Anteil der Pendler stark angestiegen: Jede Gemeinde im Check

Vorarlberg / 20.11.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Anteil der Pendler steigt und steigt. Arbeitskräfte werden immer mobiler. VN/Steurer

1991 pendelten 52,9 Prozent aller Erwerbstätigen. 2017 waren es 65,7 Prozent.

Schwarzach Zwei von drei Arbeiter und Angestellten pendeln: 193.494 Erwerbstätige gab es laut Statistik Austria im Jahr 2017. Laut Berechnungen der Rechercheplattform Addendum haben 127.185 davon jeden Morgen ihren Wohnort verlassen, um zu arbeiten. Das sind 65 Prozent aller Beschäftigten. Die Gemeinde mit dem höchsten Pendleranteil ist Viktorsberg, jene mit dem geringsten ist Lech, wie die große Pendlerstatistik von Addendum und den VN zeigt.

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Das Vorarlberger Rheintal ist ein einziger, großer Ballungsraum. Dass viele Menschen nicht an ihrem Wohnort arbeiten, ist also keine Überraschung. In einem Drittel aller Vorarlberger Gemeinden, nämlich in 32, liegt der Pendleranteil bei 80 Prozent oder höher. Das heißt zumindest vier von fünf Erwerbstätigen in diesen Gemeinden verdienen ihren Lebensunterhalt wo anders. Die Mobilität der Vorarlberger steigt. 1991 pendelten noch 52,9 Prozent aller Erwerbstätigen im Land, also rund die Hälfte. Zehn Jahre später waren es schon 59,8 Prozent, 2011 stieg der Anteil auf 64,4 Prozent. 2017 lag er bei 65,7 Prozent.

Die größte Steigerung gibt es in Röthis. 1991 pendelten dort bereits 60,7 Prozent aller Beschäftigten, 2017 waren es 85,1 Prozent. Auch in Bludenz (21,8 Prozentpunkte) und Hohenems (20,4 Prozentpunkte) stieg der Anteil um über 20 Prozentpunkte an. In zwölf der 96 Vorarlberger Gemeinden sank der Anteil der Pendler; am meisten in Mittelberg. Dort nahm er von 20,2 im Jahr 1991 auf 12,1 Prozent im Jahr 2017 ab.

Die Gemeinde mit dem höchsten Pendleranteil ist Viktorsberg. 88,4 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten außerhalb, das sind 183 der 207 Viktorsberger Erwerbstätigen. Im Gegenzug gibt es sechs Einpendler; also Menschen, die nach Viktorsberg fahren, um zu arbeiten. Mit Mittelberg, Lech, Warth, Damüls, Dornbirn, Au und Brand gibt es nur sieben Gemeinden im Land, in denen weniger als die Hälfte aller Erwerbstätigen außerhalb der Gemeindegrenzen arbeiten. In Vorarlbergs größter Stadt Dornbirn leben 24.377 Arbeiter und Angestellte, 11.629 von ihnen verdienen ihr Geld nicht in der Stadt. Allerdings arbeiten 26.746 Menschen in Dornbirn, was bedeutet: 52,3 Prozent der Arbeitsplätze in der Stadt gehen an Menschen, die nicht dort wohnen. Dornbirn weist damit einen Pendlerindex von 109,7 auf.

Der Index beschreibt das Verhältnis zwischen Beschäftigten, die im Ort Wohnen und Einpendlern. Liegt der Wert über 100, gibt es mehr Arbeitsplätze als Erwerbstätige, die in der Gemeinde wohnen. Den höchsten Pendlerindex in Vorarlberg weist Warth auf. Dort leben 86 Erwerbstätige, bei 139 Beschäftigten im Ort. 21 Warther arbeiten außerhalb ihres Wohnorts, 74 pendeln jeden Tag nach Warth. Der Pendlerindex liegt bei 161,6. Warth ist damit eine von 17 Vorarlberger Kommunen, die mehr Arbeitsplätze als Erwerbstätige innerhalb der Gemeindegrenze aufweisen. Darunter befinden sich auch die Städte Bregenz, Dornbirn und Bludenz. Den niedrigsten Pendlerindex gibt es in Fraxern, Übersaxen und Viktorsberg.

Addendum hat anhand Zahlen der Statistik Austria auch die Verflechtungen der einzelnen Gemeinden ausgewertet. Den größten Austausch gibt es von Lustenau nach Dornbirn: 1772 Lustenauer arbeiten in Dornbirn. 1649 Dornbirner pendeln täglich nach Bregenz, umgekehrt arbeiten 1399 Bregenzer in Dornbirn. Auch 1423 Hohenemser fahren jeden Tag nach Dornbirn. Zweitgrößte Pendlergruppe nach Bregenz sind Harder (1364), die drittgrößte die Lauteracher (1080). An sechster Stelle der Statistik findet sich erstmals eine Pendlerverflechtung im Oberland: 1309 Feldkircher müssen täglich nach Rankweil, umgekehrt pendeln 1005 Rankweiler nach Feldkirch. Alle anderen Pendlerwege zwischen den Gemeinden betreffen weniger als 1000 Menschen.