Mordfall Perauer: Urteil noch heute

Vorarlberg / 21.11.2019 • 17:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hat der Beschuldigte 25-jährige Afghane Nasir Ahmad H. vergangenes Jahr den damals 21-jährigen Michael Perauer durch einen gezielten Halsstich getötet?  VN/Hämmerle
Hat der Beschuldigte 25-jährige Afghane Nasir Ahmad H. vergangenes Jahr den damals 21-jährigen Michael Perauer durch einen gezielten Halsstich getötet? VN/Hämmerle

Plädoyers bereits erfolgt. Richter und Geschworene haben sich zur Beratung zurückgezogen.

Innsbruck Hat der Beschuldigte 25-jährige Afghane Nasir Ahmad H. am 25. November 2018 den damals 21-jährigen Michael Perauer durch einen gezielten Halsstich getötet? Und wenn ja: Ist er für diese Tat schuldfähig? Diese Fragen haben Richter und Geschworene in diesen Stunden am Landesgericht Innsbruck zu klären.

„Es gibt kein Motiv“

Geht es nach Staatsanwältin Gertraud Pfeifenberger, dann ist Frage eins eindeutig mit Ja zu beantworten, Frage zwei mit Nein. „Die Videoaufzeichnungen lassen keinen Zweifel darüber, dass nur der Beschuldigte als Täter in Frage kommt. Ich habe jedoch keine Antwort darauf, was das Motiv für diese Tat ist. Aufgrund der Geisteskrankheit des Täters gibt es keines“, sagte sie in ihrem Schlussplädoyer. Ihrer Meinung nach ist der Afghane jedoch eine Gefahr für die Gesellschaft und müsse in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden.

Der Verfahrenshelfer des Beschuldigten, Rechtsanwalt Paul Delazer, plädierte bei den Geschworenen dafür, die Frage nach der Täterschaft seines Klienten mit Nein zu beantworten. Würden sie ihm die Tat trotzdem zuschreiben, wäre er jedoch auch der Meinung, dass der 25-Jährige aufgrund seiner Erkrankung schuldunfähig sei.

Akribische Forschung

Den Schlussplädoyers gingen die Vorträge der Sachverständigen voraus. Videoauswertungsexperte Veselko Hagen sowie der Mediziner und Experte für Anthropometrie kamen in ihren akribischen Forschungen zu einen klaren Schluss: Der Beschuldigte befand sich zur Tatzeit im Umfeld des Tatortes bei der Bogenmeile und er ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Täter.

Ein in seiner Aussage zweifelsfreies Gutachten gab auch die psychiatrische Sachverständige, Adelheid Kastner, ab. Sie zeichnete ein aufwühlendes Bild des Afghanen, der im Jahre 2015 aus dem Iran nach Österreich. „Er hinterließ zuerst einen guten Eindruck, schien sich hier etablieren zu wollen und zeigte Interesse, Deutsch zu lernen. Doch 2016 wurde alles anders.“ Er sei auf einmal nicht mehr wiederzuerkennen gewesen. „Er zog sich zurück, brach Kontakte ab, ließ sein Zimmer verwahrlosen, wurde aggressiv, war nicht mehr selbstversorgungsfähig. Er ist für uns jetzt schon längst nicht mehr erreichbar.“

Die Katastrophe

Eine Katastrophe sei auch gewesen, dass man in der Psychiatrie seinen Zustand nicht erkannt habe und ihn nach Hause geschickt habe. Dabei leide Nasir Ahmad H. an der schlimmsten psychischen Krankheit, die es gebe: „An Schizophrenie.“ H. sei völlig unberechenbar. Von ihm gehe eine hohe Gefährlichkeit aus. Die einzige Möglichkeit, sich vor ihm zu schützen, sei die Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher.