Verpönte Krebsvorsorge

Vorarlberg / 15.11.2019 • 21:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Trotz Schutz geringe HPV-Durchimpfungsrate. Krebshilfe startet Kampagne.

Dornbirn Sie könnte vor verschiedenen Krebsarten, allen voran dem Gebärmutterhalskrebs, schützen. Trotzdem führt die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) in Österreich ein Schattendasein. Diesem Zustand wollen Krebshilfe, Ärztekammer und das Land nun gemeinsam mit einer Informationskampagne abhelfen. In einem Brief an die Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Schulärzte wird ersucht, auf diese Art der Krebsvorsorge hinzuweisen, immer wieder aufzuklären und die Impfung gegebenenfalls auch durchzuführen. Das Schreiben trägt die Unterschrift von Krebshilfepräsident und Russpreisträger Gebhard Mathis, Ärztekammerpräsident Michael Jonas, Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher.

Schutz versus Sex

Er führt die Vorbehalte gegen die HPV-Impfung unter anderem auf die Empfehlung zurück, Jugendliche, und zwar Mädchen wie Buben, noch vor dem ersten Sexualkontakt zu impfen. „Es ist in der Bevölkerung zu wenig angekommen, dass es sich um eine Impfung gegen Krebs handelt“, glaubt Grabher. Stattessen werde sie häufig mit Sex in Verbindung gebracht. Die einzige Verbindung stellt jedoch der Umstand dar, dass HP-Viren durch Sexualkontakte übertragen werden. Deshalb mache eine Impfung vor dem ersten Mal durchaus Sinn. Grabher: „Eine möglichst frühe Impfung wirkt auch deutlich besser.“ Der Rat der Experten: die Impfung zwischen dem 9. und 12. Lebensjahr durchführen. Bei Erwachsenen kann die HPV-Impfung bis etwa zum 35. Lebensjahr Nutzen stiften.

Kostenfaktor

Ein ebenfalls limitierender Faktor sind nach Meinung von Grabher die Kosten. Im Kinderimpfprogramm ist sie noch gratis. Später kann sie bis zu 600 Euro kosten. So viel müssen Erwachsene für den Impfstoff bezahlen, denn eine Dosis schlägt mit 200 Euro auf die Geldbörse, und drei Impfungen sind für einen wirksamen Schutz erforderlich. Etwas billiger gibt es den Impfstoff für 12- bis 15-Jährige. Da liegt der Preis zwischen 65 und 70 Euro pro Dosis. Seit drei Jahren steht ein Impfstoff zur Verfügung, der gegen neun Erreger wirkt. Zuvor gab es nur einen Zweifach-Impfstoff. In Vorarlberg liegt die HPV-Durchimpfungsrate beim Jahrgang 2006 bei 40 Prozent. Tendenz steigend, allerdings nur leicht.

Fakt ist dagegen, dass eine HPV-Infektion bei 90 Prozent aller Gebärmutterhalstumoren als Ursache gilt. „Weitere Krebserkrankungen der Scheide, der Vulva sowie das Peniskarzinom und Analkrebs könnten durch die Impfung in bis zu 80 Prozent der Fälle verhindert werden“, betonen die Unterzeichner in ihrem Schreiben. Zudem können HP-Viren, von denen es an die 150 gibt, Tumore in Hals und Rachen begünstigen sowie üble Genitalwarzen hervorbringen. Der Landessanitätsdirektor betont, dass es bei der aktuellen Kampagne vorrangig um Information gehe. Nachdruck wird der Sache mit folgendem Satz verliehen: „Australische Erfahrungen haben gezeigt, dass durch konsequente HPV-Impfungen die genannten Krebserkrankungen drastisch reduziert bzw. fast ausgerottet werden konnten.“ VN-MM

„Es ist zu wenig angekommen, dass es um eine Impfung gegen Krebs geht.“