„Die Bibel ist unser Benzin“

Vorarlberg / 13.11.2019 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pater Georg Sporschill SJ, Gründer und Vorstand von ELIJAH.
Pater Georg Sporschill SJ, Gründer und Vorstand von ELIJAH.

Sporschill und Zenkert schreiben über ihr Sozialprojekt mit Roma.

WIEN Andere gehen mit 65 in Pension. Jesuitenpater Georg Sporschill folgte in diesem Alter einmal mehr der Devise, dorthin zu gehen, wo die Not am größten ist: Gemeinsam mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Ruth Zenkert ließ sich der Russ-Preisträger bei Roma im rumänischen Siebenbürgen nieder und gründete das Sozialprojekt Elijah. Heute ist Sporschill 73 und hat Zenkert die Führung übergeben.

Zustande gekommen sind bisher zwei Arztpraxen, ebenso viele Musikschulen, vier Sozialzentren sowie sieben Lehrwerkstätten. Gerade eröffnet wurde in der Bezirksstadt Sibiu außerdem das „Casa Francisc“; es trägt den Namen von Papst Franziskus und dient Schülern und Studierenden als Wohnheim. Das ist quasi Ausdruck der Erfolgsgeschichte: Viele Kinder haben mit Elijahs Hilfe zunächst lesen und schreiben gelernt. Sie haben sich entwickelt und absolvieren nun eine Lehre oder eine höhere Schule. Elijah ist mit ihnen gewachsen und steht ihnen noch bei.

Wöchentliches „Bimail“

Georg Sporschill und Ruth Zenkert ist all das nicht genug. Sie schaffen noch mehr: Kennengelernt haben sie sich in den 1980er-Jahren in der Bibelschule von Wolfgang Feneberg. Geblieben davon ist unter anderem das wöchentliche „Bimail“: Abwechselnd mit Gleichgesinnten liefern die beiden darin einen Kommentar zu einem Zitat aus der Heiligen Schrift.

Zurzeit ist Genesis dran. Vor allem ihre Texte sind dabei ganz aus dem Leben gegriffen. Kein Wunder, setzt sich ihr Arbeitsalltag doch nur aus Überraschungen, Höhen und Tiefen sowie Widersprüchlichkeiten zusammen, und kann ihrer Überzeugung nach kein Lehrbuch und auch keine Dogmatik ebendiese so gut abdecken, wie es die Bibel tut: „Sie ist der Benzin für unser Projekt“, sagt Sporschill.

Der Wiener Amalthea-Verlag hat nun ein Buch von ihm und Zenkert herausgegeben, das dem Sozialprojekt gewidmet ist und eine „Bimail“-Sammlung enthält. Titel: „Mit Feuer vom Himmel. Neue Geschichten von Elijah und seinen Raben.“ Wobei man wissen muss, dass „Rabe“ in Rumänen das ärgste Schimpfwort für Roma ist. Im biblischen Sinne und auch beim Sozialprojekt gilt er jedoch als Lebensretter. Das „Bimail“ kann über die E-Mail-Adresse „bimail@elijah.ro“ bestellt undkostenlos bezogen werden.

Aber nicht umsonst, wie Zenkert und Sporschill immer wieder erfahren. Eine Leserin hat ihnen geschrieben, wie viel sie davon habe: „Eure Sicht hat mir in meinem Beruf als Ärztin oft geholfen, widerliches Verhalten vom innersten Sein des Menschen zu trennen und den Patienten meine volle Zuwendung zu schenken.“ Nachsatz: „Diese Sichtweise würde auch in der Weltgesellschaft mehr Frieden und Freiheit bringen als leere Worte, Verurteilung und Hass. Nur die bedingungslose Liebe schafft Veränderung, so hat Jesus es uns vorgelebt.“

Georg Sporschill SJ, Ruth Zenkert: „Mit Feuer vom Himmel – Neue Geschichten von Elijah und seinen Raben“. Verlag Amalthea, Wien. 240 Seiten, 23 Euro.