„Wir sind Spezialisten in unserem Bereich“

Vorarlberg / 12.11.2019 • 17:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Radl (l.) und Michael Pellini freuen sich über das positive Feedback ihrer Patienten. BI
Andreas Radl (l.) und Michael Pellini freuen sich über das positive Feedback ihrer Patienten. BI

Arbeiten in der Anästhesie-Pflege des LKH Bludenz.

Bludenz Andreas Radl, Leiter der Anästhesie-Pflege, und Michael Pellini, akademisch geprüfter Intensiv- und Anästhesie-Pfleger, sind ein eingespieltes Team. Beide arbeiten in einem sensiblen pflegerischen Bereich, in dem sowohl technisches Verständnis als auch Empathie mit den Patienten gefordert ist.

 

Worin liegt die besondere Herausforderung in der Anästhesie-Pflege?

Radl Der Spagat zwischen viel Technikverständnis und der Zuwendung zum Patienten ist die größte Herausforderung. Es kommen immer wieder neue Geräte zur Anwendung, die Einschulungen erforderlich machen. Waren früher fünf Geräte auf der Station, so sind es mittlerweile 25 Einzelgeräte.

Pellini Die Anästhesie ist ein Durchgangsbetrieb, es ist nicht alles planbar, sondern wird dem Bedarf angepasst. Dies erfordert von uns viel Flexibilität.

 

Worin sehen Sie Ihre Grundaufgabe?

Radl Wir arbeiten in einem engen Team. Der Anästhesist und die Pflege müssen sich aufeinander verlassen können. Es ist ein Hand-in-Hand-Prozess – vom Einschlafen des Patienten bis zum Aufwachen. Jeder arbeitet selbstständig, dennoch weiß ich genau über den Arbeitsauftrag des Arztes Bescheid. Dieser hat zwar die Endverantwortung, aber wir arbeiten auf Augenhöhe miteinander.

Pellini Eine Kernkompetenz ist sicherlich, den Patienten mit Empathie zu begegnen. Die Patienten kommen meistens ja nüchtern zur Operation, waren in der Nacht zuvor schlaflos und haben über die bevorstehende Operation gegrübelt. Unsere Aufgabe ist es dann, diesen Patienten die Ängste zu nehmen. Es ist inzwischen auch wissenschaftlich erwiesen, dass durch ein einfühlsames Gespräch weniger Medikamente benötigt werden.

 

Was sind Ihre Aufgaben bei einer Operation?

Radl Wir sind die Ersten vor der Operation, mit denen der Patient in Kontakt kommt. Die Anästhesie ist ein abgeschlossener Bereich, hier werden die Patienten verkabelt, intravenöse Zugänge werden gelegt und die Standard-Überwachung wie EKG, Blutdruck und Sauerstoff-sättigung werden eingeleitet. Diese Werte werden vom Anästhesisten und uns während der ganzen Operation überwacht. Bei Veränderungen der Vitalzeichen und bei Blutungen muss sofort regiert werden.

Pellini Im Aufwachraum erfolgt dann die postoperative Überwachung. Der Patient baut in dieser Phase die erhaltenen Medikamente ab, bei einer PDA kann es zu Kreislaufproblemen kommen. Im Aufwachraum treten wir übrigens nicht als Zweier-Team auf, was sonst immer der Fall ist.

 

Was ist der Unterschied in der Anästhesie-Pflege zu einer Pflege
auf der Station?

Pellini Auf der Station ist es so, dass der Arzt etwas vorschreibt und die Pflege dann die Vorgaben ausführt. In unserem Bereich hingegen ist die Kommunikation direkt: Die Anweisung erfolgt vom Anästhesisten, wir spritzen das entsprechende Medikament. Es ist ein abgeschotteter Bereich, in dem wir Spezialisten sind. Der Pflegeaspekt erstreckt sich nur über einen kurzen Zeitraum, in dem allerdings viele Gestaltungsmöglichkeiten liegen. BI

Zur Person

ANDREAS RADL

Geboren 1. November 1969

Familie verheiratet, Tochter Pia
(9 Jahre)

Wohnort Nüziders

Beruflicher Werdegang BORG Bludenz, KPS Feldkirch, Sonderausbildung Anästhesie St. Gallen, seit 2000 Stationsleitung der Anästhesie-Pflege in Bludenz

Hobbys Wandern, Biken, Herstellung
von Edelbränden und Gin

MICHAEL PELLINI

Geboren 8. Jänner 1975

Familie verheiratet, Tochter Isabel
(12 Jahre)

Wohnort Ludesch

Beruflicher Werdegang Betriebs- und Maschinenschlosser, Notfallsanitäter, Diplomausbildung Krankenpflegeschule Feldkirch, Sonderausbildung Akd. Gepr. Pflegeexperte Intensiv und Anästhesie

Hobbys Wandern, Reisen