Das Trauma erwachte erst nach Jahren

Vorarlberg / 12.11.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach einer früheren Verurteilung wurde der Angeklagte erneut vom selben Opfer belastet. Wieder ist eine Freiheitsstrafe über ihn verhängt worden. VN/SOHM

54-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen zu 18 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.

Feldkirch Es geschieht so oft im unseligen Deliktsbereich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, dass es beinahe schon gewöhnlich ist: Die Tatsachen kommen erst nach Jahren ans Licht. So auch im Fall eines heute 54-jährigen Mannes, der sich in den Jahren 2002 und 2003 im Vorarlberger Unterland an einem damals achtjährigen Jungen verging. Es war das Kind einer ihm bekannten Familie. Erst zehn Jahre später stand der Sexualtäter vor Gericht und wurde für vier Vorfälle rechtskräftig verurteilt.

Die Verbrechen waren kaum gesühnt, da kam schon der nächste Anklagereigen. Wieder war es dasselbe Opfer, und wieder ging es um angeblichen sexuellen Missbrauch. Der zur damaligen Tatzeit achtjährige Bub ist zwischenzeitlich zu einem jungen Mann herangewachsen. Vor drei Jahren flammten plötzlich und unerwartet weitere Erinnerungen in ihm auf. Sie raubten ihm monatelang den Schlaf, und wenn er doch einnickte, quälten ihn Albträume.

Zitteranfälle

Diese „psychosomatischen Symptome“, wie sie der behandelnde Psychiater Franz Riedl bezeichnete, wirkten sich bim Opfer nicht nur psychisch, sondern auch physisch aus. Etwa durch wiederkehrende Zitterfanfälle. Das hatte eine Ausweitung der Anklage wegen schwerer Körperverletzung zur Folge.

Bei der neuerlichen Verhandlung am Landesgericht Feldkirch schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen. „Ich kann nichts dazu sagen“ begründet er vor Richter Martin Mitteregger, „und zwar deshalb, weil das alles einfach nicht stimmt!“ Niemals sei er mit dem Jungen im Kino gewesen und habe ihn dort unsittlich berührt. Ebenso streitet er ab, mit dem damals Achtjährigen nackt in der Badewanne gelegen und dabei das Glied des Kindes „manipuliert“ zu haben. Auch den Vorwurf, er habe dasselbe mit dem Knaben im Enkelzimmer unter der Bettdecke getrieben, verweist er ins Reich der Legende.

Kinder geben mir das, was mir Erwachsene nicht geben können

Der Angeklagte

Gewiss, die frühere Verurteilung sei rechtens gewesen. „Ich hatte den Jungen gern, weil er so freundlich und so lieb war. Er hat mich sexuell erregt, ich hatte das Gefühl, gebraucht zu werden. Kinder geben mir das, was mir Erwachsene nicht geben können“, gesteht der nach zwei Jahren Ehe Geschiedene. Die neuerlichen Vorwürfe hingegen seien an den Haaren herbeigezogen.

Das Opfer wird vor Gericht kontradiktorisch einvernommnen. Der junge Mann überzeugt die Schöffen mit seinen erschreckenden Schilderungen mehr als der Beschuldigte. Der 54-Jährige wird im Sinne der Anklage schuldig gesprochen und zu einer Zusatzstrafe von achtzehn Monaten Freihzeitsstrafe- sechs davon unbedingt – verurteilt. Außerdem muss er einen Teilschadensersatz in Höhe von 5000 Euro an das Opfer entrichten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.