Rheintal Mitte, eine Enteignung und ein Modellflugplatz

Vorarlberg / 12.11.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So soll es zwischen Dornbirn, Lustenau und Hohenems einmal aussehen. ASFINAG

Der Modellsportfliegerklub Dornbirn braucht eine neue Heimat, weil es der UVP-Bescheid zu Rheintal Mitte vorsieht.

Schwarzach Wer an schönen Sommertagen irgendwo zwischen Dornbirner, Lustenauer und Hohenemser Ried herumspaziert, kann das leise Surren hören, welches das stetige Rauschen der Autobahn durchbricht. Modellflugzeuge drehen ihre Runden, gestartet und gelenkt am Modellflugplatz. Hier ist die Heimat des MSFC Dornbirn. Aber wie lange noch? Der kleine Flugplatz muss dem Autobahnanschluss Rheintal Mitte weichen. Ein Alternativplatz wurde bisher nicht gefunden.

Den Modellsportfliegerclub Dornbirn gibt es seit 1963. Er zählt rund 100 Mitglieder und lässt sich immer wieder neue Veranstaltungen einfallen. Kürzlich spendierte der Klub einheitliche Segelflugmodell-Bausätze an interessierte Lehrlinge der Firmen Schelling, Blum und Elektro Graf. Die Lehrlinge hatten die Aufgabe, Modelle zu basteln, die möglichst weit und lange fliegen. Die drei Besten erhielten Pokale und Gutscheine, zum Beispiel für einen Tandem-Fallschirmsprung, einen Flug in einem Segelflugzeug sowie Rundflüge mit Motorflugzeugen.

UVP-Bescheid

Nun befindet sich der Klub auf der Suche nach einer neuen Heimat. Das kleine Klubheim und die kleine Starte- und Landebahn müssen dem Autobahnanschluss Rheintal Mitte weichen. Das hat das Innenministerium in der nötigen UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) so beschlossen. Zwar befindet sich der kleine Platz nicht direkt auf der Baustelle, allerdings müssen Kompensationsmaßnahmen durchgeführt werden. Dort wo der Flugplatz steht, muss eine Wiese her, damit der Verlust an Flora und Fauna durch den Autobahnbau ausgeglichen wird.

Der Modellflugplatz liegt im Naturschutzgebiet Gsieg – Obere Mähder in Lustenau. Schon lange rechnet man beim Land damit, bald einen neuen Standort zu finden. Eine Verordnung für den Flugplatz war bis Juli 2019 befristet. Kurz vor Fristende hat sie die Landesregierung bis 31. Jänner 2020 verlängert.

Der Modellflugklub hofft auf eine baldige Entscheidung, schließlich steht und fällt die Vereinsexistenz mit einer Landebahn. Vereinsobmann Erich Burkhart betont auf eine Anfrage: „Wir glauben und hoffen weiterhin auf eine positive Weiterentwicklung dieser langjährigen und schwierigen Behördenverhandlung.“ Auch mit dem ehemaligen Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser habe man sich im Herbst noch einmal getroffen. Mittlerweile hat sein Nachfolger Marco Tittler die Sache geerbt. In seinem Büro bleibt man positiv: „Wir sind unverändert mit Nachdruck an der Sache dran und frohen Mutes, dass sich eine gute Lösung finden lässt.“

Seine Mitarbeiter beschäftigen sich schon lange mit dem Thema. Sie möchten es dem Modellfliegerklub recht machen, sind aber auch mit der Entscheidung im UVP-Verfahren zufrieden und befürworten das Projekt Rheintal Mitte. 2018 hätte der Baustart erfolgen sollen, damit das 35-Millionen-Euro-Projekt 2021 eröffnet werden kann. Das dürfte sich nicht mehr ausgehen, heißt es aus Tittlers Büro. Mittlerweile rechnet man mit einem Baubeginn 2020.

Enteignung ist durch

Dass es länger dauert, liegt nicht am Modellflugplatz, sondern an den zahlreichen Beteiligten: Grundstücke müssen gekauft werden, Lustenau und Dornbirn sind involviert, die Schweizer Gemeinden Widnau und Schmitter ebenfalls, zudem das Land, weil es sich um Landesstraßen handelt, und das Infrastrukturministerium, weil es ein Autobahnanschluss ist. Das wiederum macht die Asfinag zum Projektbetreiber. Dort gibt es Fortschritte zu vermelden. Und zwar war ein Grundeigentümer nicht bereit, sein Grundstück abzugeben. Da sei nun der nötige Enteignungsbescheid ergangen, heißt es aus Wien. Zudem habe man mit Widnau den Vertrag unterzeichnet, aus Schmitter gebe es positive Signale.

Für den Modellsportfliegerklub Dornbirn sind die Verzögerungen eine gute Nachricht. Laut UVP-Bescheid muss er spätestens eineinhalb Jahre nach Baubeginn umziehen, doch der ist noch nicht erfolgt. Etwas Zeit bleibt also noch.