Causa Häusle: Jetzt fehlt noch das Urteil

Vorarlberg / 21.11.2019 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Prozess wartet mit einer Kostenexplosion für die Angeklagten auf. VN/SAMS

Es gab viel Lob, viel Kritik und nun warten alle auf die Entscheidung

Christiane Eckert

Feldkirch Durchwegs Lob gab es für Richter Andreas Böhler, der den Mammutprozess leitete. Alles lief diszipliniert ab, trotz vielfach geäußerter Kritik am Vorverfahren. Eine betriebsinterne „Task Force“ hatte Häuslemitarbeiter „locker“ und ohne rechtlichen Beistand zu den Vorwürfen befragt und deren Antworten in Protokollen festgehalten. Von juristischen Belehrungen über Beschuldigtenrechte keine Spur, so die Verteidiger. Diese Protokolle seien dann an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und Grundlage der Ermittlungen geworden. Da seien viele der Befragten „aufgewacht“ und hätten bemerkt, in welcher Situation sie sich befanden.

Rechte beschnitten

„Außerdem wurden die beiden Geschäftsführer der Firma Häusle in ihren Verteidigungsrechten stark beschnitten“, kritisiert Verteidiger Albert Heiß. Statt Akteneinsicht habe es Hauserbot gegeben, an Mitarbeiterbefragungen habe man die Führungskräfte nicht teilhaben lassen. Im Gegensatz zum Hauptverfahren sei das Ermittlungsverfahren unfair abgehandelt worden, sind sich alle Verteidiger einig. Was die verbrachten Müllmengen betrifft, wird bis zuletzt heftig diskutiert. Auch die Kausalität – war eine Ablagerung überhaupt Grund für die festgestellte Verunreinigung – wird mehrfach in Zweifel gezogen.

Schwer zu eruieren

Verteidiger Thomas Raneburger zitiert den Toxikologen Mario Lener. Der sagte bezüglich einer möglichen Verursachung aus: „Wenn ich raten müsste, …“. Außerdem bestätigte der Experte, dass man nicht feststellen könne, ob das Material vor zwei Tagen oder vor 20 Jahren eingebracht wurde, was eine Zuordnung schwer macht. „Man weiß nicht, was, wie viel von diesem was, wann und von wem es ausgebracht wurde“, setzt sich Raneburger für den Freispruch seiner zwei Mandanten ein.

Für und wider

Noch ist unklar, ob und allenfalls wen die Justiz verantwortlich macht. Doch ob schuldig oder unschuldig, alle Angeklagten hat dieses vierjährige Verfahren geprägt. „Bevor ich einen Boden verunreinige, hack ich mir die Hand ab“, sagt der Neuntangeklagte in seinem Schlusswort. „Ich gelte als Umweltsünder, selbst wenn ich freigesprochen werde, etwas bleibt immer hängen“, sagt einer, der sich einst auf Bodenverbesserungsmaßnahmen spezialisiert hatte. Andere erzählen, dass ihre Kinder in der Schule gemobbt wurden, dass sie Jobs verloren oder angestrebte abhaken mussten. Einer erzählt von Scheidung, alle haben immense Anwaltskosten. Was das Urteil bringt, wird sich nächste Woche zeigen.