Miteinander statt Gegeneinander

Vorarlberg / 18.11.2019 • 17:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Juristische Fachkompetenz und Mitgefühl.
Juristische Fachkompetenz und Mitgefühl.

Zum Tod von Rechtsanwalt Dr. Hans Peter „Hampe“ Türtscher (1956 bis 2019).

Ernest Enzelsberger

EGG Am 30. Oktober 2019 starb nach kurzem, schweren Leiden Rechtsanwalt Dr. Hans Peter „Hampe“ Türtscher. Er war ein besonderer Mensch, der in seiner Kanzlei und für seine Kunden stets mit großer Leidenschaft tätig war und der ein gutes Gespür und Verständnis für die Sorgen und Nöte der Mitmenschen hatte.

Hans Peter Türtscher wurde am 10. Oktober 1956 in Egg, Hub 67, geboren. Zusammen mit seinen Geschwistern erlebte er dort ein wahres Kinderparadies. Jeden Sonntag gab es Familienausflüge. Däta Seftone machte die Kinder vertraut mit Sinn für die Natur, für die Berge und besonders auch für den Wald.

Nach der Pflichtschule besuchte er das BORG in Egg und lernte Klavierspielen, auch Fußball und Tennis gehörten zu seinem Leben.

Das Jusstudium in Innsbruck sprach ihn sehr an, vielleicht auch motiviert durch seinen Firmgöte, Alt-LAbg. und Alt-Bgm. Dr. Anton Sutterlüty. Rasch fand Hans Peter Freunde bei der Studentenverbindung Raeto-Bavaria. Er war sehr gastfreundlich und hilfsbereit, zeigte Neuankömmlingen Innsbruck und ließ sie bei sich wohnen, bis sie ein passendes Quartier fanden. Als Student nahm er mehrmals den harten Ferialjob in den BMW-Werken in München an und war ganz stolz auf sein erstes Auto, einen BMW. Während seines Gerichtjahrs am Landesgericht Innsbruck und in der Kanzlei Dr. Bernt Strickner sammelte er wertvolle Erfahrungen. 1986 feierte er seine Promotion.

Beim Gericht in Innsbruck lernte Hans Peter seine Frau Inge kennen, die ihm zwei Kinder schenkte. Der Umzug von Innsbruck nach Dornbirn brachte auch große Freude für die Großeltern, da sie nun ihre Enkelkinder öfters sehen konnten. Hans Peter arbeitete als Rechtsanwaltsanwärter bei den Anwälten Dr. Gerold und Dr. Burkhard Hirn in Feldkirch und legte 1991 die Rechtsanwaltsprüfung ab. Im selben Jahr eröffnete er seine eigene Kanzlei in Bezau. Es war ein ganz eigener Schmerz für ihn, dass es privat zur Trennung kam und seine junge Familie 1995 wieder nach Innsbruck übersiedelte. Er war dankbar für die wertvollen Zeiten, die er mit seinen nachfolgenden, langjährigen Lebensabschnittspartnerinnen erfahren durfte. Dass er in Innsbruck ein Enkelkind hat, freute ihn sehr.

Hans Peter war mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn ausgestattet, konnte sich in Menschen hineinfühlen und war ein hervorragender Vermittler. Oft konnte er die Streitparteien davon überzeugen, dass es wichtig ist, eine friedliche Lösung anzustreben. Ein Miteinander stand für ihn vor dem Gegeneinander, und neben all seiner juristischen Fachkompetenz spürte er auch Mitgefühl.

Gemütliche Stunden verbrachte er im Jasserkreis. Er besuchte auch dreimal wöchentlich in der Früh seine sehr guten Freunde bei der „Café-Steinhauser-Runde“ in Dornbirn. Daraus ergab sich auch eine Männerreisegruppe, mit welcher er 16 Mal zum Fischfang nach Norwegen reiste.

Der Skisport war ihm ein großes Anliegen. So war er auch Rechtsreferent des Skiclubs Bregenzerwald, für den er sich über zwei Jahrzehnte engagierte. Damit trug er wesentlich zur Bedeutung und Entwicklung des Skinachwuchses in der Talschaft bei.

Eine große Sensibilität zeigte er für seine Mutter. Besonders, als sie langsam erblindete, kümmerte er sich rührend um sie. Es war auch sehr ergreifend, als Hans Peter vor drei Jahren in der Missionsstation Embakwe in Zimbabwe – wo sein Onkel, Bruder Matthias Sutterlüty, 1983 als Mariannhiller Missionar ermordet wurde – in einer Kirche vor 1000 Menschen ein Vergebungsritual mit einem Einheimischen vollzog und die Vergebung für den seinerzeitigen Mord aussprach.

Im Juli wurde Hans Peter schlagartig mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert und er hatte die Überzeugung: „Als ehemaliger Kunstturner werde ich kämpfen.“ Es folgten Höhen und Tiefen. Er war den Ärzten sehr dankbar, die großartig auf ihn eingingen. Trotz seines sehr angeschlagenen Zustands fuhr er immer wieder in die Kanzlei, das war ihm sehr wichtig. Dreimal wöchentlich kam er in dieser Phase ins Vorsäß der Vorfahren, ins Lindach, in sein Kinderparadies, wo seine Schwester Hildegard und die Nachbarn Jos und Hedi Bär ihm sein Dortsein so angenehm wie möglich machten.

Juristische Fachkompetenz und Mitgefühl.
Juristische Fachkompetenz und Mitgefühl.

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