„Der sabberte schon vor lauter aggressiv“

Vorarlberg / 19.11.2019 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Bezirksgericht Dornbirn sind Streitigkeiten unter Nachbarn kein seltener Verhandlungsgegenstand. VOL.AT

Kratzende Fingernägel gegen harte Männerfaust? Nachbarn vor dem Bezirksgericht.

Dornbirn Zwei Angeklagte, sich spinnefeind, nehmen vor Richter Frank Plasinger am Bezirksgericht Dornbirn Platz. Ein 30-jähriger Unterländer („Ich bin unschuldig“) und eine 44-jährige Frau („Ich bin noch unschuldiger“). Der Vorwurf: Eine gegenseitige Attacke auf dem Parkplatz zwischen zwei Wohnblocks. Offenbar war da was wegen Lärmbelästigung. Aber das wird bei der Verhandlung nicht näher erörtert.

Die zweitangeklagte Kontrahentin ist nach der Auseinandersetzung mit ihrem Nachbarn von jener Adresse weggezogen. „Zu gefährlich dort!“, begründet sie gleich zu Beginn der Verhandlung. Wahrlich, sollten ihre drastischen Schilderungen den Tatsachen entsprechen, wäre das durchaus verständlich. So behauptet sie, von ihrem 30-jährigen Widersacher damals mit der Faust attackiert und niedergestoßen worden zu sein. „Der kam auf mich zu und sabberte schon vor lauter aggressiv! Er schrie, ich solle seine Gäste in Ruhe lassen. Ich hatte extreme Angst und rief mehrmals um Hilfe. Und im selben Moment bin ich schon flachgelegen.“

Alles kaputt

Seit dem Schlag sei ihr Gesichtsfeld eingeschränkt und im Ohr pfeife es. „Das linke Auge ist kaputt, da sammelt sich Wasser an. Und der Nacken ist auch kaputt! Ich muss zur Physiotherapie, weil seither alles steif ist. Eine Rennerei ohne Ende“, sagt die 44-Jährige.

Der Erstangeklagte ist fassungslos über diese Aussagen. „Ich habe die Frau zu keinem Zeitpunkt angefasst“, beschwört er das Gericht. Er habe nur mit erhobenem Zeigefinger mit ihr geschimpft. „Da schlug sie auf meine Hände und fügte mir mit ihren Fingernägeln Kratzer zu.“

Da fährt die Zweitangeklagte dazwischen: „Unmöglich! Die Kratzer können schon allein deshalb nicht von mir kommen, weil ich bei meiner Arbeit gar keine langen Fingernägel haben darf.“

Eine entlastende Zeugin

Es gibt eine Zeugin. Eine 27-jährige Nachbarin, damals wegen der lauten Hilfeschreie kurz vor Mitternacht aufgeschreckt. Licht ins tatsächliche Geschehen vermag sie jedoch nicht zu bringen. „Ich sah die Frau nur relativ nahe auf den Mann zugehen, sie hat ihn beschimpft und beleidigt. Er aber wirkte klar und gefasst“, so die Beobachterin.

Konträre Aussagen also, die dem Richter eine Entscheidung unmöglich machen. Er vertagt den Prozess, um mehr Beweismaterial für die Wahrheitsfindung sammeln zu können.