HTL Bregenz ist stolz auf ihre Technik-Mädchen

Vorarlberg / 19.11.2019 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lennart, Maid, Selina und Sabrina (v.l.) verstehen sich bestens. Die Mädchen sind für die HTL Bregenz eine Bereicherung. VN/PAULITSCH

An der traditionellen Techniker-Schmiede sind mittlerweile 60 von 700 Schülern Mädchen.

Bregenz Sabrina (16) aus Hard ist eigentlich sehr zurückhaltend. Spricht man sie auf den Grund für die HTL Bregenz als ihre Schulwahl an, kommt die Schülerin der 3b HA Maschinenbau aber gerne ins Plaudern. „Meine Liebe zur Technik ist vererbt. Ich habe mich schon immer für die Arbeit meines Vaters bei der Firma Hirschmann interessiert. Dort ging ich dann auch Schnuppern. Für mich war bald klar: Ich gehe in die HTL. Meine Eltern haben mich dabei unterstützt.“

Mit Papa Lego gespielt

Klassenkollegin Selina erzählt von den Legokonstruktionen, die sie mit ihrem Papa als kleines Mädchen bereits gemacht hat. „Mit sieben wusste ich schon: Ich will Konstrukteurin und Maschinenbauerin werden. Also war meine Entscheidung für die HTL eine logische.“

Irma Ljubuncic baute schon früh mit ihrem Vater allerhand Dinge zusammen. Beide ihre aus Bosnien stammenden Eltern sind Maschinenbauingenieure. Für Irma war es das Selbstverständlichste, dass sie die Höhere Technische Lehranstalt in Bregenz besuchen wird.

Mit den Buben kommen sie alle gut zurecht. „Auch wenn von denen gelegentlich ein blöder Spruch kommt. Aber das ist nicht so schlimm“, versichert Selina.

Mädchenquote stagniert

Wenn Direktorin Claudia Vögel (55) die Schülerinnen so erzählen hört, schlägt ihr Herz höher. „Wir versuchen ja wirklich alles, um Mädchen an unsere Schule zu bringen. Die Technik entwickelt sich anders, wenn Frauen an deren Ausbau mitwirken.“ Vögel nennt Beispiele: „Frauen bauen leisere Motoren und auch Föhngeräte. Doppelmayer lässt Hauslifte zum Beispiel nur noch in Betrieb, wenn auch eine Frau beim Testen dabei war.“

Dass die Zahl der Mädchen an der HTL in den letzten Jahren trotz aller Bemühungen stagniert, behagt der ersten weiblichen Direktorin an der Bregenzer Technikerschmiede nicht. „Die Hemmschwelle für Mädchen, an unsere Schule zu kommen, hängt wohl auch mit dem traditionellen Rollenbild zusammen. Es braucht natürlich die Unterstützung der Eltern, ihre Mädchen zum Besuch einer technischen Schule zu ermuntern. Wir als Schule können nur die Botschaft verkünden: Mädchen traut’s euch. Es reicht, wenn ihr Interesse zeigt, lernen könnt ihr bei uns.“

„Wir können den Mädchen sagen: Interesse reicht, lernen könnt ihr bei uns.“

Claudia Vögel, Direktorin HTL Bregenz

Buben jetzt ruhiger

Damit sich die Schülerinnen an der HTL Bregenz wohlfühlen, gibt es sogar eine eigene Mädchenbeauftragte. In Bregenz ist das Maria Schranz (28). Die Deutsch- und Geschichtelehrerin veranstaltet Workshops und unverbindliche Treffen der Mädchen untereinander. „Wir forcieren damit keineswegs ein Mädchen-Eigenleben an der Schule. Aber es gibt bestimmte Bereiche, in denen Mädchen untereinander verständnisvoller kommunizieren können. Wenn etwa ein Mädchen einem anderen die Schule erklärt, ist das halt etwas anderes, als wenn das Buben tun.“

Auch auf Sara  und Irma (v.l.) wartet die Welt der Technik. Die beiden Mädchen setzen sich in der zuweilen rauen Bubenwelt problemlos durch. VN/Paulitsch
Auch auf Sara und Irma (v.l.) wartet die Welt der Technik. Die beiden Mädchen setzen sich in der zuweilen rauen Bubenwelt problemlos durch. VN/Paulitsch

Dass die sich für ihre weiblichen Klassenkameradinnen einsetzen und sich in ihrem Verhalten daher auch etwas mäßigen, beteuern Lennart und Maid. „Sie machen uns ein bisschen ruhiger.“ Werkstättenlehrer Stefan Ill geht in seiner Wertschätzung noch weiter. „Die Mädchen sind für meinen Unterricht eine absolute Bereicherung. Gut, dass wir sie hier haben.“