Vom Anstreicher zum Spitzenbeamten

Vorarlberg / 17.11.2019 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Netzer: „Ich komme leider zu wenig ins Ländle.“
Netzer: „Ich komme leider zu wenig ins Ländle.“

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WIEN
„Ich sehe es als Privileg an, dass ich hier arbeiten kann“, erläutert Mag. Martin Netzer (55), MBA und seit Juni Sektionschef für die Präsidialsektion des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Wien. Der geborene Schrunser trat 2000 ins Ministerium ein. Sein Weg zum Spitzenbeamten war ihm nicht vorgezeichnet, denn er absolvierte nach dem Schulabschluss im elterlichen Betrieb eine Lehre als Maler und Anstreicher und legte auch die Gesellenprüfung ab.

„Aber ich kam bald darauf, dass ich das nicht ein Leben lang machen möchte, und so habe ich die Studienberechtigungsprüfung abgelegt, an der Universität in Wien Germanistik und Philosophie studiert und mit dem Magister abgeschlossen“, schildert Netzer seinen Werdegang. Anschließend war er als Trainer in der Erwachsenenbildung an Volkshochschulen tätig.

Seine Tätigkeit im Ministerium begann er als Mitarbeiter im Kabinett von Bundesministerin Elisabeth Gehrer und stieg dort 2005 zum Kabinettschef auf. Eine Funktion, die er bis 2007 innehatte. „Das war eine sehr interessante Zeit. Ministerin Gehrer war als Frau und Politikerin eine tolle Persönlichkeit, die in der Öffentlichkeit vielfach unter ihrem Wert geschlagen wird“, erinnert sich Netzer.

Durchführung der Zentralmatura

Nach 2007 bis 2013 war Martin Netzer, der auch einen MBA-Grad erworben hat, Bereichsleiter für Erwachsenenbildung und die Schulbuchaktion und anschließend bis 2014 Direktor des Bifie – des Bundesinstituts für Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens. Dabei war er auch für die Durchführung der ersten Zentralmatura in Österreich verantwortlich.

Ab 2014 – mittlerweile war Univ.-Prof. Mag. Dr. Sonja Hammerschmid Bildungsministerin in der Regierung Kern geworden – wurde Martin Netzer Abteilungsleiter für Bildungsentwicklung und Monitoring und unter der Ministerschaft von Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann von November 2018 bis Juni 2019 Generalsekretär und damit der höchste Beamte des Hauses. Denn neu wurde von der ÖVP/FPÖ-Regierung den Generalsekretären die Vorgesetztenfunktion gegenüber den Sektionsleitern eingeräumt. Dazu bekamen sie ein Weisungsrecht. Innerhalb der Ressorts oblag den Generalsekretären die Koordination von Politik und Verwaltung.

Große Themen

Seit Juni 2019 ist Netzer Sektionschef für die Präsidialsektion des Bundesministeriums. „In dieser neuen Funktion stehen große Themen an, etwa der Bereich Budget und Personal. Darunter fällt auch die Budgetplanung für die neue Bundesregierung, diese wird allein für unser Haus bei rund zwölf Milliarden Euro liegen“, erläutert Netzer. Und weiter: „Dazu kommt der gesamte Bereich an IT-Aufgaben mit dem Riesenthema ,Digitalisierung der Schulen‘. Dabei geht es um so komplexe Themen wie beispielsweise die Ausstattung, Lernsoftware, Sicherheitsaspekte und die Schülerverwaltungsprogramme.“

„Zu wenig“ kommt Martin Netzer noch ins Ländle. „Zu Weihnachten, im Sommer und zu den verschiedenen Familienfeiern“, führt er aus. Erholung findet er beim Schwammerlsuchen, und zum Lesen bleibt dem Germanisten bei einer 70-Stunden-Woche leider auch viel zu wenig Zeit. Aktuelle Lektüre ist „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde. EE

Zur Person

Martin Netzer

Geboren 1964 in Schruns

Ausbildung Lehrabschluss als Maler und Anstreicher, Studienberechtigungsprüfung, Studium der Philosophie und Germanistik an der Universität Wien mit dem Abschluss Magister, Zusatzstudium Public Management mit dem Abschluss MBA

Berufliche Tätigkeit Trainer in der Erwachsenenbildung an Volkshochschulen, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, 2000 Eintritt ins Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Kabinettschef von Ministerin Elisabeth Gehrer, Generalsekretär, Sektionschef in der Präsidialsektion.

Hobbys Schwammerlsuchen, Lesen

Familie ledig