Ohne Infrastruktur kein Sport

Vorarlberg / 17.11.2019 • 18:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ihre Redegewandtheit dürfte für die kürzlich angelobte Gesundheits- und Sportlandesrätin Martina Rüscher sicher nicht von Nachteil sein.vn/paulitsch
Ihre Redegewandtheit dürfte für die kürzlich angelobte Gesundheits- und Sportlandesrätin Martina Rüscher sicher nicht von Nachteil sein.vn/paulitsch

Gesundheits- und Sportlandesrätin Martina Rüscher hat ambitionierte Ziele.

Bregenz Sie versprüht Begeisterung und guten Willen: Die neue Landesrätin für Gesundheit und Sport, Martina Rüscher, möchte in ihren Ressorts vieles umsetzen, weiß aber auch um den limitierenden Faktor Geld. Deshalb lautet ihre Devise „Wir müssen den Weg des Machbaren gehen“.

 

Was hat Sie bewogen, das Gesundheitsressort anzunehmen?

Rüscher Der Gesundheitsbereich ist für mich spannend, weil uns das Thema in allen Lebensbereichen betrifft. Deshalb hat es mich gefreut, als die Anfrage kam, und ich habe gerne Ja gesagt.

 

Wie haben Sie die Personalspekulationen im Vorfeld erlebt?

Rüscher Das war eine eher unangenehme Zeit. Viele vermuten, dass man sich ständig selbst ins Spiel bringt. Ich weiß auch, dass sich gerade die Ärztekammer einen anderen Vertreter gewünscht hätte und habe daher gleich das Gespräch gesucht. Ich bin mit großer Wertschätzung empfangen worden.

 

Wie sieht die Zukunft der Krankenhäuser im Land aus?

Rüscher Meine Herausforderung wird sein, durch eine intelligente Schwerpunktsetzung dafür zu sorgen, dass Patienten bestmöglich versorgt sind, wir die Ausbildung für junge Ärzte sicherstellen und die Kostenstruktur entsprechend reduzieren können.

 

Wie gehen Sie die Frage des Krankenhauses Dornbirn an?

Rüscher Jedenfalls neu, mit voller Motivation und hoher Wertschätzung Dornbirn gegenüber. Die Richtung muss aber hin zu einer engeren Zusammenarbeit gehen. Ich möchte versuchen, alle Beteiligten wieder an einen Tisch zu bringen.

 

Ist es da vielleicht gut, wenn der Bürgermeister eine Frau ist?

Rüscher Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Ton finden, natürlich auch mit allen Männern, die dort arbeiten.

 

Wie wollen Sie die nötige Entlastung der Ambulanzen angehen?

Rüscher Es gibt mehrere Ansätze. Ein Punkt für mich ist die Stärkung und der Ausbau der Rufnummer 1450. Eine fundierte Erstinformation hilft sehr. Die geplanten Primärversorgungseinheiten sind für mich ebenfalls ein wichtiger Anker, aber nur wenn sie die bestehenden Strukturen unterstützen. Ich möchte diese gemeinsam mit der Ärztekammer und der neuen Gesundheitskasse planen.

 

Sie setzen auch stark auf Prävention. In welcher Form?

Rüscher Ich möchte neue Steuerungsgremien, in denen die Ressorts stärker zusammenarbeiten. Derzeit bekommen wir viele wichtige und richtige Präventionsprodukte, wir wissen aber nicht, was sie tatsächlich bewirken. Es geht darum, alle Daten zu erfassen, um eine gute Auswertung zu erhalten. Das heißt nicht weniger machen, aber zielgerichteter.

 

Wird das Land die Förderungen von Langläufer Dominik Baldauf in voller Höhe zurückfordern?

Rüscher In den Richtlinien unserer Sportförderung steht ganz klar, dass Unterstützungsleistungen zurückzuzahlen sind, wenn Doping nachgewiesen wird. Das werden wir auch bei Dominik Baldauf so handhaben. Wir möchten aber noch den Ausgang des laufenden Verfahrens abwarten. Das Signal muss klar sein: Doping hat im Sport nichts verloren.

Hat der Spitzensport auch für die Politik und die dort handelnden Personen einen hohen Stellenwert?

Rüscher Selbstverständlich. Wir brauchen motivierte Menschen, für die Leistung zu erreichen das Wichtigste ist. Ich möchte sicherstellen, dass sie die Förderung erhalten, die sie benötigen, um weiterzukommen. Da setze ich stark auf das Olympiazentrum. Deshalb gibt es von meiner Seite ein klares Ja zu Erneuerung, Sanierung und Ausbau.

 

Die Sportstrategie läuft 2020 aus. Wie geht es damit weiter?

Rüscher Mein Ziel ist es, die Sportstrategie auf breiter Ebene für die nächsten vier Jahre weiterzuentwickeln. Die Verbände und Funktionäre sind eingeladen, ihre Ideen einzubringen. Darin soll der Erfolg noch stärker definiert werden. Es gilt jedoch auch darauf zu achten, dass Sportler mit Niederlagen umgehen lernen müssen.

 

Wie kann das Land bei der nötigen Infrastruktur unterstützen?

Rüscher Ohne Infrastruktur kein Sport. Da haben Städte und Gemeinden den ersten Schritt zu tun. Bei der Skaterhalle warten wir auf ein konkretes Projekt. Beim Dornbirner EC hoffe ich, dass der ein bisschen Luft bekommt, wenn die Wälderhalle realisiert ist. Für das Stadion in Lustenau ist eine Förderung des Landes in Aussicht gestellt. Für die Schwimmer liegt ein Projekt der Stadt Bregenz vor. Für den Skisport sind fünf Trainingsstrecken das Ziel. Ein Anliegen ist mir auch die Unterstützung der Nordischen. Da denke ich unter anderem an ein kleines Schanzenprojekt im Norden des Landes. Bei allem müssen wir aber den Weg des Machbaren gehen.

Zur Person

Martina Rüscher

Alter 47

Wohnort Andelsbuch

Familienstand verheiratet, drei Söhne

Laufbahn Ausgebildete Außenhandelskauffrau, Kommunikationsberaterin, seit dem Jahr 2000 in der Politik, von 2014 bis 2019 Landtagsabgeordnete, ab 2018 zweite Vizepräsidenten des Landtags, seit 6. November 2019 Landesrätin für Gesundheit und Sport