Den Freimaurern auf der Spur

Vorarlberg / 22.11.2019 • 19:27 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Logo der Vorarlberger Moderatio ist schlicht, aber ausdrucksstark. Der Buchstabe ‚M’, zerlegt in ein Winkelmaß sowie Sonne und Mond. Rudolf Nagiller schreibt Beiträge für die Homepage der Großloge von Österreich.
Das Logo der Vorarlberger Moderatio ist schlicht, aber ausdrucksstark. Der Buchstabe ‚M’, zerlegt in ein Winkelmaß sowie Sonne und Mond. Rudolf Nagiller schreibt Beiträge für die Homepage der Großloge von Österreich.

Berüchtigt für ihre Verschwiegenheit. Auch in Vorarlberg gibt es eine Freimaurerloge.

Schwarzach Fanatischer Illuminatenorden, elitäres Geheimnetzwerk, alteingesessener Männerbund – den Freimaurern wird einiges nachgesagt. Dabei hat sich vieles geändert seit der Zeit, als Freimaurer entweder bewundert oder verleumdet, verkannt und sogar verfolgt wurden. Geblieben sind ein geheimnisvoller Ruf und jede Menge Vorurteile.  „Dabei sehen wir uns gar nicht als Geheimbund. Jede Loge ist ein eingetragener Verein, der öffentlich einsehbar ist. Wir sind ein diskreter Bund“, räumt Rudolf Nagiller, selbst praktizierender Freimaurer, mit einem hartnäckigen Vorurteil gleich zu Beginn des VN-Interviews auf. Nagiller, ehemaliger Informationsdirektor des ORF, lebt in Wien, maturierte in Bregenz und ist Kenner der Vorarlberger Freimaurer.

Moderatio heißt die erste Vorarlberger Loge, die 2005 von zwölf Mitgliedern gegründet wurde. „Zuvor gab es Vorarlberger, die zu den benachbarten Logen in Innsbruck (Zu den drei Bergen), St. Gallen (Bauplan) oder Lindau (Insel zu den drei Ufern) gingen“, erklärt der 76-Jährige. Der Name Moderatio stammt aus dem Lateinischen und steht für Maßhalten, Selbstbeherrschung. Bescheidenheit einerseits, Lenkung, Leitung und Herrschaft andererseits, erklärt der Wiener: „Das passt auch zur alemannischen Mentalität.“

Die Moderatio umfasst derzeit etwa 30 Mitglieder, österreichweit gebe es derzeit ungefähr 3600. Vertreter der Logen treffen sich einmal im Jahr in einer Vollversammlung in Wien. Bei dieser wird wie in einem Parlament über anstehende Entscheidungen abgestimmt, etwa die geheime Wahl des Großmeisters alle drei Jahre.

Humanistische Werte

„Unser Hauptzweck ist, dass wir in uns gehen und versuchen, bessere Menschen zu werden und das Denken ein Stück weit zu veredeln. Das wirkt sich indirekt auch auf die Gesellschaft aus“, erklärt Rudolf Nagiller den  – neben den fünf Grundidealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität – Hauptzweck der Freimaurerei.

Die Freimaurerei hat in Europa, insbesondere in England, eine lange Tradition. 1717 wurde der Überlieferung nach in London die erste Großloge der Welt gegründet. Die Freimaurerei geht auf die Steinmetzbruderschaft und deren Bauhütten im Hochmittelalter zurück. An die Traditionen, Rituale und die Lebensordnung dieser knüpft die heutige Freimaurerei an. Wer in der Tradition zur Großloge von England steht und von dieser anerkannt wird, gehört zur regulären Freimaurerei. Dazu gehört auch die Moderatio, eine von insgesamt 80 Logen der Großloge von Österreich, die sich wiederum an den Grundwerten der Großloge von England orientiert.

Einer der frühesten Berührungspunkte Vorarlbergs mit der Freimaurerei findet sich beim Schriftsteller und Sozialreformer Franz Michael Felder. Heute würde der Schoppernauer als „Freimaurer ohne Schurz“ bezeichnet werden. „Er war in keiner Loge, beschäftigte sich in seinem Roman ‚Sonderlinge‘ mit dem Begriff ‚Freimaurer’ als negativem Ausdruck, den katholische Reaktionäre damals zur Verunglimpfung fortschrittlich denkender Menschen benutzten. Er hatte auch Kontakt zu ihnen“, erklärt Nagiller.

Freimaurer kann übrigens jeder werden, betont Rudolf Nagiller. Dabei sei es irrelevant, welcher Partei oder Religion man angehöre. Voraussetzung sei aber, dass man sich in Toleranz übt. „Das Gedankengut ist eng mit der Aufklärung verknüpft.“ Neben reinen Frauenlogen gibt es in Österreich auch gemischte Logen, jene in Vorarlberg ist eine reine Männerloge.

Von Mythen umwoben ist auch das freimaurerische Ritual. Zweimal im Monat treffen sich die Logenmitglieder, erklärt der Wiener. Symbole, die seit dem 18. Jahrhundert verwendet werden, spielen beim Ablauf des Treffens eine zentrale Rolle. Die freimaurerischen Symbole Winkel und Zirkel kommen zum Einsatz: „Das Winkelmaß symbolisiert die Rechtschaffenheit des Menschen. Der Zirkel ist Symbol für die intellektuelle, emotionale Arbeit des Freimaurers an sich selbst und steht für die Gemeinschaft aller Menschen.“ Es folgen ritualisierte Dialoge und Wechselgespräche. „Das ist ein Innehalten und dient dem bewussten Moment der Entschleunigung. Im Zentrum des monatlichen Rituals steht ein Vortrag, den jedes Mal ein anderer Bruder hält und über den im Anschluss diskutiert wird.“

Ob Freimaurer Einfluss auf Politik und Wirtschaft ausüben, wie es oft heißt? „Nein, die Geschäftsmaurerei ist sehr verpönt“, stellt Nagiller klar.

Öffnung nach außen

In den vergangenen Jahren öffneten sich die Freimaurer mehr der Öffentlichkeit. Vor fünf Jahren wurde eine offizielle Website erstellt, auf der man sich informieren kann. Vorurteile sollen so abgebaut werden.

„Wir versuchen, bessere Menschen zu werden. Das wirkt sich auf die Gesellschaft aus.“

Der Große Tempel im Wiener Logenhaus in der Rauhensteingasse. Hier treffen sich auch Vorarlberger Vertreter jährlich zur Vollversammlung der Großloge von Österreich. ECOWIN
Der Große Tempel im Wiener Logenhaus in der Rauhensteingasse. Hier treffen sich auch Vorarlberger Vertreter jährlich zur Vollversammlung der Großloge von Österreich. ECOWIN

Lesen Sie im fünften Teil: Was es mit dem Wahrzeichen des Bregenzerwaldes auf sich hat.