt, seltener zur Vorsorge“, weiß Michael Fischer (36), der für die „Movember“-Bewegung durch Europa reist, um für Männergesundheit zu sensibilisieren.

Movember – nur mit Bart!

Die „Movember“-Spenden sind zugunsten der Erforschung und Vorbeugung von Prostata- und Hodenkrebs. Unterstützer der Kampagne lassen sich einen Moustache (Schnauzbart) wachsen. „Wir haben ein positives Feedback, besonders bei jungen Männern. Denn Hodenkrebs gibt es schon ab 15 Jahren“, so Fischer. Wichtig sei, dass sich Männer bei Veränderungen zum Arzt gehen. „Bei Männern über 50 Jahre ist es wichtig, einmal im Jahr einen Vorsorgetermin zu machen. Mit dem sicheren Bluttest wird nach Markern für Prostatakrebs gesucht“, zeigt er auf. „Einer von acht Männern erkrankt an Prostatakrebs. Früherkennung ist wichtig.“ Ein weiterer Aspekt ist die Suizidprävention. „Drei von vier Suiziden werden von Männern begangen. Gespräche können Leben retten“, sagt er und verweist für mehr Infos, Spendenmöglichkeit und Unterstützung auf die Homepage www.movember.com. VN-BEM

Symptome rechtzeitig erkennen

Prostatakrebs

Einer von zehn Todesfällen durch Krebs ist auf Prostatakrebs zurückzuführen. Dieser Krebs verursacht meist in den frühen Stadien keine Symptome und kann nur von einem Arzt bei einer Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert werden. Betrifft nur Männer.

 

Symptome

» Häufiger Harndrang

» Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Urinieren

» Erektionsprobleme oder Schmerzen dabei

» Blut im Urin oder Ejakulat

» Schmerzen im unteren Rücken, in den Hüften oder Oberschenkeln

Hodenkrebs

Der Anteil der Männer, bei denen Hodenkrebs diagnostiziert wurde, hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt. Hodenkrebs tritt ca. zwischen 15 und 40 Jahren auf. Hodenkrebs beginnt als abnormales Wachstum oder Tumor in einem oder beiden Hoden.

 

Symptome

» Schwellung, Knoten (meist schmerzlos) im Hodensack

» Gefühl der Schwere, Veränderung der Größe oder Form, Flüssigkeit, Schmerzen

» Schmerzen im Unterleib und Leiste

» Vergrößerung und Schmerzempfindlichkeit des Brustgewebes