Gerald Matt

Kommentar

Gerald Matt

Gestalten, nicht verwalten

Vorarlberg / 19.11.2019 • 06:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Österreich gilt zu Recht als eine der großen Kulturnationen. Eine Kulturnation, die bislang mit Vielfalt und Spitzenleistungen, mit Tradition und Moderne und mit Freiheit und breiter Förderung erfolgreich war. Alles paletti. Nein. Denn die öffentliche Hand wendet zunehmend Ressourcen für ein überholtes und ineffizientes Förderungssystem, das mehr althergebrachte Privilegien, politische Machtverteilung und überholte künstlerische Bemühungen schützt, als neuen, spannenden und oft unkonventionellen künstlerischen Ansätzen zum Durchbruch zu verhelfen. Anstelle neuer Initiativen und Reformen ist Österreichs Kulturpolitik auf eine der Dynamik von Kunst und Kultur widersprechende Erhaltung des Status quo fixiert.

„Kulturpolitik ist kein politischer Nebenjob und auch keine Verhandlungsmasse im politischen Schlussverkauf.“

Schafft endlich ein „eigenständiges“ Kulturministerium. Kulturpolitik ist zu wichtig für eine Kulturnation, um Wurmfortsatz eines Bundeskanzleramtes oder gar eines Außen-, Unterrichts- oder Sportministeriums zu sein. Kulturpolitik ist kein politischer Nebenjob und auch keine Verhandlungsmasse im politischen Schlussverkauf. Kultur braucht eine starke Stimme. Ein neues Kulturministerium ergibt jedoch nur Sinn, wenn sämtliche kulturellen Verantwortlichkeiten, die zurzeit auf verschiedene Ministerien vom Bundeskanzleramt über das Außenamt bis hin zum Verteidigungsministerium (Heeresgeschichtliches Museum) endlich vereint werden.

Damit einher geht die Gründung einer Stiftung Pro Austria. Denn die Kulturförderung gehört endlich in die Hände einer politisch unabhängigen und unbürokratischen Kulturstiftung nach dem Vorbild der Pro Helvetia, d.h. mehr Geld für Kunst und Künstler, weniger für finanzielle Reibungsverluste durch überzogene Bürokratien.

Reformiert die Auslandskultur. Wenn man etwa die bisherige Auslandskulturarbeit ansieht, bleiben vor lauter Ausgaben für Infrastruktur und Personal für Kunst und Künstler gerade noch Brosamen. Die Auslandskultur sollte in die Stiftung Austria integriert werden, um eine bessere Abstimmung zwischen Inlands- und Auslandsaktivitäten zu erzielen und die durch die staatliche Bürokratie entstehende Ineffizienz und Reibungsverluste der Kulturforen zu sanieren. Entbürokratisiert die Kunstförderung. Kleine Kulturinitiativen scheitern zunehmend an dem hohen Aufwand für Ansuchen für Kunst- und Projektförderung. In vielen Fällen kostet die Kontrollbürokratie mehr als die vergebenen Förderungen.

Schafft die steuerliche Absetzbarkeit der Kunst. Die Absetzbarkeit von Kunstankäufen und Spenden würde nicht nur die Kunstnachfrage ankurbeln, sondern auch weniger Abhängigkeit der Kunst von Politik, Bürokratie und Jurys mit ihren Lobbys bedeuten.

Veränderung tut Not, wenn Österreich eine führende, auch zeitgenössische Kulturnation bleiben will. Was wir brauchen ist eine Kulturpolitik, die gestaltet und nicht wie zuletzt nur mehr verwaltet. Auch daran soll die zukünftige Regierung gemessen werden.

Gerald Matt
gerald.matt@vn.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.