Vor Gericht: Der unsichtbare Untermieter

Vorarlberg / 17.11.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein abgebrochener Wohnungsschlüssel, eine eingetretene Türe und ein für ihn anonymer Untermieter brachten einen Lustenauer Vermieter zum Verzweifeln. SYMBOL/APA

Lustenauer Wohnungseigentümer rätselt über Phantom, das die Türe seiner Mietwohnung eintrat. Ein Fall für das Bezirksgericht.

Dornbirn Der Dornbirner Bezirksrichter Frank Plasinger weiß etwas, das der 57-jährige Kläger nicht weiß: Er kennt die Identität jenes Mannes, der im vergangenen Mai die Türe eines der Mietzimmer, die dem Lustenauer gehören, mit dem Fuß eingetreten hat. Und warum dies? Um eine Frau in Not zu befreien, die sich darin selbst eingesperrt und den Schlüssel beim Öffnungsversuch abgebrochen hatte. Wegen Vergehens der Sachbeschädigung beschuldigt, glänzt der Angeklagte bei der Verhandlung jedoch durch Abwesenheit.

Der geschädigte Wohnungseigentümer selbst hingegen erscheint pünktlich zu Einvernahme. In Arbeitskleidung, Latzhose, kariertem Hemd und deutlich aufgewühlter Stimmung. Denn für ihn ist der abwesende Beschuldigte auch heute so unsichtbar wie seit jeher schon: „Käme der jetzt hereinspaziert, ich würde ihn nicht einmal kennen“, sagt er und: „Wer soll das überhaupt sein? Ich weiß nicht, wie der in die Wohnung hineingekommen ist! Es gab auch nie so etwas wie eine Mietvereinbarung mit diesem Menschen.“

Wirbel an der Adresse

Er wisse nur, dass es an jenem Tag einen Wirbel an der Adresse gegeben habe. „Ich habe meinen Sohn hingeschickt und gleich auch die Polizei“, erinnert sich der 57-Jährige vor dem Richter. Von jener ominösen Frau, die der Tür-Vandale angeblich befreit habe, habe er auch keinen blassen Schimmer.

„Und wie kam diese Frau zu dem Schlüssel?“ will der Richter nun wissen. Auch hier zuckt der Geschädigte unwissend mit den Schultern. Offenbar hat der Lustenauer Wohnungseigentümer den Überblick darüber verloren, wer in seinem Quartier wohnt – in jenem Objekt, in dem er Leasingarbeiter in gleich mehreren Zimmer für für einen preisgünstigen Mieztzins logieren lässt.

„Normalerweise will ich das Gesicht von denen sehen, die dort einziehen. Und die können auch gleich 400 Euro Kaution rausrücken.“ Aber nochmals: Der beschuldigte, angebliche Untermieter sei ihm unbekannt, ein Rätsel, ein Phantom. „Aber wie auch immer, Hauptsache, er ist ausgezogen, aus und fertig!“

Problemobjekt

Und überhaupt, dieses Wohnobjekt sei ein Problemobjekt, seufzt und jammert der Kläger: „Immer dieser Zirkus mit den Untermietern! Jedes Mal ein Wirbel! Wie werde ich die nur los? Ein zentrales Schloss an der Haupteingangstüre hilft nicht, die treten sie ein. Ich kann ja froh sein, wenn die mir nicht gleich die ganze Hütte zusammenreißen!“

Der fehlende Beschuldigte, der wenigstens dem Richter bekannt ist, wird in Abwesenheit wegen Vergehens der Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in der Höhe von 560 Euro verurteilt. Auf die Frage, ob der Lustenauer Vermieter die Kosten für die Reparatur der beschädigten Tür einklage, verneint dieser: „Ich habe sie selbst gerichtet, und von dem Herrn, wer immer das auch sein soll, sehe ich sowieso keinen Cent …“