Strukturwandel in der Wälder Gastronomie

Regionalumfrage / 11.11.2019 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Raumforscher Johannes Herburger hat die Entwicklung der Gastronomie im Bregenzerwald genau unter die Lupe genommen. VN/Lerch

VN-Regionalumfrage: Innovative Ideen zur Belebung der Wirtschaftskultur sind gefragt.

Egg Die traditionell geführten Gasthäuser und Gasthöfe wurden im Bregenzerwald in den letzten Jahrzehnten weniger. Dem sogenannten Gasthaussterben sollen gemeinsame Überlegungen und Studien entgegenwirken. Bei der VN-Regionalumfrage gaben von 194 Teilnehmern im Bregenzerwald 161 an, dass für sie das Thema hohe Priorität hat.

Mit dem Gasthaussterben bzw. mit wirksamen Gegenmaßnahmen beschäftigt sich der Raumforscher Johannes Herburger. Seine Recherchen zeigen auf, wie sich die Gastronomie in 24 Gemeinden der Region Bregenzerwald verändert hat. Der Stand von 1950, mit 151 Gastronomiebetrieben insgesamt, davon 137 Gasthäuser/Gasthöfe, hat sich im Vergleich zu 2017, mit 269 Gastronomiebetrieben insgesamt, davon 90 Gasthäuser/Gasthöfe, stark verändert. Die Gastronomiebetriebe haben also insgesamt um 118 Betriebe zugenommen, während es 47 Gasthäuser weniger gibt. Was im Bregenzerwald sehr stark zugenommen hat, sind Hotels und Restaurants, was natürlich dem Tourismus zu verdanken ist. 

Es ist zu beobachten, dass viele Betriebe, die 1950 noch als Gasthäuser geführt wurden, mittlerweile in die Kategorie Hotel oder Restaurant fallen. Deshalb kann man nicht sagen, dass 47 Gasthäuser geschlossen wurden, viele dürften aufgrund des starken Tourismus ihr Konzept geändert haben.

Hohen Stellenwert anerkennen

Bei vielen Betrieben im Bregenzerwald ist ein beeindruckender Wandel zu erkennen. Traditionelles wird neu interpretiert, zukunftsorientiert stehen junge Wirtsleute den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber. Das gemeinsame Feierabendbier oder der Gang zum Frühschoppen haben ihren Stellenwert verloren, Kommunikationskanäle und -orte haben sich verändert. Veränderte Lebensstile, und damit das Konsumverhalten, verändern Nachfrage und Angebot, oftmals mit der Suche nach exotischen Erlebnisangeboten. Vegan, bio, mediterrane oder asiatische Küche, Pizza und Kebab verdrängen oder ergänzen traditionelle Gewohnheiten. Es bedarf innovativer Ideen zur Belebung der Wirtschaftskultur. 

„Wie alle (Wirtschafts-)Bereiche ist auch die Gastronomie einem steten Wandel unterworfen“, zieht Herburger ein Fazit und sagt weiter: „Manchmal fehlt es an Professionalität und oft aber auch an Wertschätzung. Schwieriger wird auch die Unternehmensführung im Familienverband, die früher viel Personal und damit Kosten gespart, aber auch einen hohen innerfamiliären Druck erzeugt hat.“ Für den Herburger ist es wichtig, den hohen Stellenwert des Gasthauses für das Leben in den Gemeinden anzuerkennen und zu betonen, dass deren Leistungen auch einen fairen Preis haben dürfen. MAM