VN-Podcast: Der Lagerdekan von Dachau

Vorarlberg / 16.11.2019 • 14:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Pfarrer Georg Schelling. ARCHIV DER MARKTGEMEINDE NENZING

Georg Schelling war im KZ Dachau Sprecher von 2700 inhaftierten Priestern.

Schwarzach Georg Schelling hatte ab 1934 in Vorarlberg eine Doppelrolle inne. Er war einerseits Kaplan, andererseits leitete er als Chefredakteur das Vorarlberger Volksblatt. Als solcher habe er heftig gegen den Nationalsozialismus angeschrieben, erklärt Zeithistoriker Wolfgang Weber. Das hat dazu geführt, dass Schelling am 31. Mai 1938 im ersten Transport aus Westösterreich ins Konzentrationslager (KZ) Dachau gebracht wurde. Weber hat kürzlich eine Studie zu Georg Schelling veröffentlicht. In Podcast VN-Woche spricht er ausführlich über Schellings Biografie.

Weber erläutert: „Das Besondere ist, dass er in den Widerstand gegangen ist, obwohl er aus einem sehr autoritären Regime kam, dem Ständestaat. Das war für ihn die legitime Regierung, die hat er auch als Journalist verteidigt. Darum musste er ins KZ Dachau.“ Bis zu 2700 Priester waren aus dem gesamten Deutschen Reich in diesem Teil des Lagers interniert. 1943 wählten sie Schelling zu ihrem Sprecher, ein Jahr später wurde er vom Bischof von München zum Dekan ernannt. „Er war für 2700 Priester zuständig, auch für die Seelsorge“, erläutert Weber.

Kurz vor Kriegsende, am 10. April 1945, wurde Schelling entlassen. Er kehrte nach Vorarlberg zurück, 1947 wurde er Pfarrer von Nenzing. Weber fährt fort: „Dort blieb er bis zu seinem Tod.“ Er habe alle Christen empfangen, auch ehemalige Mitglieder der SS. „Durch seine Position in Dachau hatte er viel Insiderwissen, weshalb er als Zeuge befragt wurde. An die Namen der Nationalsozialisten konnte er sich nicht erinnern. An jene der Kommunisten unter den Häftlingen hingegen schon“, hält Weber fest.

Während seiner Recherche ist er noch auf einen zweiten Vorarlberger gestoßen, der kurze Zeit in der Häftlingshierarchie in Dachau oben stand: Engelbert Böhler. Eine ausführliche Erklärung zu Schelling, alles über Engelbert Böhler sowie die Erinnerungskultur im Land und das Euthanasiedenkmal in Hohenems ist im VN-Podcast zu hören, und zwar auf VN.at sowie allen gängigen Podcast-Plattformen.